Eurowings will nach Integration von Air-Berlin-Teilen Digitalkonzern werden

Getümmel am Himmel

Eurowings will nach Integration von Air-Berlin-Teilen Digitalkonzern werden

Danach hat Dirks, der bis Anfang 2017 Telefonica Deutschland führte, mehrere Millionen Euro für neue Digitalprojekte von Eurowings freigegeben. Geplant sei etwa eine viel engere Verknüpfung des Online-Ticketverkaufs mit Angeboten von Hotels, Mietwagen oder Event-Veranstaltern. „Dank der Digitalisierung steuern wir nicht nur unsere Flugbetriebe viel effizienter“, sagt Dirks. „Vor allem können wir Millionen unserer Kunden viel besser ansprechen, als wenn wir nur Flüge von A nach B anbieten würden.“ Eurowings werde in fünf Jahren keine klassische Airline mehr sein, sagt er, „sondern ein digitales Unternehmen mit angeschlossenen Flugbetrieben“.

Dirks äußerte Verständnis dafür, dass viele Air-Berlin-Mitarbeiter über den Untergang ihres Unternehmens schockiert sind: „Air Berlin wurde seit Jahren mit Milliarden-Subventionen nur noch künstlich am Leben gehalten. Dennoch habe ich volles Verständnis dafür, wenn Air-Berlin-Mitarbeiter noch immer schockiert sind vom Untergang ihrer Airline.“ Umso mehr sei er froh, dass man vielen von ihnen eine gute Zukunft anbieten könne.

Weil Eurowings künftig in Düsseldorf jeden zweiten Flug kontrollieren wird, will das Unternehmen dort künftig mehr mitreden: „Düsseldorf ist so wichtig für uns wie kaum ein anderer Flughafen“, sagt Dirks, „aber umgekehrt sind wir für Düsseldorf so wichtig wie keine andere Airline.“ Darum fordert er auch, dass Eurowings am Flughafen stärker mitspricht: „Wir bringen eine sehr hohe Wertschöpfung nach Düsseldorf, also wollen wir daran auch stärker partizipieren.“ Rheinische Post

Getümmel am Himmel

Nach einem Kursgewinn von über 150% im vergangenen Jahr hat die Lufthansa-Aktie 2018 am ersten Handelstag mit einem rasanten Sinkflug begonnen. Der Coup der Airline-Gruppe IAG, die sich den Ferienflieger Niki für ein Zehntel des zuvor von Lufthansa gebotenen Kaufpreises unter den Nagel reißt, vergrätzt Anleger ebenso wie Politiker. Letztere wären indes besser beraten, sich mit Verbalattacken gegen die EU-Kommission zurückzuhalten, wenn sie nicht weiterhin den Argwohn über eine zweifelhafte Rolle des Staates im Insolvenzverfahren von Air Berlin nähren wollen.

Es ist nicht Aufgabe der EU-Wettbewerbshüter, für möglichst hohe Erlöse bei der Resteverwertung der Airline zu sorgen, damit die Bundesregierung ihren Überbrückungskredit wieder eintreiben und sich eine Blamage vor dem Steuerzahler ersparen könnte. Stattdessen muss Brüssel darauf achten, dass der Wettbewerb nicht durch eine zu große Marktmacht eines einzelnen Unternehmens gefährdet wird. Und das haben die Beamten getan.

Die Notlandung von Niki bei IAG macht nicht nur der Lufthansa, sondern vor allem auch den hiesigen Ferienfliegern Tuifly und Condor bzw. deren Müttern einen Strich durch die Rechnung. Sie hatten gehofft, dass mit der Pleite von Air Berlin und der von Niki Kapazitäten aus dem deutschen Markt genommen würden und der Preisdruck etwas nachlassen würde. Dass IAG die Air-Berlin-Tochter für nur 20 Mill. Euro und ein Übergangsgeld bekommt, zeigt, dass weder Thomas Cook noch Tui, die zuvor noch bereit gewesen war, ihre eigene Fluggesellschaft in einem Verbund mit Teilen von Air Berlin zu verbinden und so eine schlagkräftige deutsche Airline-Gruppe im europäischen Verkehr zu schaffen, geneigt waren, das Gleiche zu zahlen.

Damit haben sich alle Beteiligten hierzulande verzockt. Das Getümmel am Himmel wird nicht weniger, sondern mehr. IAG vergrößert die Reichweite ihrer Billigtochter Vueling, die den iberischen Markt bisher nur aus München und Frankfurt angeflogen hat, um das Netz der Niki, die ebenfalls über lukrative Landerechte in Spanien verfügt und somit nun einen guten Teil des deutschen Urlaubsverkehrs in den Mittelmeerraum der IAG-Gruppe zuführt. Die Lufthansa muss mit erweiterten Kapazitäten aus eigener Kraft bei Eurowings aufrüsten, um auch dieser neuen Konkurrenz Paroli zu bieten. Dabei sollte sie ihre Mittel mit Augenmaß einsetzen, denn zum Getümmel am europäischen Himmel zählen auch weiterhin die Flugzeuge der Alitalia. Wo diese notlanden, ist noch offen. Die Insolvenzverwalter setzen wie immer zuerst auf den Meistbietenden. Heidi Rohde – Börsen-Zeitung

DasParlament

Ein Kommentar "Eurowings will nach Integration von Air-Berlin-Teilen Digitalkonzern werden"

  1. emmdee   Mittwoch, 3. Januar 2018, 10:34 at 10:34

    Wenn mit „Vereinfachen von Kundenservices“ die rigorose Nicht-Service-Leistung gemeint ist, dann wird man mittelfristig auf dem Holzweg sein. Der Verbraucher weiß das einzuschätzen und wird sich für Anbieter entscheiden, die ihr Geschäftsmodell nicht nur auf Serviceabbau , und Auslagerungen verlegen.

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