Hofreiter warnt Auto-Industrie vor weiteren Konsequenzen

Daimler untersucht Zertifizierungsprozess in den USA

Hofreiter warnt Auto-Industrie vor weiteren Konsequenzen

„Ein Rückruf kann allenfalls der Anfang sein“, sagte Hofreiter. „Misstrauen ist angebracht, wenn der Verkehrsminister das sogenannte Thermofenster für Abschalteinrichtungen großzügig akzeptiert und nur 22 von 53 Modellen zu hohe NOX-Werte bescheinigt“, so der Grünen-Politiker. Es sei „höchste Zeit für den Untersuchungsausschuss im Bundestag“, den Grüne und Linke erzwingen wollen. „Ich erwarte, dass die Bundesregierung jetzt konsequent für Aufklärung und Entschädigung einsteht – für die Menschen, die täglich Stickoxide aus Dieselfahrzeugen einatmen müssen und für die Autokäufer, die über den Tisch gezogen wurden“, sagte Hofreiter. Rheinische Post

Rückrufaktion deutscher Autohersteller – Desaster fürs Image

Bei den offiziellen Tests fällt dies nicht auf, da es im Prüflabor wärmer als 20 Grad sein muss. Der Trick hat zudem den Vorteil, dass dabei auf einen Passus im EU-Regelwerk verwiesen werden kann. Doch diese Rechtfertigung ist hanebüchen. Die EU erlaubt zwar die Abschaltung der Katalysatoren für kurze Zeit, wenn ein Unfall oder massiver Schaden am Motor droht. Die Autobauer lassen aber dauerhaft beim Erreichen bestimmter Temperaturen abschalten – das erhöht vor allem die Leistung des Motors. Die Autobauer sollten sich nicht länger bei juristischen Spitzfindigkeiten aufhalten dürfen, sondern so schnell wie möglich dafür sorgen, dass die Abgasreinigungen vorschriftsmäßig funktionieren. Und sie sollten mit einem Bußgeld belegt werden. Mitteldeutsche Zeitung

Nicht nur Volkswagen hat bei den Abgaswerten getrickst, auch andere deutsche und ausländische Hersteller haben bei ihren Dieselautos Spielräume weidlich genutzt. Sie waren nur offenbar nicht ganz so dreist wie die Wolfsburger, sondern bewegten sich noch innerhalb einer großen Grauzone. Wirklich überraschen kann das Ergebnis der Nachmessungen kaum. Denn wer die Augen vor der Realität nicht verschlossen hat, dem ist seit langem klar, dass zwischen den Werten auf dem Prüfstand und denen im Alltagsgebrauch Welten liegen. Eigentlich ist es die erste Lektion eines jeden Autofahrers, wenn es um den Spritverbrauch geht: Die »Normwerte« sind im Realbetrieb normalerweise nicht zu erreichen.

Und weil Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß schon für sich genommen miteinander korrelieren, sind höhere Abgaswerte nur die logische Konsequenz. Doch die Hersteller haben es nicht dabei belassen, fern jeglicher Realität Reifen stärker aufzupumpen, die Klimaanlage abzuklemmen oder Kanten und Luftöffnungen für eine bessere Aerodynamik abzukleben. Sie haben auch aktiv die Möglichkeiten genutzt, die ihnen die Behörden und die Gesetzgeber in der EU gewährt haben: Unter dem Deckmantel des Motorenschutzes wurde ihnen mit Ausnahmemöglichkeiten Tor und Tür geöffnet – die Autobauer mussten nur noch hindurchgehen. Bei der Frage nach Schuld und Verantwortung rücken deshalb in erster Linie die Politik und die Behörden in den Blickpunkt. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene ist von ihnen viel zu lange nicht genau hingeschaut oder offenbar allzu gerne auch einfach weggesehen worden.

