Kopfloser Konzern: Das hat die Thyssenkrupp-Belegschaft nicht verdient

Laschet kündigt weitere Thyssenkrupp-Gespräche an

Kopfloser Konzern: Das hat die Thyssenkrupp-Belegschaft nicht verdient

Wenn sie kommen, wissen der Vorstand und die Belegschaft: Jetzt geht es rund. Jetzt wird umgebaut, zerschlagen, verkauft, aufgelöst. Am Ende steht kaum ein Stein auf dem anderen. Doch die Splitter lassen sich so gut vermarkten, dass die Investoren beim Abschied einen ordentlichen Gewinn mitnehmen. In diese vor fast 14 Jahren vom damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering »Heuschrecken« genannte Kategorie von Investoren fallen Cevian und Elliot. Die Kruppstiftung als Hauptaktionäre wusste, was mit ihrem Einstieg auf den Konzern zukommt.

Dass Vorstandschef und der Aufsichtsratsvorsitzende nun gehen, lässt darauf schließen, dass der Kampf um Alfred Krupps Erbe aufgegeben wird. Nach Abtrennung der Stahlsparte, die gerade erst mit dem Tata-Konzern fusioniert hat, wäre der Rest-Thyssenkrupp durchaus lebensfähig. Dafür müssten Gewinne aus der einen Sparte zur Finanzierung des Umbaus anderer Unternehmensteile herangezogen werden. Die Geduld, die dafür erforderlich ist, haben Heuschrecken nicht. Unter dem früheren Chef der Kruppstiftung, Berthold Beitz, wäre das nicht passiert. Aber Beitz ist seit fünf Jahren tot. Westfalen-Blatt

Laschet kündigt weitere Thyssenkrupp-Gespräche an

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich erneut gegen eine Zerschlagung des Essener Industriekonzerns Thyssenkrupp ausgesprochen. „Thyssenkrupp ist für Nordrhein-Westfalen ein besonderes Unternehmen“, sagte der CDU-Politiker der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Denn es ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber in unserem Land, sondern steht auch geradezu exemplarisch für die industrielle Leistungsfähigkeit Nordrhein-Westfalens.“

Mit Blick auf den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden sagte Laschet: „Ulrich Lehner hat sich als Vorsitzender des Aufsichtsrats um das Unternehmen in besonderer Weise verdient gemacht. Thyssenkrupp hat er immer als starke Einheit gesehen und sich strikt gegen eine Zerschlagung gewandt. Die Mahnung aus seinem Rücktrittschreiben, dass eine Aufspaltung des Unternehmens Land und Leuten schaden würde, muss ernstgenommen werden.“

Laschet äußerte die Hoffnung, „dass nun rasch eine personelle Neuaufstellung gefunden wird, die für Thyssenkrupp im Dialog aus Anteilseignern und Arbeitnehmern eine tragfähige industriepolitische Konzeption entwickelt“. Als Mitglied im Kuratorium der Krupp-Stiftung, vor allem aber als Ministerpräsident von NRW, werde er jetzt erneut mit allen Akteuren sprechen, um den Zukunftsprozess von Thyssenkrupp aktiv zu begleiten, sagte Laschet.

Das hat die Thyssenkrupp-Belegschaft nicht verdient: Erst wirft Konzern-Chef Hiesinger hin und dann Aufsichtsrats-Chef Lehner. In seiner schwersten Krise steht Thyssenkrupp nun ohne echte Führung da. Alle, die an der Misere beteiligt sind, müssen sich fragen, ob sie nicht persönliche Eitelkeiten vor die Interessen des Unternehmens gestellt haben. Wie Ursula Gather, die Chefin der Krupp-Stiftung, die durch ihr sibyllinisches Auftreten maßgeblich zum Abgang der Spitzenkräfte beigetragen hat. Viel zu spät und halbherzig hat sie sich zur Einheit des Konzerns bekannt.

Immerhin hat sie nun erklärt, nicht selbst nach dem Vorsitz im Aufsichtsrat zu greifen. Das Amt hätte die industriepolitisch und taktisch unerfahrene Professorin überfordert. Hiesinger und Lehner sahen für ihre Strategie des Mischkonzerns keine Mehrheit mehr. Ihre Rücktritte kann man konsequent nennen. Oder stur. Sie lassen 150.000 Mitarbeiter allein, ein zerstrittener Aufsichtsrat muss nun gleich zwei Spitzenjobs neu besetzen. Thyssenkrupp droht mehr denn je die Zerschlagung – genau das, was Hiesinger und Lehner verhindern wollten. Rheinische Post

DasParlament

Eine Antwort auf "Kopfloser Konzern: Das hat die Thyssenkrupp-Belegschaft nicht verdient"

  1. Buerger   Donnerstag, 19. Juli 2018, 9:58 um 9:58

    Die Totengräber von Thyssen und Krupp haben doch schon Mitte/Ende der neunziger Jahre angefangen das Grab zu schaufeln.

    Jetzt ist es tief genug und wird zugeschüttet. In 5-10 Jahren werden Leute fragen :“ Wer oder was war Thyssen oder Krupp „?
    Man kann dann nur noch auf die Geschichtsbücher verweisen, aber man sollte auch die Schuldigen beim Namen nennen die zum Niedergang einst blühender Industrieunternehmen beigetragen haben.

    Antworten

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.