Mario Draghi verschießt letzte Patrone im Duell mit der Deflation

Gefährliche Politik der EZB

Mario Draghi verschießt letzte Patrone im Duell mit der Deflation

Draghi versucht mit allen Mitteln, dem wachsenden Frust und dem um sich greifenden Pessimismus entgegenzuwirken. Hier zeigt einer, dass er handlungswillig und -fähig ist. Eines aber ist auch klar: Allein vermag eine Notenbank eine Wirtschaft im Krisenmodus nicht zu beleben. Mitspielen müssen auch die Regierungen mit Reformen und Impulsen, die das Wachstum fördern. Mitteldeutsche Zeitung

Mario Draghi hat lange gezögert, nun schreitet er umso forscher zur Tat: Was der Präsident der Europäischen Zentralbank aufbieten kann im Kampf gegen Wachstumsschwäche und Deflationsgefahr, hat er am Donnerstag gezückt. Ein Leitzins von Null, ein noch höherer Strafzins für Bankeinlagen, eine Ausweitung der Anleihekäufe, extragünstige Langfristkredite für Geldinstitute – so billig war Geld noch nie im Euro-Land.

Gefährliche Politik der EZB

Es ist jetzt sogar komplett umsonst zu haben. Das wird Draghis Beliebtheit bei deutschen Sparern nicht erhöhen. Zumal der EZB-Chef Niedrigstzinsen für eine lange Zeit angekündigt hat. Die Politik des billigen Geldes wird bis auf Weiteres am Angesparten nagen. Viel Kritik musste die Notenbank deswegen schon einstecken. Doch die Draghi-Schelte ist so verbreitet wie wohlfeil. Wieviel Spielraum haben Währunghüter, die gegen das Horrorszenario einer Deflationsspirale ansteuern? Dass hochverschuldete Euro-Staaten von den Anleihekäufen der EZB profitieren, kann nur derjenige verdammen, der Europas Gemeinschäftswährung beerdigen will.

Von der im Übrigen vor allem Deutschland profitiert. Trotz Geldschwemme ist der Euro-Raum weit entfernt vom Inflationsziel zwei Prozent – inzwischen seit Jahren. Ist die EZB am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt? Draghi bestreitet das natürlich. So oder so: Die Zentralbank hat ihren Teil erfüllt. Um das Wachstum in Europa anzukurbeln, sind die Regierungen am Zug. Sie müssen jetzt Geld ausgeben und Investitionen in Gang setzen. Philipp Jaklin Weser-Kurier

Als Mario Draghi 2012 in London angekündigt hat, alles zu tun, um den Euro zu retten, dachten wohl die wenigsten, dass die von ihm geführte Europäische Zentralbank die Zinsen in weniger als vier Jahren de facto unter die Nulllinie führen könnte. Denn in Wirklichkeit bedeutet der kühne Schritt auf 0,0 Prozent eine Minusverzinsung. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann mehr Geldinstitute ihren Sparern »Parkgebühren« abverlangen müssen. Denn das natürliche Modell, bei dem sich Einlagen verzinsen, weil die Banken und Sparkassen das Geld ihrer Kunden zur Finanzierung von Krediten benötigen, funktioniert immer weniger.

Wenn sie bei der EZB die Hand aufhalten, erhalten sie das Geld einfacher und billiger. Draghi und die Mehrzahl der europäischen Notenbanker wirbeln die Finanzbranche immer weiter durcheinander. Jahrhundertealte Geschäftsmodelle privater Banken und Versicherungen funktionieren nicht mehr. Sie tun es schon deshalb nicht, weil die Institute teilweise sogar durch Gesetz verpflichtet sind, einen Großteil ihrer Gelder absolut sicher – also negativ verzinst – anzulegen. Was soll die Bank tun, wenn sie nicht stattdessen die in der Finanzkrise bereits schmaler gewordenen Geldpolster ganz aufzehren will? Die Vermietung von Banksafes reicht sicher nicht als alternatives Gewinnmodell. Und seit gestern will Draghi sogar das Geschäft mit Unternehmensanleihen selbst in die Hand nehmen.

Die Folgen tragen nicht nur die Anteilseigner und Mitarbeiter der Banken und Versicherungen. Denn mit ihren Geschäftskonzepten verschwinden auch die Renten, Lebensversicherungen und andere Modelle zur Altersvorsorge. Selbst die privat Krankenversicherten zahlen deshalb demnächst höhere Beiträge. Auf der Habenseite stehen neben dem boomenden Wohnungsbau auch Ersparnisse, mit denen die Finanzminister theoretisch die Staatshaushalte sanieren könnten. 78 Prozent aller deutschen Staatsanleihen sind dank Draghis Aufkaufprogramm heute negativ verzinst. Zwei Gründe führt die EZB für ihre Minuszinspolitik an. Nach der Finanzkrise stand an erster Stelle die Ankurbelung der Konjunktur. Doch seit der Aufschwung außer Deutschland auch Spanien und einige andere südeuropäische Staaten erfasst, ist die Preisstabilität in der Argumentation an die erste Stelle gerückt.

Nach Definition der EZB ist sie erreicht, wenn die Preise jährlich um knapp zwei Prozent steigen. Im Augenblick schwankt die Inflationsrate dank des billigen Öls zwischen plus 0,3 und zuletzt minus 0,2 Prozent. Also erreicht die EZB ihr selbst gestecktes Ziel nicht. Trotzdem geht sie ihren Weg genauso weiter, verschärft sogar die Gangart. Gäbe es einen Controller, er müsste längst »Stopp« rufen. Wer würde einem Arzt vertrauen, dessen Therapie nicht nur nicht hilft, sondern täglich schlimmere Nebenwirkungen hervorruft. Und der trotzdem weitermacht, ja sogar nervös die Dosis erhöht? Westfalen-Blatt

EZB – „die letzte Patrone“ verwirbelt Märkte – economy

https://youtu.be/KFA3j7z3ksI

DasParlament

Eine Antwort auf "Mario Draghi verschießt letzte Patrone im Duell mit der Deflation"

Kommentar verfassen