Strafzinsen für Bankkunden: 25 kostenlose Girokonten unter der Lupe

Notbremse, ein kostenloses Girokonto

Strafzinsen für Bankkunden: 25 kostenlose Girokonten unter der Lupe

Die Raiffeisenbank im Tegernseer Tal ist in der Tat ein Sonderfall. Zu ihrer Entscheidung gab es keine Alternative. Um deutlich zu machen, in welcher monetären Klemme sie steckt, musste sie handeln. Das Geldinstitut hat überdurchschnittlich viele gut betuchte Kunden. Parken diese beispielsweise eine Million Euro, kostet das die Bank im Jahr 4000 Euro.

Nachdem Argumente offensichtlich ins Leere liefen, haben die Vorstände die Notbremse gezogen. Sie beteiligen die Vermögenden an den Kosten für die Geldhaltung. Das Prinzip ist transparent: Der Zinssatz von 0,4 Prozent wird einfach weitergereicht. Die Maßnahme, die so viel Furore machte, betrifft im Übrigen weniger als 140 Kunden. Auch wenn ein „Verwahr-Entgelt“ beziehungsweise Negativ- oder Strafzinsen im Breitengeschäft noch kein Thema sind, ist eines klar: Der Druck auf die Banken wird immer größer. Je länger die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank anhält, umso mehr müssen sich die Kreditinstitute einfallen lassen, um ihre Finanzen einigermaßen in Ordnung zu halten. Viele Geldhäuser bieten inzwischen keine kostenlosen Girokonten mehr an oder erhöhen die Gebühren für Kontoführung und Kreditkarten. Wo die Reise hingeht, ist schon jetzt absehbar. Mittelbayerische Zeitung

Die Notbremse, ein kostenloses Girokonto

Die anhaltende Niedrigzinsphase drückt auf das Gemüt der Kunden. Eine Auswirkung: Zahlreiche Banken haben ihre Angebote für sogenannte „kostenlose Konten“ inzwischen eingestellt bzw. feilen spürbar an der Gebührenstruktur. Indes gibt es weiterhin noch ein paar „unbeugsame“ Finanzinstitute ohne monatliche Kontoführungsgebühr.

Kostenlos bedeutet natürlich nicht gänzlich gebührenfrei – diese Erkenntnis bestätigt sich auch 2016. Die Redaktion des Fachportals Kostenloses-Konto.net hat erneut 25 „kostenlose Girokonten“ (Girokonten ohne Kontoführungsgebühr) unter die Lupe genommen und deren Konditionen getestet.

Als Gesamtsieger im Girokonto-Test 2016 setzte sich erstmals die ING-DiBa durch. Das kostenlose Girokonto mit gebührenfreier Kreditkarte erzielte 73 von 100 Punkten. Vor allem mit dem Verzicht auf einen Mindestgehaltseingang und 0,00 Euro monatlichen Kontoführungsgebühren punktet das Girokonto. Den 1. Platz knapp verfehlt hat in diesem Jahr die Consorsbank, die 72 Punkte erreichte – zwei Punkte weniger als im Vorjahr. Drei Banken teilen sich den 3. Platz, darunter überraschenderweise eine Filialbank. Die Santander Bank erhielt 69 Punkte. Ebenfalls diesen Wert erreichten das Wüstenrot „Top-Giro“ und das DKB Cash Girokonto.

„Banken werden künftig vermehrt an der Gebührenschraube drehen – speziell Bargeldabhebungen und Serviceleistungen werden teurer“, erläutert Peter Weißenborn von Kostenloses-Konto.net. „Das spiegelt sich in den niedrigeren Punktzahlen im Test wider.“

Interessante Fakten

Die Zahl der Banken, die Guthaben auf dem Giro- oder Kreditkartenkonto verzinsen, ist auf zwei geschmolzen: Nur das Skatbank „Trumpfkonto“ und das Santander 1|2|3 Girokonto zahlen – wenn auch nur geringfügig – Zinsen auf Guthaben. Ein paar Zinsen gibt es ggf. noch auf dem Kreditkartenkonto, z. B. bei der DKB und der Postbank. Bemerkenswert: Ausgerechnet die Banken, die noch Guthaben verzinsen, liegen beim Dispozins unter dem Durchschnitt. Den günstigsten Überziehungszins im Dispokreditvergleich bietet derzeit die Skatbank mit 4,20 % pro Jahr.

Im Jahresvergleich des Tests bestätigte sich auch die Langzeit-Top-3 der kostenlosen Girokonten. Seit vier Jahren bieten die Consorsbank, die ING-DiBa und die DKB die besten Konditionen. Lediglich die Reihenfolge variiert.

Ab November wahrscheinlich nicht mehr im Testfeld ist die Postbank, welche das gebührenfreie Online-Konto demnächst abschafft. Stattdessen wird eine einheitliche Kontoführungsgebühr von 3,90 Euro eingesetzt, wenn weniger als 3.000 Euro monatlich eingehen.