Das war in Deutschland so – dem Land, das wie kein zweites an der Autoindustrie hängt. Aber auch bei den europäischen Nachbarn ist es kaum anders gewesen. Strafbar war das Vorgehen der Autobauer offenbar nicht, maximal moralisch verwerflich. Denn so wird seit Jahren Tag für Tag mehr gesundheitsgefährdendes und umweltschädliches Stickoxid in die Luft gepustet als es technisch nötig wäre. Noch unerträglicher wird dies, da es mit einfachen und günstigen Mitteln anders geht, wie die angekündigten Servicemaßnahmen des VW-Konzerns oder auch von Mercedes zeigen: Vielfach soll ein Software-Update der Motorsteuerung ausreichen, um die Luftverschmutzung spürbar zu reduzieren. Diese Verbesserung wäre längst möglich gewesen. Wenn der VW-Skandal etwas Gutes hat, dann eben jenes: Er hat ins Rollen gebracht, was jahrelang versäumt worden ist. Er hat ans Licht gebracht, was im Halbdunkeln lag. Was bleibt, ist die große gemeinsame Aufgabe für Politik, Behörden und Hersteller, es künftig jeder für sich besser zu machen. Es geht um Vertrauen, um Transparenz – und nicht zuletzt um das Image und den wirtschaftlichen Erfolg vor allem auch der deutschen Autobauer. Westfalen-Blatt

Abgas-Affäre

Autobesitzer hatten es schon lange befürchtet. Schummel-Ingenieure gibt es nicht nur bei Volkswagen. Nach der Abgasaffäre des Wolfsburger Autobauers rufen mehrere deutsche Hersteller wegen Unregelmäßigkeiten bei der Abgasbehandlung europaweit Hunderttausende Diesel-Fahrzeuge zurück – darunter auch Autos von Audi, Mercedes, Opel und Porsche. Viele der in Deutschland fahrenden Autos stoßen im Verkehr eben sehr viel mehr Stickoxide aus als bei den offiziellen Abgastests. Und dies trifft nicht nur auf VW-Modelle zu, wie Konkurrenten wie Daimler gerne behauptet hatten. Allein Daimler ruft jetzt nach Abgasnachprüfungen des Kraftfahrt-Bundesamts gut eine Viertelmillion Autos in die Werkstätten zurück und bietet in Europa freiwillig für betroffene Fahrzeuge ein Software-Update an.

Der in den USA aufgedeckte VW-Skandal hat weit größere Auswirkungen, wie sich jetzt zeigt. Und die jetzige Rückrufaktion ist nur die Spitze des Eisberges. Im Wettlauf um Kunden und Absatz zieht die Autoindustrie alle der ihr zur Verfügung stehenden Register, um (Schummel-)Konkurrenten nicht vorbeiziehen zu lassen. Auch wenn die Behörde jetzt keine illegale Software fand, sondern „nur“ bemängelt, dass bei bestimmten Außentemperaturen die Reinigung der Abgase zurückgefahren wird, hat sie doch erhebliche Zweifel. Das gute Image der deutschen Autohersteller ist stark angekratzt. Den Schaden zahlt nicht nur die Autoindustrie, sondern auch die Verbraucher, die mehr Stickoxide einatmen und nach einem Update mehr tanken müssen. Andrea Frühauf, Neue Westfälische

Daimler untersucht Zertifizierungsprozess in den USA

Daimler wird in den USA eine interne Untersuchung zum Zertifizierungsprozess der Abgasemissionen seiner Fahrzeuge vornehmen. Damit kommt das Unternehmen einer Aufforderung des US-Justizministeriums nach, das prüfen will, ob – wie im Fall von Volkswagen – eventuell Regelverstöße vorliegen. Bislang gab es öffentlich keine Hinweise darauf. Daimler hat daher bekräftigt, dass es mögliche Sammelklagen für unbegründet hält und sich dagegen juristisch wehren wird. (ampnet/jri) Auto-Medienportal.Net

Gewiss – nach allem, was man weiß, hat das Vorgehen von Daimler nichts mit dem gemein, was Volkswagen getan hat. Bei Daimler hat man offenbar die Möglichkeit, die Abgasreinigung bei kühleren Temperaturen herunterzufahren, großzügig genutzt. Dennoch müssen Kunden nun erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass selbst Autos, für deren Umweltfreundlichkeit sie besonders viel Geld ausgegeben haben, im Alltag keineswegs so sauber sind, wie sie annehmen durften – anders als beim Rivalen BMW, der aus dem Test des KBA als Musterknabe hervorging. Doch den höchsten Anspruch an sich selbst stellt nach wie vor Mercedes, und der sollte nun zügig eingelöst werden. Ein Mercedes hat in der Grauzone nichts zu suchen. Stuttgarter Nachrichten

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