Ex-EU-Kommissar Verheugen: Heilige Kühe der EU schlachten

Große Unterschiede bei Arbeitslosenquote - je nach Berufsgruppe

Ex-EU-Kommissar Verheugen: Heilige Kühe der EU schlachten

Ex-EU-Kommissar Günter Verheugen setzt klar auf die soziale Karte: Die neue EU-Kommission unter von der Leyen müsse eine ganze Herde heiliger Kühe der EU schlachten und sich ganz auf das Hauptziel Vollbeschäftigung konzentrieren, kommentiert er in der Tageszeitung „neues deutschland“ und parallel auf der Debattenplattform www.die-zukunft.eu. Die Europäische Union „könnte also alle ihre Kräfte darauf konzentrieren, die bestehende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und den künftig drohenden massiven Verlust von Arbeitsplätzen zu begegnen. Niemand könnte die Kommission daran hindern, ihre Vorschläge so zu formulieren, dass alle Politikbereiche auf das Ziel der Vollbeschäftigung ausgerichtet werden“, so der Politiker, der u.a. Staatsminister im Auswärtigen Amt und stellvertretender EU-Kommissionspräsident war.

„Die große Idee wäre, eine Union zu haben, die Klimaschutz und Vollbeschäftigung vereint“, so Verheugen. „Auf diese Weise würde zugleich das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des europäischen Integrationsmodells wiederhergestellt.“

Große Unterschiede bei Arbeitslosenquote – je nach Berufsgruppe

Trotz des weiter brummenden Arbeitsmarktes und 1,4 Millionen unbesetzter Stellen sind zahlreiche Berufsgruppen von hoher Arbeitslosigkeit betroffen. Unter den Sprach- und Literaturwissenschaftlern war 2018 beispielsweise mehr als jeder Vierte (26,4 Prozent) arbeitslos gemeldet. Das geht aus einer Auswertung der berufsspezifischen Statistik der Bundesarbeitsagentur (BA) durch die Linkspartei hervor, die der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) vorliegt.

Im Bereich Papier- und Verpackungstechnik lag die Arbeitslosenquote bei 19,2 Prozent, beim Objekt-, Personen-, Brandschutz und in der Arbeitssicherheit bei 18,5 Prozent, in den Geisteswissenschaften bei 15,4 und im Gartenbau bei 14,9 Prozent.

Zugleich gibt es auch Berufsgruppen, in denen quasi keine Arbeitslosigkeit vorkommt. Im Bereich Polizeivollzugs- und Kriminaldienst, Gerichts- und Justizvollzug lag die Quote laut der BA-Statistik bei null Prozent. Bei den Angehörigen gesetzgebender Körperschaften und leitenden Bediensteten von Interessenorganisationen war nur einer von 1000 betroffen. Deutlich unter einem Prozent lag die Quote auch in den Berufsgruppen Weinbau, Verwaltung, Technische Forschung und Entwicklung, Theologie und Gemeindearbeit sowie Lehrer. Die Arbeitslosenquote im Jahr 2018 insgesamt betrug 5,2 Prozent.

„Die Jubelmeldungen über die vermeintlich gute Entwicklung des Arbeitsmarktes dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor viele Menschen gibt, die es schwer am Arbeitsmarkt und bei der Jobsuche haben“, sagte Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann im Gespräch mit der „NOZ“. „Pauschales Gerede von Fachkräftemangel ist Quatsch und kontraproduktiv.“ Noch immer gebe es nicht genügend gute Arbeit, deswegen müsse die Bundesregierung „den arbeitsmarktpolitischen Stillstand beenden und für mehr existenzsichernde Arbeit sowie bessere Unterstützung von Erwerbslosen sorgen“, forderte die Linken-Politikerin.¹

Arbeitslosenquote im Euroraum bei 7,7%

In der EU28 bei 6,4%

Im Euroraum (ER19) lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im März 2019 bei 7,7%. Damit verzeichnete sie
einen Rückgang gegenüber 7,8% im Februar 2019 sowie gegenüber 8,5% im März 2018. Das ist die niedrigste
Quote, die seit September 2008 im Euroraum verzeichnet wurde. In der EU28 lag die Arbeitslosenquote im März
2019 bei 6,4%. Damit verzeichnete sie einen Rückgang gegenüber 6,5% im Februar 2019 sowie gegenüber 7,0%
im März 2018. Das ist die niedrigste Quote, die seit Beginn der monatlichen Reihen zur EU-Arbeitslosigkeit im
Januar 2000 in der EU28 verzeichnet wurde. Diese Daten werden von Eurostat, dem statistischen Amt der
Europäischen Union, veröffentlicht.

Gemäß Schätzung von Eurostat waren im März 2019 in der EU28 insgesamt 15,907 Millionen Männer und Frauen
arbeitslos, davon 12,630 Millionen im Euroraum. Gegenüber Februar 2019 verringerte sich die Zahl der
arbeitslosen Personen in der EU28 um 172 000 und im Euroraum um 174 000. Gegenüber März 2018 sank die
Zahl der Arbeitslosen in der EU28 um 1,430 Millionen und im Euroraum um 1,172 Millionen.²

¹neues deutschland ²EUROSTAT

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