Fachkräfteeinwanderungsgesetz droht zum Flop zu werden

Fünf Jahre Uni sind nicht in zwei Wochen nachzuholen

Fachkräfteeinwanderungsgesetz droht zum Flop zu werden

Immer wieder die Lehrer. Zu viele in den falschen Fächern, zu wenige an der richtigen Schulform. Wenn der Präsident des deutschen Lehrerverbands die Schmalspur-Qualifikation von Quereinsteigern als Verbrechen an Kindern bezeichnet, ist das zwar juristisch gesehen ein falscher Begriff. Vom Laienverständnis her liegt er aber vollkommen richtig.

Ohne qualifizierte Lehrkräfte werden Kinder ihrer Chancen beraubt. Vor allem die Grundschule, in der mit Lesen und Schreiben die Grundlagen für die spätere Leistungskompetenz gelegt werden, muss jedem Kind das Beste bieten. Die neusten Pisa-Ergebnisse zeigen, dass ein Fünftel der Schüler nur unzureichend bis gar nicht lesen kann. Da braucht es erst recht geballte Kompetenz im Klassenzimmer.

Wer lesen und schreiben kann, kann es noch lange nicht kompetent vermitteln. Kinder zu alphabetisieren bedarf besonderer pädagogischer und didaktischer Kenntnisse. Ein Lehramtsstudium dauert im Schnitt fünf Jahre, das Referendariat je nach Land ein bis zwei Jahre. Erst danach ist eine Lehrkraft vollständig qualifiziert, Schüler eigenständig zu unterrichten. Neben dem Fachwissen – das im Unterricht meist eine untergeordnete Rolle spielt – geht es um Lernstrategien und Kompetenzorientierung, um Motivation und darum, den Kessel der Konflikte im überaus heterogenen Sozialgefüge auf Sparflamme zu halten. Das lernt man nicht in einem Zwei-Wochen-Seminar. Inklusion und Integration managt auch niemand intuitiv.

Das Problem ist auch, dass viele denken, weil sie selbst mal Schulkind waren, wüssten sie, wie der Beruf funktioniert. Nein. Lehrer sein bedeutet nicht, sich vor die Klasse zu stellen und ein bisschen was zu erzählen, während die Kinder stillsitzen. Das war vielleicht mal so. Zumal der Frontalunterricht mittlerweile verpönt ist. Binnendifferenzierung und individuelle Lernpläne sind die Methoden des Zeitgeistes. Wenn die Quereinsteiger darauf nicht optimal vorbereitet werden, sind nicht nur die Kinder die Leidtragenden. Auch der motivierteste Quereinsteiger wird nicht lange durchhalten, wenn ihm keine ausreichenden pädagogischen und didaktischen Mittel an die Hand gegeben werden. Mit Motivation allein ist das nicht zu stemmen.

Quereinsteiger sind eine gute Stütze, um die Not zu überbrücken. Keinesfalls dürfen sie ohne Nachqualifikation dauerhaft unterrichten. Kinder haben einen Anspruch auf gute Bildung. Und Eltern darauf, dass ihre Kinder in der Obhut von Fachkräften sind. Sollten Eltern merken, dass Unqualifizierte vor ihren Kindern stehen, könnte das zudem den Boom von Privatschulen fördern, soziale Trennung inklusive.¹

Zum Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes der Bundesregierung am 1. März 2020 erklärt Filiz Polat, Sprecherin für Migrationspolitik:

Ein wirksames und praxistaugliches Einwanderungsgesetz ist keine Wohltat, sondern wäre notwendig und längst überfällig. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März in Kraft tritt, hat diesen Namen nicht verdient, denn es wird die Migration nach Deutschland für Einwanderungswillige nicht erleichtern.

Für viele Einwanderungswillige stellt das Zuständigkeitswirrwarr zwischen vielen Stellen und Behörden weiterhin eine große Herausforderung dar. Wir haben während des gesamten Verfahrens gebetsmühlenartig darauf hingewiesen, dass die eigentlichen Probleme bei der Fachkräfteeinwanderung durch das Gesetz der Bundesregierung nicht gelöst werden. Es ist zu bedauern, dass mit dem komplexen Verfahren zur Anerkennung der Berufsabschlüsse das größte Hindernis bei der Fachkräfteeinwanderung unangetastet bleibt. Ob der Überlastung der Visastellen und Auslandsvertretungen durch die neue Behörde im Auswärtigen Amt ausreichend entgegengewirkt werden kann, bleibt fraglich.

Schon jetzt ist klar, dass wir so die von Fachleuten prognostizierte dringend benötigte Arbeitseinwanderung von mindestens 260.000 Menschen pro Jahr nicht erreichen werden. Damit bleibt das Gesetz hinter den Erwartungen zurück und droht zum Flop zu werden. Ein wirksames, transparentes und unbürokratisches Einwanderungsgesetz kann nur mit einem Punktesystem erreicht werden.

Die Fehler bei der Anwerbung der sogenannten Gastarbeitergeneration drohen sich zu wiederholen, wenn Einwanderungswillige lediglich als Arbeitskräfte betrachtet werden. Wer die Familien nicht mitdenkt und keine langfristigen und den internationalen Biographien gerechten Perspektiven bietet, verkennt die Rolle Deutschlands im weltweiten Wettbewerb um Fachkräfte.

Einwanderungswillige werden weiterhin einen Bogen um Deutschland machen, solange Rassismus in Deutschland nicht entschieden genug bekämpft wird.²

¹Fatima Krumm – Westdeutsche Zeitung ²Bündnis 90/Die Grünen

DasParlament

Eine Antwort auf "Fachkräfteeinwanderungsgesetz droht zum Flop zu werden"

  1. Buerger   Dienstag, 3. März 2020, 10:25 um 10:25

    Dieses Gesetz ist ein Bereits ein Flop , denn die die es gemacht haben hatten ihren gesunden Menschenverstand bereits vor der Tür in den Mülleimer geschmissen.

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