Kaiser’s Tengelmann: Druckmittel Politshow

Union zeigt sich zu Einigung bei Kaiser's Tengelmann skeptisch

Kaiser’s Tengelmann: Druckmittel Politshow

Der große Unterschied zu bisher verkündeten Zwischenerfolgen ist diesmal, dass sie von Akteuren erzielt wurden, die in ihrer Prominenz kaum noch zu toppen sind. Wenn die Handelsbosse aus Streit um Geld oder Eitelkeiten nun Altkanzler Schröder, Minister Gabriel und Verdi-Chef Bsirske doch noch im Regen stehen lassen sollten, wäre die Blamage perfekt.

Insofern stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Kaiser’s Tengelmann-Mitarbeiter nach zwei Jahren der Unsicherheit Weihnachten im Optimismus feiern können. Sie haben einen erfolgreichen Abschluss des Supermarkt-Geschachers am ehesten verdient. Die Handelsbosse haben sich indes nicht mit Ruhm bekleckert. Erst in höchster Not und unter massivem politischen Druck raufen sie sich jetzt zusammen. Am Ende zählt allein der Erfolg, auch wenn er nur durch eine Politshow zu erzielen war. Frank Meßing – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Wettbewerbsexperte Zimmer: Rewe hat beim Kaiser’s-Deal höhere Risiken als Edeka

Die geplante Aufteilung von Kaiser’s Tengelmann-Filialen ist nach Einschätzung von Wettbewerbsexperten für Rewe riskanter als für Edeka. „Wenn Rewe seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzieht, kann Edeka so viele Filialen von Kaiser’s Tengelmann übernehmen, wie Edeka es will. Das Bundeskartellamt prüft den Erwerb nicht mehr“, sagte der frühere Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, dem Tagesspiegel. „Bei Rewe ist das anders. Hier wird das Bundeskartellamt genau hinschauen.“ In einigen Berliner Stadtteilen, etwa im Grunewald und im Prenzlauer Berg habe Rewe schon heute eine starke Marktstellung, gibt der Wettbewerbsexperte zu bedenken. Eine Ablehnung durch das Bundeskartellamt wäre bei einer Übernahme von Kaiser’s-Filialen in diesen Stadtteilen zu erwarten. Zimmer, der aus Protest gegen die Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zurücktreten war, übte scharfe Kritik an dem Verfahren. „Statt Dritten wie Migros oder Kaufland die Chance zu geben, Kaiser’s Tengelmann-Filialen zu übernehmen und sich damit bessere Einkaufskonditionen zu sichern, macht Gabriel nur die Marktführer Rewe und Edeka stärker.“ Der Tagesspiegel

Union zeigt sich zu Einigung bei Kaiser’s Tengelmann skeptisch

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) hat mit Skepsis auf die Einigung im Schlichterverfahren zur angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann reagiert. „Ich hoffe sehr, dass die betroffenen Arbeitnehmer jetzt Planungssicherheit bekommen“, sagte Fuchs der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“, ergänzte jedoch: „Nach dem Hin-und-Her der letzten Monate glaube ich an eine Einigung aber erst, wenn ich sie schwarz auf weiß sehe.“ Das gesamte Verfahren sei „natürlich alles andere als optimal“ gewesen, so der CDU-Wirtschaftspolitiker. „Ich glaube trotzdem, dass wir auch in Zukunft die Option einer Ministererlaubnis brauchen. Wir müssen aber über Regeln nachdenken, wie wir das Ministererlaubnis-Verfahren verbessern und stärken können“, sagte Fuchs. So eine Hängepartie wie bei Edeka-Tengelmann solle sich jedenfalls nicht wiederholen. Rheinische Post

Kaiser’s Tengelmann: ver.di begrüßt Schlichtungsergebnis

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begrüßt die erfolgreiche Schlichtung im Fall Kaiser’s Tengelmann. „Das ist ein guter Tag für rund 15.000 Beschäftigte, deren Arbeitsplätze, Tarifbindung sowie die Betriebsratsstrukturen auf Jahre hinaus gesichert sind. Wir haben uns intensiv um das Zustandekommen der Schlichtung bemüht und darauf gedrungen, nicht aufzugeben, um doch noch zu einer Lösung im Sinne der Beschäftigte zu kommen“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am Montag in Berlin.

„Es hat sich letztlich bewahrheitet, dass alle an der Schlichtung Beteiligten zu einem tragfähigen Kompromiss bereit gewesen sind. Die Einigung kann nun komplett auf der Basis der Ministererlaubnis vollzogen werden. Wir danken allen Beteiligten und besonders Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Ohne seine Hartnäckigkeit und seine Bereitschaft, das Thema Arbeitsplatzsicherheit für rund 15.000 Beschäftigte ganz hoch zu priorisieren, hätte es dieses Gelingen der Schlichtung in dieser späten Phase nicht gegeben“, betonte Bsirske.

DasParlament

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