Prognosen EEG-Umlage: Familien zahlen 2016 max. 65 Euro mehr

Sparpotential durch Stromanbieterwechsel von mehreren hundert Euro pro Jahr

Prognosen EEG-Umlage: Familien zahlen 2016 max. 65 Euro mehr

In gut zwei Wochen, am 15. Oktober, geben die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) die Höhe der EEG-Umlage für 2016 bekannt. Laut Prognosen der ÜNB liegt die Spannbreite der Abgabe für das kommende Jahr zwischen 5,66 Cent/kWh und 7,27 Cent/kWh netto.1) Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh bedeutet das je nach Szenario eine Ersparnis von bis zu 30 Euro oder Mehrkosten von bis zu 65 Euro pro Jahr (brutto).

Die jüngsten Prognosen gehen von einer Erhöhung der EEG-Umlage von 6,17 Cent/kWh auf etwa 6,50 Cent/kWh (netto) aus.2) Damit würde der Beitrag zur Förderung erneuerbarer Energien einen neuen Höchststand erreichen. Die jährliche Belastung für alle deutschen Privathaushalte würde dadurch um rund ein halbe Mrd. Euro steigen. Für Familien bedeutet das 20 Euro, für Singles acht Euro Mehrkosten pro Jahr.

EEG-Umlage 2016: Prognosen zwischen 5,66 Cent/kWh und 7,27 Cent/kWh

Szenarien     Prognose EEG-      Mehrkosten/         Mehrkosten/  
              Umlage 2016      Ersparnis  p.a.     Ersparnis p. a.   
                             Familie (5.000 kWh)  Single (2.000 kWh)
ÜNB-untere 
Bandbreite1)  5,66 Cent/kWh        -30 Euro           -12 Euro 
ÜNB-obere 
Bandbreite1)  7,27 Cent/kWh         65 Euro            26 Euro  
ÜNB-Trend1)/
Agora2)       6,50 Cent/kWh         20 Euro             8 Euro

*Berechnungsbeispiel anhand der Trend-Prognose: Grundlage ist eine Erhöhung der EEG-Umlage um 0,33 ct/kWh netto (=6,5 ct/kWh – 6,17 ct/kWh); Familie: 5.000 kWh/Jahr * 0,33 ct/kWh = 16,50 EUR + 19 % MwSt = 19,64 EUR (brutto): Single: 2.000 kWh/Jahr * 0,33 ct/kWh = 6,60 EUR + 19 % MwSt = 7,85 EUR (brutto); alle dt. Privathaushalte: Stromverbrauch 127,875 Mrd. kWh/Jahr (Quelle: BDEW, „Stromverbrauch in Deutschland nach Verbrauchergruppen 2004 und 2014“, abrufbar unter http://bit.ly/1OxM2QJ), 127,875 Mrd. kWh/Jahr * 0,33 ct/kWh = 421,975 Mio. EUR + 19 % MwSt = 502,1651 Mio. EUR (brutto) Quellen: Übertragungsnetzbetreiber, Agora Energiewende, CHECK24 (www.check24.de; 0800 – 755 455 430); Angaben ohne Gewähr

Szenario ÜNB (untere Bandbreite): Die EEG-Umlage steigt auf 7,27 Cent/kWh (+18 Prozent). Geben die Stromanbieter diese Erhöhung in vollem Umfang an die Verbraucher weiter, zahlt eine vierköpfige Familie (Verbrauch von 5.000 kWh/Jahr) im kommenden Jahr 65 Euro, ein Single (Verbrauch von 2.000 kWh/Jahr) 26 Euro mehr. Für die deutschen Privathaushalte würde eine Erhöhung in diesem Umfang rund 1,7 Mrd. Euro Mehrkosten für Strom bedeuten.

Szenario ÜNB (obere Bandbreite): Die EEG-Umlage sinkt von 6,17 Cent/kWh auf 5,66 Cent/kWh (minus acht Prozent). Alle deutschen Privathaushalte würden dadurch um rund 0,8 Mrd. Euro entlastet. Das jährliche Sparpotential für eine Familie würde 30 Euro betragen, für einen Einpersonenhaushalt zwölf Euro.

Szenario ÜNB (Trend) / Agora: Wahrscheinlicher ist ein Anstieg der EEG-Umlage auf etwa 6,50 Cent/kWh (plus fünf Prozent). Eine Erhöhung in diesem Maße würde einen neuen Höchststand bedeuten. Tritt dieses Szenario ein, kommen auf die privaten Stromverbraucher in Deutschland rund eine halbe Mrd. Euro Mehrkosten durch den Beitrag für erneuerbare Energien zu. Familien werden mit 20 Euro, Singles mit acht Euro zusätzlich pro Jahr belastet.

