IG Metall NRW kündigt Widerstand gegen Siemens-Pläne an

Massenentlassung bei Siemens

Stellenabbau hat es in den vier Jahren, in denen Joe Kaeser an der Spitze des Siemens-Konzerns steht, schon öfter gegeben. Bisher konnte immer der Betriebsfrieden gewahrt werden, auch wenn es um den Abbau tausender Arbeitsplätze ging.

IG Metall NRW kündigt Widerstand gegen Siemens-Pläne an

Der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, hat angesichts der geplanten Stellenstreichungen am Siemens-Standort Mülheim scharfe Kritik am Management geübt: „Trotz wiederholter Appelle der Arbeitnehmerseite hat das Management von Siemens nichts getan, um den PG-Bereich auf die Veränderungen des Marktes einzustellen“, sagte Giesler der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Diese Tatenlosigkeit und der angekündigte Jobabbau sind ein Armutszeugnis für das Management und völlig inakzeptabel.“

Diesem Angriff auf die Beschäftigten sehe die IG Metall nicht tatenlos zu, sagte Giesler. „In den kommenden Tagen werden wir mit den Kolleginnen und Kollegen bei Siemens beraten, wie wir den Widerstand gegen diese Pläne gestalten. Dabei fordern wir auch die Unterstützung der Landesregierung.“ Andere Ministerpräsidenten hätten sich hier schon klar positioniert. „NRW darf hier nicht außen vor bleiben“, verlangte Giesler.

Die seit fast zehn Jahren geltende Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung schließe betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen aus. „Wir erwarten und fordern daher, dass diese Vereinbarung unverändert gilt“, sagte er. Rheinische Post

Massenentlassung bei Siemens

Die bekannt gewordenen Pläne von Siemens zum Arbeitsplatzabbau sind nicht hinnehmbar. Ein Unternehmen mit Milliardengewinnen kann nicht die ohnehin schwachen Industriestrukturen in Ostdeutschland erheblich weiter schädigen, wie es durch die beabsichtigte Schließung der Werke in Leipzig und Görlitz und durch den geplanten aber noch unklaren Verkauf des Werks in Erfurt beabsichtigt ist.

Siemens steht in der Verantwortung – kein Kahlschlag im Osten

„Siemens sollte als eines der größten und traditionsreichsten deutschen Unternehmen seiner sozialen Verantwortung gerecht werden und den Beschäftigten vor Ort eine Perspektive geben. Besonders bitter stößt auf, dass Siemens eine vor zehn Jahren geschlossene Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung nicht mehr einhalten will. Worauf sollen sich Beschäftigte in ihrer Lebensplanung noch verlassen können, wenn noch nicht einmal auf einen solchen Pakt mit einem erfolgreichen deutschen DAX-Unternehmen?

Der Bericht zum Stand der Deutschen Einheit wird jedes Jahr im Januar von der Bundesregierung beschlossen und im Plenum des Deutschen Bundestags debattiert. Nach 28 Jahren ist – trotz vieler Erfolge – immer noch ein deutlicher Abstand zu westlichen Bundesländern zu beklagen, insbesondere durch den Mangel an Großunternehmen und von Forschungs- und Entwicklungsstandorten. Selbst ein von Siemens angebotener, vermeintlich, sozial verträglicher Arbeitsplatzabbau würde unter diesen Aspekten nichts besser machen, denn Siemens stellt sich darunter – neben Frühverrentung – eine Verlagerung von Beschäftigung in die westdeutschen Standorte vor. Dieses Angebot fördert einmal mehr die Abwanderung von Expertise und Kaufkraft aus dem Osten, verbunden mit einer Beschleunigung des demographischen Wandels.

Daran können Politik und Wirtschaft kein Interesse haben. Wir erwarten einen intensiven Dialog mit den Betriebsräten, der IG Metall und der Politik über Maßnahmen eines sozial verantwortlichen Anpassungsprozess, der Beschäftigungschancen in der Region mit Ersatzarbeitsplätzen schafft.“ Bernd Westphal, wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher – SPD-Fraktion

Mit derart viel und derart heftigem Protest dürfte die Siemens-Führung wohl nicht gerechnet haben, als sie ihre Kahlschlagspläne im Generatorenbereich entwerfen ließ. In Zeiten, in denen es allgemein Rekordjobzahlen gibt und der Konzern in anderen Bereichen ja auch einstellt, sollte das problemlos durchgehen. Doch da hat sich Konzernchef Joe Kaeser offenbar grandios verrechnet. Es geht eben nicht um ein paar Striche mit dem Rotstift in Papieren, sondern um konkrete persönliche Schicksale in konkreten Regionen. Gerade in Görlitz, wo ja schon Bombardier massiv Stellen streichen will, droht das gesamte industrielle Rückgrat wegzubrechen.

Und dass man sich überhaupt vor allem auf den Osten mit seiner schwachen Industriestruktur stürzt, sorgt grenz- und parteienübergreifend für politischen Schulterschluss. Gerade wegen der guten Wirtschaftslage ist das Unverständnis groß. Auch Siemens macht im Gesamtkonzern gewaltige Gewinne, da sollte die Durststrecke in zwei Teilbereichen kein großes Problem darstellen. Es ist ermutigend, dass der Gesamtbetriebsrat die Pläne nicht als Verhandlungsgrundlage ansieht. Denn wer sich in Gespräche über die Details des Stellenabbaus begibt, hat sich im Prinzip schon damit abgefunden. Entscheidend wird aber sein, ob die Gewerkschaften genug Unterstützung aus Politik und Gesellschaft bekommen und ob auch nicht betroffene Standorte solidarisch sind. Heute sind es Görlitz, Leipzig und Berlin – morgen vielleicht München und Erlangen? neues deutschland

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