Logische Kauf-Empfehlung Volkswagen: Totgesagte leben länger

Volkswagen Konzern nach vier Monaten auf Vorjahresniveau

Logische Kauf-Empfehlung Volkswagen: Totgesagte leben länger

Die Marke Volkswagen Pkw hat in den ersten vier Monaten des Jahres weltweit 1,94 Millionen Fahrzeuge an Kunden übergeben und damit die Auslieferungen nahezu auf Vorjahresniveau (1,98 Mio. Fahrzeuge) gehalten. Im April 2016 wurden 476 700 Einheiten ausgeliefert, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,9 Prozent entspricht (April 2015: 496 000). „Wachstum findet in der Marke Volkswagen derzeit nur in China sowie Zentral- und Osteuropa statt“, resümiert Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Pkw, Geschäftsbereiche Vertrieb, Marketing und After Sales.

Marke Volkswagen Pkw: Wachstum nur in Europa und China

In der Region Westeuropa hat die Marke Volkswagen Pkw die Auslieferungen mit 511000 Fahrzeugen nahezu stabil gehalten. In Zentral- und Osteuropa wurden in diesem Zeitraum 4,1 Prozent mehr Fahrzeuge an Kunden übergeben. Während sich Russland weiter rückläufig entwickelte (-10,2 Prozent), stiegen die Verkäufe unter anderem in Polen, Tschechien und Ungarn deutlich.

In der Region Nordamerika verkaufte die Marke im vierten Monat des Jahres 50 700 Einheiten, was ein Plus von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat darstellt. Besonders positiv entwickelte sich der mexikanische Markt. In Südamerika wurden bei einer anhaltend schwierigen Gesamtmarktlage im April 31 900 Fahrzeuge an Kunden übergeben. Der Abwärtstrend in Brasilien ist damit im Vergleich zum Vorjahr weiterhin deutlich spürbar.

In China lieferte Volkswagen Pkw in den ersten vier Monaten des Jahres mit insgesamt 939 400 Einheiten 4,4 Prozent mehr Fahrzeuge an Kunden aus als im Vorjahreszeitraum. Dies ist ein neuer Auslieferungsrekord für die ersten vier Monate des Jahres.

Volkswagen Konzern nach vier Monaten auf Vorjahresniveau

In Europa haben die Konzernmarken im April 374 500 Neufahrzeuge ausgeliefert. Verglichen mit dem Vorjahr entspricht das einer Steigerung von 3,8 Prozent. Mit 317 300 Einheiten (+2,9 Prozent) hat sich Westeuropa im April solide entwickelt. Davon entfielen 121 900 Neufahrzeuge (+3,8 Prozent) auf den Heimatmarkt Deutschland. Auch für die zentral- und osteuropäischen Märkte konnte ein starkes Wachstum (+9,3 Prozent) im Einzelmonat April verbucht werden. In Russland wurden im April 14 200 Fahrzeuge an Kunden übergeben, was einem Zuwachs von 0,4 Prozent entspricht.

Auf dem nordamerikanischen Markt hat das Unternehmen im April 82 300 Fahrzeuge an Kunden übergeben, einer Steigerung von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während starke Wachstumsimpulse aus Mexiko kamen, war der US-amerikanische Markt weiter rückläufig (-3,6 Prozent). In der Region Südamerika bleibt die Lage im Pkw-Gesamtmarkt weiter angespannt. Dieser Entwicklung konnte sich auch der Volkswagen Konzern nicht entziehen kann. Im April wurden 38 900 Fahrzeuge (-18,2 Prozent) ausgeliefert, 24 300 davon entfielen auf den brasilianischen Markt.

Für die Region Asien-Pazifik konnte seit Jahresbeginn ein grundsolides Wachstum verzeichnet werden. Die Auslieferungen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent auf 1 366 800 Fahrzeuge. Im selben Zeitraum wurden in China 1 250 800 Fahrzeuge an Kunden verkauft. Das entspricht einem Wachstum von 4,8 Prozent. In China konnten im Einzelmonat April 295 300 Fahrzeuge (+0,1 Prozent) an Kunden übergeben werden. Auto-Medienportal.net (ampnet/Sm)

Wegen unvertretbarer Risiken verschob Volkswagen vor drei Wochen die zuvor bis Ende April angekündigte Veröffentlichung von Zwischenergebnissen der in Auftrag gegebenen externen Untersuchung zur Dieselabgas-Affäre. Im vierten Quartal soll die Untersuchung, von der sich der Autobauer die lückenlose Aufklärung der Software-Manipulationen bei weltweit rund 11 Millionen Dieselfahrzeugen verspricht, abgeschlossen sein. Auf Basis der heute vorliegenden Erkenntnisse empfiehlt der Aufsichtsrat der Hauptversammlung (HV) am 22. Juni gleichwohl die Entlastung der 2015 amtierenden Vorstandsmitglieder.

Der Vorschlag entspricht der schon kurz nach Bekanntwerden der Manipulationen im September vertretenen These des Unternehmens. Kursbewegend war die Mitteilung gestern deshalb nicht. Um sicherzugehen, hätte der Aufsichtsrat, der sich mit der Empfehlung für die um zwei Monate verschobene HV so lange wie möglich Zeit gelassen hat, die Entlastung der Vorstände bis zum Abschluss der Untersuchung vertagen müssen. Doch wäre von dieser Verschiebung nicht das Vertrauenssignal ausgegangen, das VW wohl vor allem mit Blick auf die bei der HV vorgesehene Wahl des bislang gerichtlich bestellten Aufsichtsratsvorsitzenden Pötsch aussenden will. Der Österreicher, der bis zum Wechsel ins Kontrollgremium im Oktober zwölf Jahre Finanzvorstand war, steht bei Investoren im Verdacht, über die möglichen finanziellen Risiken der Abgas-Affäre nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Mit der Begründung für die Empfehlung, es seien nach derzeitigem Kenntnisstand keine eindeutigen und schwerwiegenden Pflichtverletzungen von aktuellen oder ehemaligen Vorstandsmitgliedern festgestellt worden, hat VW nicht alle Zweifel ausgeräumt. Auf mögliche Schadenersatzansprüche werde mit dem Vorschlag nicht verzichtet. Unsicherheit bleibt damit wohl mindestens bis zum Jahresende bestehen. Der Vorschlag der Entlastung erscheint in Anbetracht der bislang bekannten Fakten aber logisch.

Weil fast 90% der Stimmrechte bei den Aktionärsfamilien Piëch und Porsche, dem Land Niedersachsen und dem Emirat Katar liegen, ist die Zustimmung für die Empfehlung auf der HV absehbar. Daran wird auch der britische Hedgefonds TCI nichts ändern. Die Attacke des Investors, der 2% der stimmrechtlosen Vorzugsaktien hält und VW zu mehr Effizienz und die Führung zu mehr Bescheidenheit drängt, ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass es Vorstand und Aufsichtsrat in der HV mit vielen frustrierten und zornigen Aktionären zu tun bekommen werden. Carsten Steevens, Börsen-Zeitung

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