Sparpotential durch Stromanbieterwechsel von mehreren hundert Euro pro Jahr

Egal ob die EEG-Umlage 2016 steigt oder fällt – echtes Sparpotential besteht für Verbraucher nur durch einen Wechsel des Stromanbieters. Kunden von CHECK24.de sparten 2014 so im Schnitt 256 Euro. Die durchschnittliche Ersparnis einer Familie mit einem Verbrauch von 5.000 kWh lag sogar bei 366 Euro. Selbst Singles konnten ihre Stromkosten durch einen Anbieterwechsel um durchschnittlich 176 Euro reduzieren.3)

1)Quelle: Übertragungsnetzbetreiber, „Prognose der Bandbreite der EEG-Umlage 2016 nach AusglMechAV“, abrufbar unter http://bit.ly/1LRfHOL, zuletzt abgerufen am 24.09.15
2)Quelle: Agora Energiewende „Börsenstrom fällt, EEG-Umlage steigt“, abrufbar unter http://bit.ly/1LBpfSg, zuletzt abgerufen am 24.09.15
3)Quelle: CHECK24, Ersparnis durch Stromanbieterwechsel 2014, abrufbar unter http://ots.de/bJgu4

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Neue Studie zu Nutzeneffekten von Bürgerenergie: Milliarden für die regionale Wirtschaft, Gewinn für das Gemeinwesen

Energie-Projekte in Bürgerhand stärken die lokale Wertschöpfung mit Milliarden-Investitionen und bringen vor Ort vielfältigen gesellschaftlichen Nutzen. Zu diesem Fazit kommt eine neue Studie des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES), die Greenpeace Energy zusammen mit dem Bündnis Bürgerenergie e.V. finanziert und heute in Berlin vorgestellt hat.

Die Wissenschaftler haben in ihrer Untersuchung insgesamt zehn Nutzeneffekte herausgearbeitet. So konnten Photovoltaik-, Windkraft- oder Biomasse-Projekte in Bürgerhand oder mit Bürgerbeteiligung laut IZES bundesweit bis zu 113.600 Vollzeitarbeitsplätze erhalten oder neu schaffen. Die Wertschöpfung dieser Projekte summierte sich allein im untersuchten Jahr 2012 auf bis zu 5,3 Milliarden Euro. Über steigende Steuereinnahmen profitierten davon auch die kommunalen Haushalte. Das eingesetzte Geld bleibe, so die Studie, zu großen Teilen im lokalen Wirtschaftskreislauf, statt in globale Finanzströme abzufließen.

„Bürgerinnen und Bürger haben hierzulande 4.000 Windräder und 1,2 Millionen Solaranlagen verwirklicht, ihr Engagement ist auch ein wichtiger Job-Motor. Bürgerenergie heißt, dass möglichst viele Menschen an der Wertschöpfung erneuerbarer Energien teilhaben können“, sagt Rene Mono, Vorstand beim Bündnis Bürgerenergie.

Die Autoren der IZES-Studie haben durch Interviews mit Branchenakteuren und Experten auch mehrere gesellschaftliche Nutzeneffekte identifiziert: Weil sich in Bürgerenergie-Projekten viele Menschen aktiv beteiligen, wächst die gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende, Kapital und Einfluss auf dem Energiemarkt werden breiter gestreut. Die Akteure der Bürgerenergie sorgen laut Studie zudem für technische Innovationen und können Ökostrom-Anlagen häufig günstiger errichten als große, profitorientierte Marktteilnehmer – zum Beispiel, weil sie einen Teil der anfallenden Kosten durch ihre ehrenamtliches Arbeit vermeiden.

Vielerorts werden Projekte sogar ausschließlich durch lokale Akteure verwirklicht, weil große Konzerne die für sie entstehenden, relativ hohen Kosten bei kleinen Anlagen scheuten. Fast die Hälfte der gesamten in Deutschland installierten Ökostrom-Leistung von 73 Gigawatt befinde sich auch deshalb in Bürgerhand. In Zukunft dürften die Transaktionskosten sogar noch wichtiger werden. Denn die Technologien zum Ausgleich von Schwankungen bei Sonnen- und Windenergie sind kleinteilig und regional verankert.

„Die Bürgerinnen und Bürger haben das Oligopol der großen Konzerne auf dem Energiemarkt aufgebrochen. Aktuell gilt es aber, die berechtigten Interessen der Bürgerenergie zu schützen“, sagt Marcel Keiffenheim, Aufsichtsrat beim Bündnis Bürgerenergie und Leiter Politik und Kommunikation bei der Energie-Genossenschaft Greenpeace Energy.

Sorgen bereitet der Bürgerenergie vor allem die geplante Ausschreibungspflicht für neue EEG-Anlagen. Die lokalen Akteure sind hier im direkten Wettbewerb benachteiligt, weil sie – anders als Großkonzerne – Kosten und Risiken einer Ausschreibung meist nicht auf mehrere Projekte verteilen können. „Die Bürgerenergie braucht deshalb Ausnahmen vom Ausschreibungs-Prinzip“, so Keiffenheim.

Auch die Autoren der IZES-Studie warnen: Würden Bürger-Projekte aufgrund der neuen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen nicht zustande kommen, so würden ihre vielfältigen positiven Effekte verlorengehen. „Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen der Bürgerenergie sind aber vor für allem für ländliche und strukturschwache Regionen enorm wichtig“, sagt Studienleiterin Eva Hauser.

Die IZES-Untersuchung ist die erste umfassende Grundlagenstudie zum Thema. Um Bürgerenergie künftig genauer evaluieren zu können, empfehlen die Forscher nun eine wissenschaftliche Langzeitbetrachtung von ausgewählten Kommunen, in denen Bürgerinnen und Bürger Erneuerbare-Energien-Projekte umsetzen. Daniela Setton Bündnis Bürgerenergie e.V. buendnis-buergerenergie.de / Christoph Rasch Greenpeace Energy eG greenpeace-energy.de

DasParlament

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