Mehr Härte gegen VW

US-Anklage gegen Winterkorn

Mehr Härte gegen VW

Die Ermittlungen im Diesel-Skandal kommen voran – in den USA, nicht in Deutschland. Nun haben die Amerikaner gegen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn Anklage erhoben. In Deutschland hingegen sind kein Strafprozess, keine Entschädigungsleistungen in Sicht. Man muss sich schon fragen, warum es immer wieder die Amerikaner sind, die kriminelle Machenschaften deutscher Konzerne aufdecken.

Wer bei VW lediglich einen Angriff der Amerikaner auf die deutsche Wirtschaft vermutet, der unterschätzt die Wichtigkeit, dass Gerechtigkeit hergestellt wird. Und er knüpft an einen Habitus an, der dazu beigetragen hat, dass der Betrug möglich wurde. Politiker und Kontrollbehörden, die diesen Namen nicht verdienen, haben VW jahrzehntelang hofiert. Winterkorn galt als der Unantastbare, der nicht damit rechnen musste, dass andere rechnen. Anja Stehle – Berliner Morgenpost

Und läuft und läuft und läuft… warb VW einst für sein erfolgreichstes Modell, den Käfer. Heute laufen zwar die Absatzzahlen des Wolfsburger Konzerns. Doch bei der Aufarbeitung des Diesel-Abgasskandals stockt der Motor immer wieder. Vielleicht liegt es daran, dass kein Sprit im Tank ist. Oder, schlimmer noch, jemand zieht permanent den Zündschlüssel ab. Jedenfalls kann man vom Aufsichtsrat des Konzerns nicht viel mehr sagen, als dass er prüft und prüft und prüft… Kaum schneller kommen die juristische und die politische Aufarbeitung voran. Sicher, hin und wieder wird gemeldet, dass irgendwo bei einem Konzernmanager eine Razzia stattgefunden hat.

Dabei geht die Wahrscheinlichkeit, dass zweieinhalb Jahre nach Beginn des Skandals noch irgendwelche Hinweise in Akten oder Computerdateien gefunden werden, allmählich gegen Null. Den Politikern kann man immerhin zugute halten, dass sie über Volkswagen hinaus die Arbeitsplätze in der für Deutschland wichtigen Automobilindustrie schützen wollen. Doch diese sind mittelfristig weniger durch Straf- und Schadensersatzforderungen gefährdet als durch weltweite Umwälzungen im Mobilitätssektor sowie durch den sich abzeichnenden Verlust des Autos als Statussymbol Nummer 1. Zugleich schädigt der Abwehrwall um Volkswagen den Ruf der deutschen Wirtschaft insgesamt. Was den früheren VW-Chef und lange Jahre bestverdienenden Dax-Manager Martin Winterkorn betrifft, so wachsen die Zweifel, ob seine Behauptung stimmt, er sei nicht über die Schummelsoftware informiert gewesen. War er es aber und kann das dem 70-Jährigen vor Gericht nachgewiesen werden, dann stehen ihm auch ohne Auslieferung an die US-Justiz schwierige Jahre bevor.

Für Mitleid ist indessen kein Grund. Winterkorn kassiert vom Konzern, der unter seiner Führung in die Krise geriet, eine Rente von – täglich! – 3100 Euro. Mit dem Geld könnte – täglich – ein Dieselfahrzeug nachgerüstet werden. Manager können für grobes Fehlverhalten heute zur Verantwortung gezogen werden. Thomas Middelhoff saß zu Recht eineinhalb Jahre im Gefängnis. Er würde vermutlich die Welt nicht verstehen, wenn Winterkorn ohne einen Prozess davonkäme. Westfalen-Blatt

Seit mehr als 30 Monaten laufen die deutschen Ermittlungen zum VW-Abgasskandal, mit beschämend dürftigen Ergebnissen. Wieder machen jetzt US-Justizbehörden ihren hiesigen Kollegen vor, was Entschlossenheit im Umgang mit einem Weltkonzern bedeutet. Ihre Anklage gegen den früheren VW-Boss Martin Winterkorn zeugt von Härte. Es ist eine Sprache, die im Top-Management verstanden wird. In den USA haben Richter bereits zwei Haftstrafen gegen VW-Ingenieure verhängt, hierzulande gab es noch keine einzige Anklage.

Da reicht es nicht aus, hin und wieder medienwirksam Büroräume bei Volkswagen und den Tochtermarken zu durchsuchen, wenn man dort mehr als zwei Jahre Zeit hatte, sämtliche Spuren zu beseitigen. Während die Behörden in den USA sich immer weiter festbeißen, geht es in Deutschland mittlerweile um die Frage, ob eine Schlüsselindustrie sich alles erlauben kann und vom Rechtsstaat nichts zu befürchten hat. Justiz und Politik haben gleichermaßen viel Vertrauen zurückzugewinnen. Doch das können sie nur, wenn sie endlich hart und gründlich durchgreifen. Rheinische Post

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