Hintergrund zum Test 2016

Das Fachportal Kostenloses-Konto.net führte den Test „kostenloser Girokonten“ 2016 bereits zum vierten Mal durch. Die Punktevergabe erfolgte objektiv auf Basis der veröffentlichten Konditionen. Insgesamt testete Kostenloses-Konto.net 25 Girokonten in fünf Kategorien mit 47 Prüfpunkten, darunter „Grundgebühren“, „Zinsen“, „Zahlungsverkehr“, „Service/Erreichbarkeit“ und „Sicherheit“. Mario Hess, Franke-Media.net

Negativzins im Private Banking!? – Ein Ausweg

Die Erosion des Zinskonditionsbeitrages und die anhaltenden Diskussionen um die Einführung von Negativzinsen stellen auch das Private Banking vielerorts vor die Herausforderung, Wachstum zu erzielen und dabei Erträge, Effizienz und Digitalisierung zu vereinen.

Das in den letzten Jahren in vielen Private-Banking-Einheiten erwirtschafte Wachstum auf der Liquiditätsseite stellt in der aktuellen Situation eine besondere Herausforderung sowohl für die betroffenen Institute als auch für die Kunden dar. Auswertungen von metamorf haben ergeben, dass vielerorts 60% des betreuten Volumens im Passivbereich investiert sind. Gelingt es nicht, den Anteil deutlich zu reduzieren, kann Private-Banking-Kunden die Ankündigung von Negativzinsen institutsübergreifend bevorstehen.

Sinkt der Zinskonditionsbeitrag und können nur noch geringe bis gar keine Erträge mehr erwirtschaftet werden, stellt sich die Frage, wofür Private-Banking-Kunden bereit sind, Geld zu bezahlen. Nimmt man ein Interview mit Dirk Nowitzki aus der Online Ausgabe des Handelsblattes ernst, lässt sich diese Frage leicht beantworten: Ein Dienstleistungsteam, das sich nach vereinbarten Regeln um die finanziellen Belange kümmert, löst viele finanzspezifische Probleme des Kunden. Dazu gehört auch die Möglichkeit, auf eine „echte“ individuelle Vermögensverwaltung oder ein Depot zurückgreifen zu können.

In vielen Fällen wird das individuelle Vermögen jedoch nicht ausreichen, um ein eigenes individuelles Dienstleistungsteam zu beschäftigen. Expertenteams, wie es Private-Banking-Abteilungen heute schon sind, können für den Kunden als Dienstleistungsteam fungieren und somit eine passende Alternative für den Kunden darstellen. Denkt man diesen Schritt konsequent zu Ende, bedeutet dies eine Abweichung von der heutigen Struktur der Kunden-Berater-Zuordnung hin zu einer Dienstleistungsbetreuung durch das gesamte Team. Wie viele Kunden ein Team schlussendlich betreuen kann, hängt sowohl von dem Team selbst als auch von der Struktur des Kundenportfolios ab. Eine weitere „Retailisation“ durch bspw. Anpassungen von Betreuungsrelationen oder die Straffung der Produktkörbe wird zwar Kosten senken, einen Mehrwert jedoch nur selten liefern.

Das Beispiel Dirk Nowitzkis mag heute noch die Ausnahme in der Wahrnehmung der bestehenden Private-Banking-Teams sein, genau dort liegt jedoch eine weitere Herausforderung. Aufgrund von teilweise sehr starren Kriterien, die eine Betreuung im Private Banking rechtfertigen, liegt das Durchschnittsalter der Kunden jenseits der 65 Jahre. „Diese Kunden stammen häufig aus dem Milieu der konservativ Etablierten und prägen die Wahrnehmung vieler Berater“, weiß Mario Brößel, Experte für Private Banking bei der metamorf business consulting GmbH. Die nachwachsende Generation der Private-Banking-Kunden ist heute meist 50 Jahre alt und dem Milieu der Performer oder Expeditiven zuzuordnen. Geld und Status stehen dabei nicht im Mittelpunkt, so dass die herkömmlichen Kriterien, wie liquides Vermögen und Einkommen, nicht ausreichen, um diese Kunden zu entdecken und ihnen gerecht zu werden. Viele Kunden sind heute weitgehend in anderen Vermögenswerten investiert.

Mit mehr Fantasie in der Zielgruppenbildung können heute noch weitestgehend unentdeckte Potentiale aufgedeckt werden. „Einkommens- und Immobilienkunden finden heute vielerorts kaum Beachtung oder werden nur unzureichend betreut“, sagt Mario Brößel. Auch eine Perspektive der „Investition“ wird selten eingenommen. Der Ausbau der digitalen Informations- und Produktabschlussmöglichkeiten ist darüber hinaus eine notwendige Maßnahme, um den Private-Banking-Kunden von morgen nicht schon im Vorfeld zu verlieren. Denn immerhin erwägen bereits heute 47% der unter 45jährigen High Net Worth Individuals die keine robo-services Nutzen, diese in Zukunft zu nutzen (Quelle: PwC Strategy& Global Wealth Management Survey 2016).

„Die Häuser, die keine Innovation eingehen, aus Angst Bestandskunden zu verlieren, werden die Ersten sein, die in den nächsten fünf Jahren das Nachsehen haben werden.“, gibt Marc Letzing, Geschäftsführer und Gründer der metamorf business consulting GmbH, zu bedenken. Allein auf die Kundenbindung zu setzen wird nicht reichen. Effizienter zu werden und dabei Lösungserlebnisse für den Kunden zu verbessern, wird die Aufgabe der nächsten Jahre sein. Wer nicht in die stetig wachsende Kundengruppe investiert wird in Zukunft Marktanteile verlieren. Jens Vieting – metamorf business consulting GmbH

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