Griechenland hat Zahlungsunfähigkeit schon längst erreicht

Grexit als "Desaster für ganz Europa"

Griechenland hat Zahlungsunfähigkeit schon längst erreicht

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 60 Prozent rutscht Griechenland in den kommenden sechs Monaten in die Pleite. Das prognostiziert Andreas Höfert, Chefvolkswirt der UBS im Gespräch mit der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen (Samstagausgabe). „Eigentlich ist die Zahlungsunfähigkeit schon längst erreicht. Denn die letze fällige Zahlung an den IWF hat Athen ja mit Geldern von der IWF beglichen – also aus demselben Topf.“ Derzeit suche man in Griechenland die letzten Euros aus den Schubladen zusammen. „Spätestens im August ist das Geld alle“, glaubt Höfert. Allerdings geht der Volkswirt nicht davon aus, dass die Pleite auch den Austritt der Griechen aus dem Euro zur Folge haben wird. „Da sehen wir die Wahrscheinlichkeit nur bei 20 bis 30 Prozent.“ Die Mahnungen der Euro-Länder seien bislang verpufft wie leere Drohungen gegenüber Kindern.

Griechenland in einem halben Jahr pleite, aber auch danach weiter Euro-Mitglied

Es werde einen neuen Schuldenschnitt geben, weitere Hilfspakete würden geschnürt. „Die alten Hilfszahlungen sind dann natürlich weg.“ Als Katastrophe empfindet er auch das nicht. Dann werde eben die Staatsverschuldung der Geberländer ein wenig steigen. Denn die derzeitige Verschuldung Griechenlands entspreche nicht mehr als etwa zwei bis drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU-Staaten. Spannend sei vielmehr, was in der Woche nach einem – unwahrscheinlichen – Grexit passieren könne. Italien, Spanien und andere würden unter Druck geraten, weil sich Spekulanten auf sie einschießen würden. „Das führt zu einem Schock an den Aktienmärkten.“ Insbesondere der italienische und spanische Finanzsektor würden unter Druck geraten. Das, glaubt Höfert, würden die anderen EU-Staaten aber unter allen Umständen zu verhindern wissen. Neue Westfälische

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat eindringlich vor einem Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro gewarnt. „Ein Grexit wäre für ganz Europa ein Desaster“, sagte Oppermann der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Mittwochsausgabe). „Inmitten der internationalen Krisen schauen alle auf Europa“, sagte der SPD-Politiker vor dem G7-Finanzministertreffen in Dresden, das am heutigen Mittwoch beginnt. „Da wäre ein Grexit ein unübersehbares Zeichen der Schwäche, das uns alle belasten würde“, sagte Oppermann. Ein Staatsbankrott „würde aber vor allem die Griechen hart treffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die griechische Regierung es darauf ankommen lässt“, sagte er. Oppermann forderte die griechische Regierung auf, im Streit über weitere Reformen endlich einzulenken. Eine Freigabe der noch ausstehenden Hilfsgelder „wird es erst im Gegenzug zu konkreten und belastbaren Reformen geben“, so der SPD-Politiker. Rheinische Post

Grünen-Chefin fordert mehr Kompromissbereitschaft der Geldgeber

Grünen-Chefin Simone Peter hat die Geldgeber in den Verhandlungen mit Griechenland zu einem weniger harten Kurs und mehr Kompromissbereitschaft aufgefordert. „Der Kaputtsparkurs, der den Griechen die Luft zum Atmen nimmt, muss beendet werden“, sagte Peter der Online-Ausgabe der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (www.rp-online.de). „Dafür muss die Eurogruppe das Ziel des griechischen Primärüberschusses von heute 4,5 Prozent deutlich absenken“, sagte die Parteivorsitzende. Im Gegenzug solle Griechenland die angekündigten Reformen endlich anpacken. „Griechenland muss die angekündigten Reformen, von einer unabhängigen Steuerbehörde bis zur Reform des Rentensystems, nun beherzt umsetzen“, forderte sie. Eine Staatspleite und ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone „können wir uns wirtschaftlich wie politisch nicht leisten“, sagte Peter. „Deshalb sind alle Seiten gefordert, an nachhaltigen Problemlösungen zu arbeiten, statt wie Finanzminister Wolfgang Schäuble immer neues Öl ins Grexit-Feuer zu gießen“, erklärte sie. In Dresden beginnt am Nachmittag das G7-Finanzministertreffen, bei dem Griechenland ein beherrschendes Thema sein wird. Rheinische Post

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