NRW-Arbeitsminister Laumann würde Transfergesellschaft für Air Berlin begrüßen

Kahlschlag bei Air Berlin

Gewerkschafter befürchten, dass 7000 der gut 8000 Beschäftigten von Air Berlin am Monatsende ihre Kündigung erhalten. Bei der Jobmesse in der vergangenen Woche soll die Lufthansa-Tochter Eurowings den rund 750 Flugbegleitern, die Air Berlin in der Hauptstadt stationiert hat, gerade einmal 30 Stellen angeboten haben.

NRW-Arbeitsminister Laumann würde Transfergesellschaft für Air Berlin begrüßen

Das ist weit entfernt von den bis zu 3000 Jobs, die Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor wenigen Tagen den Air-Berlinern versprochen hat. Auch an einer Transfergesellschaft brauchen sich weder die Lufthansa noch andere Erwerber von Anteilen der Air-Berlin beteiligen. Ein solches Verfahren ist staatlich geförderte Rosinenpickerei zu Lasten der Mitarbeiter. Die Politik hat jetzt die dringende Aufgabe, alle Beteiligte rasch und eindringlich auf ihre soziale Verantwortung hinzuweisen. Thomas Fülling – Berliner Morgenpost

Der Arbeitsminister von NRW, Karl-Josef Laumann (CDU), würde eine Transfergesellschaft für Beschäftigte von Air Berlin unterstützen, stellt aber Bedingungen. „Ich würde mich freuen, wenn eine Transfergesellschaft eingerichtet werden kann. Die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten würden damit eine professionelle Unterstützung bei der Suche nach neuer Arbeit erhalten“, sagte Laumann der „Rheinischen Post“. Die beteiligten Firmen müssten aber „zumindest die Kosten für die Sozialversicherungsbeiträge tragen. Das entspricht einem Anteil von zirka 40 Prozent der Lohnkosten der Beschäftigten. Und die Bundesagentur für Arbeit würde das Transferkurzarbeitergeld in Höhe des Arbeitslosengeldes zahlen“. Nach Information der „Rheinischen Post“ rechnet Air Berlin damit, dass die Gründung der Transferfirma einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ kosten würde.

Emotionen im Cockpit

Die Mitarbeiter der insolventen Fluglinie Air Berlin haben schwere Zeiten hinter sich. Verständlich, dass viele emotional mitgenommen sind; verständlich sogar, dass Piloten nach monatelangem Arbeiten in psychischer Anspannung den Wunsch verspüren, den letzten Langstreckenflug ihrer Airline mit einem besonders spektakulären Flugmanöver abzuschließen. Inakzeptabel ist es jedoch, wenn sie diesem Wunsch nachgeben, mit Passagieren an Bord im Landeanflug durchstarten und eine „Ehrenrunde“ über einer Großstadt drehen. Der Beruf des Piloten ist mit sehr viel Verantwortung verbunden, die Ausbildung aus gutem Grund lang, anspruchsvoll und teuer. In Tarifverhandlungen wird oft darauf hingewiesen. Wieder und wieder müssen Flugschüler penibel vorgeschriebene Prozeduren für Starts und Landungen üben, im Simulator und in der Luft. Sie sollen lernen, in kritischen Situationen ihre Gefühle zu beherrschen, ruhig und routiniert zu reagieren. Von diesen Standardverfahren grundlos abzuweichen, ist immer fahrlässig. Es in einer aufgewühlten Stimmung zu tun, ist idiotisch. Stefan Weigel – Rheinische Post

Lohndumping in der Luft

Lufthansa konnte sich also die Sahnestückchen der insolventen Air Berlin schnappen. Und auch Easyjet wird sicherlich noch den einen oder anderen leckeren Happen abbekommen. Man muss nicht unbedingt Manager bei der schon früh beleidigt aus dem Bieterfeld ausgeschiedenen Ryanair sein, damit einem das Treiben um die Ausschlachtung der Pleitefluglinie missfällt. Die Bundesregierung hatte ihr noch im Sommer einen Notkredit von 150 Millionen Euro bewilligt, damit der Flugbetrieb erst mal weiter laufen konnte. Doch Politiker von Union und SPD ließen keinen Zweifel dran, dass die Lufthansa später die fettesten Stücke bekommen solle. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) etwa wischte kartellrechtliche Bedenken beiseite, Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) gab unumwunden zu, dass sie den Branchenprimus und »Champion im Luftverkehr« noch weiter stärken wolle. Dies wäre alles noch politisch tragbar, wenn zumindest alle Arbeitsplätze erhalten blieben. Doch zwei von zehn Air-Berlin-Angestellten werden bald ein Fall für die Arbeitsagentur sein. Und die, die übernommen werden, müssen sich zu einem großen Teil erst mal neu auf eine Stelle bewerben und dann vermutlich zu schlechteren Bedingungen weiterarbeiten. Insofern ließen die scheidenden Berliner Koalitionspartner zu, dass sich die Lufthansa bei der Air-Berlin-Pleite auch auf Kosten der Beschäftigten bereichern kann. neues deutschland

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