Steuerfahndung bei Winterkorn: Automobilexperte sieht Chancen auf Entschädigung der Aktionäre steigen

Dudenhöffer zu Ermittlungen gegen Winterkorn: "Vorwürfe bestätigen das Bild der Raffgier"

Steuerfahndung bei Winterkorn: Automobilexperte sieht Chancen auf Entschädigung der Aktionäre steigen

Der VW-Konzern sollte sich stärker von seinem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn distanzieren, fordert Ökonom und Verkehrswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Mit Blick auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen den Ex-VW-Chef sagte Dudenhöffer: „Wenn sich herausstellt, dass die Vorwürfe wahr sind, wird die Marke VW weiter stark beschädigt. Denn die Vorwürfe bestätigen das Bild der Raffgier.“ Um sich selbst zu schützen, müsse VW seinerseits Klage gegen Winterkorn einreichen und vorsorglich Ansprüche stellen, sollte dieser als Vorstandsvorsitzender seine Pflichten verletzt haben.

Auch auf noch ausstehende Verfahren gegen den Wolfsburger Autokonzern im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal könnten die Ermittlungen Auswirkungen haben, ist der Automobilexperte überzeugt: „Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass VW die Aktionärsforderungen in Milliardenhöhe erfüllen muss.“ Die Ermittlungen würden die Glaubwürdigkeit der Zeugen steigern, die sagen, Winterkorn habe frühzeitig von Manipulationen gewusst und nicht reagiert.¹

Rund zehn Millionen Euro: So einen »Notgroschen« wünscht man sich gerne auch für sich. Aber als ehemaliger Chef des neben Toyota weltweit größten Automobilherstellers lebt Martin Winterkorn natürlich in anderen Dimensionen. Nun wird gegen Winterkorn schon wegen seiner vermuteten Mitverantwortung für die Abgasmanipulationen an den Diesel-Fahrzeugen des Konzerns und wegen zu später Information der Aktionäre ermittelt. Trotzdem und trotz der hohen Summe, die er möglicherweise am Fiskus vorbei in die Schweiz transferiert hat, gilt für den Ex-Konzernchef das Gleiche wie für jeden kleinen Ladendieb: Solange die Steuerhinterziehung nicht zweifelsfrei bewiesen und kein Urteil gefällt ist, gilt er nur als verdächtig. Fast möchte man einwenden: So naiv kann Winterkorn gar nicht gewesen sein, dass er glauben konnte, ein solcher Millionen-Transfer würde nicht irgendwann aufgrund beschlagnahmter Papiere oder dem Kauf einer Bank-CD auf dem Tisch der Fahnder landen. Doch auch dass er so naiv nicht gewesen sein kann, ist – bis zum Beweis – nur Vermutung.²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²

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