Land Nordrhein-Westfalen will seine Spielbanken verkaufen

Gesellschaftliche Akzeptanz des Glücksspiels in Zeiten der Digitalisierung

Land Nordrhein-Westfalen will seine Spielbanken verkaufen

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will sich nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ von der Westdeutschen Spielbanken GmbH (Westspiel) trennen. Die Gesellschaft, die der landeseigenen NRW-Bank gehört und vier Casinos in Aachen, Duisburg, Dortmund und Bad Oeynhausen betreibt, soll privatisiert werden. Einen entsprechenden Beschluss will das Landeskabinett unter Führung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 8. Mai, fassen.

Im Verkaufspaket enthalten ist auch die Lizenz für einen neuen Spielbank-Standort in Köln, die vor sechs Jahren vergeben worden war. In einer Stellungnahme auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bestätigte das NRW-Finanzministerium, man werde dem Landeskabinett vorschlagen, „einen Prozess zu starten, der zukünftig die Casinos in Nordrhein-Westfalen in private Eigentümerschaft überführt“. Voraussetzung sei, dass die „strengen Standards bei Aufsicht und Missbrauchsvermeidung gestärkt“ werden. Die Einnahmen aus der Spielbankabgabe, die der Stiftung Wohlfahrtspflege zukommen, müssten gesichert sein; die „bedeutsamen Kunstwerke“, die Westspiel besitzt, müssten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Kaufinteressenten müssten überdies „Perspektiven für erfolgreich betriebene Casinos in Nordrhein-Westfalen“ bieten.

Die Privatisierungspläne haben „keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Casino-Projekt Köln“, so das Finanzministerium. Die Glücksspielbranche sei im Umbruch begriffen. „Im Vergleich der Länder zeigt sich, dass weder der Staat noch eine staatliche Förderbank Casinos betreiben müssen. In sechs Ländern werden Casinos schon jetzt erfolgreich in privater Eigentümerschaft betrieben“, heißt es in der Stellungnahme des Finanzministeriums weiter. Mit der Privatisierung von Westspiel setzt die Landesregierung ein Jahr nach der Landtagswahl eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP um. Darin hatten sich die Parteien darauf verständigt, alle Beteiligungen des Landes auf einen möglichen Verkauf hin zu überprüfen. Kölner Stadt-Anzeiger

„Konzessionierte Spielbanken überspringen 2017 die 600 Mio. Euro Grenze und wachsen weiter um 5,2 Prozent“

Die staatlich-konzessionierten Spielbanken Deutschlands konnten im Geschäftsjahr 2017 ihren Bruttospielertrag (BSE) gegenüber dem Vorjahr um 5,19 Prozent steigern. Er stieg auf 606.978 Mio. Euro und übersprang damit erstmal wieder die 600 Mio. Euro-Linie. Der BSE bezeichnet einen Marktwert, der dem Umsatz vergleichbar ist: Einnahmen minus Gewinne, die regelmäßige Differenz zwischen Spieleinsätzen und Gewinnen der Spielenden. Diese positive wirtschaftliche Entwicklung wird getragen von einer konstanten gesellschaftlichen Akzeptanz des legalen Glücksspiels. Die Zahl der Besucher stieg leicht um 0,18 Prozent auf nunmehr 5,538 Mio.. Größten Anteil am Wachstum hat das Automatenspiel: + 8,66 Prozent, 461,546 Mio. Euro. Das Tischspiel (Roulette, Black Jack, Poker) ging um 4,47 Prozent zurück (145.432 Mio. Euro.).

„Sowohl die Umsatz- als auch die Besucherzahlen zeigen, dass die deutschen Spielbanken souverän im Markt liegen und als Teil der Spielkultur gesellschaftlich angenommen werden. Dennoch stehen die deutschen Casinos vor den Herausforderungen der Digitalisierung. Ein Zahlenvergleich zeigt die Folgen der digitalen Transformation. 2017 erreichen deutsche Spielbanken etwa 600 Millionen Euro; 2016 wurden auf dem deutschen Sportwettenmarkt rund sechs Milliarden Euro umgesetzt“, sagt Otto Wulferding, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spielbankenverbandes DSbV.

Der gesamte legale Markt der deutschen Spielbanken konnte auch 2017 erneut wachsen, nachdem er in der zweiten Hälfe der 2010er-Jahre der Regulierung und wachsendem Online-Konkurrenz-druck ausgesetzt war. „Auch bei Spielbanken steht die Digitalisierung weit oben auf der politischen Agenda. Den Behörden fehlen geeignete Instrumente gegen Onlinekasinos – oder die Mittel, die Verbote durchzusetzen. Das Internet ist world wide aktiv, grenzenlos. Im Global Gambling Village operieren Glücksspielkonzerne zwar auf deutschsprachigen Websites. Sie haben ihren Sitz aber außerhalb des Zugriffs durch den deutschen Staat. Auch wenn Bezahldienste wie Pay Pal ihre Geschäftsregeln geändert haben, versiegen die Geldströme nicht. Der Gesetzgeber denkt an Payment-Blocking. Umgesetzt wurde bisher nichts,“ sagt Wulferding. Dazu kommt der öffentliche Auftritt. Regelmäßig werde bei manchen Privatsendern für Online-Casinos geworben.

Zum Gesamtmarkt der Institutionen, die eine Spielbankkonzession nach deutschem Glücksspielrecht besitzen und ihren Sitz in Deutschland haben, gehören neun privatwirtschaftlich ausgerichtete (28 Standorte) sowie neun öffentlich-rechtliche Spielbankgesellschaften (35 Standorte). Das Web Portal casinocity nennt im Februar 2018: 3.882 gambling sites, davon über 900 deutschsprachige Seiten sowie 523 Online-Casinos. Das Handelsblatt Research Institute: schreibt von einer „deutlichen Verschiebung der Marktanteile“. Danach werde sich der Online-Marktanteil in den nächsten fünf Jahren auf etwa 13 Prozent des Gesamtmarktes erhöhen, „einen Anteil, den der deutsche Markt schon vor Jahren überschritten hat.“ DSbV Deutscher Spielbankenverband e.V.

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