Realitätsfremd: Wirtschaftsminister zuversichtlich für Bayer-Klagen

Glyphosat-Urteil - Der Monsanto-GAU

Realitätsfremd: Wirtschaftsminister zuversichtlich für Bayer-Klagen

Der unter enormem Druck stehende Bayer-Chef Werner Baumann wäre gut beraten, über Vergleichsverhandlungen nachzudenken, um das Thema in den Vereinigten Staaten endlich vom Tisch zu bekommen. Allerdings hat die Sache einen Haken, denn freiwillige Entschädigungsleistungen kämen einem Schuldeingeständnis gleich. Dennoch: Das Risiko, das von der Prozessflut ausgeht, dürfte für Bayer noch weit schlimmer sein, von rund 50 Milliarden US-Dollar ist die Rede.¹

Bayer verliert die Kontrolle

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart unterstützt Bayer und äußerte sich zuversichtlich zu den Glyphosat-Klagen. „Natürlich bergen die Klageverfahren Risiken. Aber ich möchte unterstreichen, dass das Unternehmen seinen Standpunkt mit Hunderten Gutachten untermauern kann“, sagte Pinkwart der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

„Auf der anderen Seite eröffnet die Zusammenarbeit mit Monsanto völlig neue Chancen bei der Digitalisierung in der Landwirtschaft und beim großen Thema der Biotechnologie: Hier geht es um die Frage der Welternährung von morgen, bei der Bayer eine ganz wichtige, zentrale Rolle spielen kann“, so Pinkwart weiter. NRW wolle die Rahmenbedingungen so setzen, dass Bayer seine neue Strategie auch Wirklichkeit werden lassen kann – im Interesse der Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen.

Bayer war gewarnt. Monsanto galt als bösester Konzern der Welt, die EU wollte den Umsatzbringer Glyphosat schon verbieten. Trotzdem griff Bayer zu und glaubte, alles unter Kontrolle zu haben oder bringen zu können. Das Gegenteil ist der Fall: Nichts hat Bayer in St. Louis unter Kontrolle. Nicht die Unternehmenskultur, wie die Listen von zu überwachenden Kritikern zeigen, die Monsanto führte und die erst jetzt auftauchen. Und nicht die Klagen: Erst unterschätzte Bayer die Wucht der Klagewelle, dann glaubte der Konzern, diese durch seine Erfahrung mit Produkthaftungsklagen brechen zu können. Nun kassiert Bayer eine Milliarden-Strafe.

Gewiss: Bisher gibt es erst drei erstinstanzliche Urteile. Doch Bayer muss nun Jahre lang ohnmächtig zusehen, wie US-Richter in 13.400 Klagen entscheiden, oder sich auf milliardenschwere Vergleiche einlassen. Der Vorstand hat Bayer in eine Sackgasse geführt. Dass Bayer nun Töchter verkauft, hat auch damit zu tun, dass der Konzern Spielraum für Vergleiche gewinnen muss. Der anhaltende Verfall des Aktienkurses macht es für zerschlagungswillige Hedgefonds immer attraktiver zuzugreifen. Monsantos schmutzige Vergangenheit holt Bayer ein – und das mit einer Wucht, die bedrohlich werden kann.²

¹Straubinger Tagblatt ²Antje Höning – Rheinische Post

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