G8-G7-G6: Zeit für die glorreichen Sechs

Ziemlich schlechteste Freunde

G8-G7-G6: Zeit für die glorreichen Sechs

Donald Trump sprengt via Twitter die Abschlussvereinbarung des G7-Gipfels, weil er sich über Kanadas Ministerpräsidenten Justin Trudeau geärgert hat. Dieser wagte, im Handelsstreit auch nur mit halber Münze zurückzuzahlen, was sich der US-Präsident so leistet. Der 71-Jährige hat es immer noch nicht verstanden, dass er kein Wirtschaftsboss mehr ist, der heuern und feuern kann, sondern US-Präsident, der globale Verantwortung tragen muss. Die Zeit ist reif für eine neue Koalition der Willigen. Für Frieden, Vernunft, Partnerschaft.

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan und Kanada wären die glorreichen Sechs, wenn sie gegen Trumps Polarisierung ankämpfen und das Wertebündnis zusammenhalten würden. Es mag auf Dauer langweilen, aber Europa ist zu neuer Stärke aufgerufen – bei allen Problemen, die jetzt auf die EU durch die neue Rechts-Links-Regierung in Italien und den Austritt Großbritanniens zukommen. Ein überhastetes Ende von G7 sollte Trumps Wut-Tweet jedenfalls nicht nach sich ziehen. Denn erstens ist Trump nicht mit den großartigen Vereinigten Staaten von Amerika gleichzusetzen. Und zweitens twittert der Ping-Pong-Präsident morgen vielleicht wieder, Trudeau mache einen „guten Job“. Kristina Dunz – Rheinische Post

Dieser G7-Eklat hat auch sein Gutes: Jetzt kann sich wenigstens niemand mehr etwas vormachen über den Grad der Zerrüttung im Kreis der wichtigsten Industrienationen. Das Desaster von La Malbaie lässt keinerlei Interpretationsspielraum. Wer aber die Schuld dafür allein bei US-Präsident Donald Trump sucht, macht es sich (mal wieder) zu einfach.Gewiss: Trump ist Trump und bleibt es auch. Selbstverständlich hat der US-Präsident seinen Anteil daran, dass es so kommen konnte, wie es gekommen ist. Erst seine unangemessene Forderung, Russland wieder aufzunehmen und aus dem Kreis der G7 wieder die G8 zu machen – so, als hätte es die Annektion der Krim nie gegeben.

Dann seine vorzeitige Abreise ohne Grund, denn bis zum Nordkorea-Gipfel morgen wäre auch so mehr als genug Zeit geblieben. Und schließlich das nachträgliche Abrücken von der nur äußerst mühsam errungenen Schlusserklärung.Doch auch die beiden Sunny-Boys der Weltpolitik, Kanadas Regierungschef und Gastgeber Justin Trudeau sowie Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, müssen sich fragen lassen, ob ihr Verhalten dem Ernst der Lage angemessen war. Das gipfelte in der Botschaft, dass »kein Führer ewig ist«, wie Europas vermeintlicher Hoffnungsträger per Kurznachrichtendienst Twitter in die Welt hinausposaunte. Kritik an Trump mit den Methoden von Trump? Allein das macht Macrons Aussagen hohl, wonach »wir Verpflichtungen erben, die wichtiger sind als wir selbst«.

Man muss kein CDU-Mitglied sein, um sich in Momenten wie diesen an Angela Merkel zu erfreuen. So sehr man sich mit Blick auf die weitgehende innenpolitische Gleichgültigkeit der Kanzlerin fragen kann, warum sie sich eine vierte Amtszeit angetan hat, so wenig möchte man sich die internationale Politik gegenwärtig ohne sie vorstellen. Einzig und allein: Was nützt eine Angela Merkel, wenn sich zu viele Staatenlenker aufführen wie halbstarke Jugendliche bei einer Prügelei in der Dorfkneipe.Dieser Gipfel hat noch einmal gezeigt, wie sehr Trump die USA mittlerweile isoliert hat und wie wenig seine Politik einer durchdachten Strategie folgt.

Ebenso erschreckend ist allerdings, dass den Europäern kaum etwas Konstruktives einfällt, das entstandene Vakuum zu füllen. So lange jeder gegen jeden keilt, wird sich das kaum ändern. Kraftmeierei ist kein Ersatz für politisches Geschick.Der Westen verschleißt sich im Kampf untereinander, anstatt gemeinsam die Vorteile freier Handelsbeziehungen und demokratischer Regierungssysteme zu verteidigen. Und Profiteure dieser verhängnisvollen Lage sind einzig und allein China und Russland – zwei Länder, in denen der Kapitalismus und der Kommunismus eine unheilige Allianz eingegangen sind. Es ist ein einziges Elend! Westfalen-Blatt

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