Streit mit Zulieferer: VW half sich selbst

Volkswagen VW Schieflage

Streit mit Zulieferer: VW half sich selbst

Es ist vor allem für VW gut, dass der Konzern und seine Zulieferer eine weitere Eskalation ihres Konflikts vermieden haben. Das VW-Image ist wegen des Dieselskandals ohnehin schon ramponiert. Das macht sich in rückläufigen Verkaufszahlen in manchen Regionen bereits bemerkbar. Auf starken Absatz ist VW aber dringend angewiesen. Denn neue Schadenersatz-Klagen in den USA und zunehmend auch von deutschen Kunden könnten VW in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Vor diesem Hintergrund war der kompromisslose Kurs des VW-Managements im Machtkampf mit den Zulieferern riskant und möglicherweise verantwortungslos. Unangenehm wurde für VW auch die politische Diskussion. Es kam nicht gut an, dass der Konzern einen geschäftlichen Konflikt auf dem Rücken der Beitragszahler austragen wollte, die das Kurzarbeitergeld für 28.000 Arbeiter finanzieren sollten. VW wird nun auch seine Produktionsstrategie überdenken müssen. Sich bei wichtigen Getriebeteilen von nur einem einzigen Zulieferer abhängig zu machen, ist keine vernünftige Strategie. Birgit Marschall – Rheinische Post

Wer am Ende der Gewinner oder der Verlierer ist, bleibt unklar. Auch eine Rollenverteilung – in gut und böse – lässt sich nach dem Streit zwischen dem Autobauer Volkswagen und den beiden Zulieferern ES Automobilguss und Car Trim nicht anfertigen. Fest steht lediglich, dass sich VW schon im Vorfeld des Zwists auf ein gefährliches Spiel eingelassen hat: Ein Konzern mit mehr als einer halben Million Mitarbeitern setzte im Rennen um gute Zahlen auf lediglich ein Pferd. Wenn sich das – aus welchen Gründen auch immer – vergaloppiert, kann es teuer werden. Und das gilt nicht nur für den Konzern selbst. Mario Beltschak – Badische Neueste Nachrichten

Falsche Unterstützung

VW-Manager können sich diese Mischung aus Arroganz und Ignoranz leisten, weil sie wissen, dass die Politik notfalls sekundiert. Und so war es auch dieses Mal. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) schlug sich augenblicklich auf die Seite von Volkswagen, ging Prevent vor laufenden Kameras heftig an. Es ist bemerkenswert, dass einer der höchsten Repräsentanten des Staates in einer juristisch gesehen zivilrechtlichen Auseinandersetzung sehr einseitig Partei ergreift. Da ist der Ministerpräsident dann ganz stellvertretender VW-Aufsichtsratsvorsitzender. Die schon fast reflexhafte Parteinahme ist kontraproduktiv, diskreditiert sie doch eines der faszinierendsten Projekte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Aus dem Erbe des Nazi-Staates ist ein Weltkonzern aufgebaut worden, in dem die Beschäftigten und das Land Niedersachsen dank einer im sogenannten VW-Gesetz verankerten Sperrminorität im Aufsichtsrat großen Einfluss haben. Frankfurter Rundschau

VW und der Einigung im Zuliefererstreit

Die EU-Kommission hat schon einmal versucht, das VW-Gesetz zu knacken. Solche Diskussionen brauchen wir nicht mehr. Dafür ist Volkswagen viel zu wichtig. Schließlich steht der Konzern vor der größten Kraftanstrengung seiner Werksgeschichte. Er muss sich fit machen für die Elektromobilität und die Herausforderungen des autonomes Fahrens. Wenn die deutsche Autobranche aber auch in Zukunft führend sein will, dann muss die Politik zusammen mit den Autobauern Innovationen ermöglichen, die alle bisherigen Anstrengungen übertreffen. Berliner Zeitung

Streit mit VW: NordLB-Analyst nennt Vorgehen des Zulieferers „mutig“

Schwope: „Ein Wirtschaftskonflikt, den ich so noch nicht erlebt habe“

Im Streit mit Volkswagen sieht Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB, den Zulieferer Prevent unter Druck, die Probleme zeitnah zu lösen. Klar sei für ihn, dass der Konflikt nicht wochenlang anhalten werde. Eine wie auch immer geartete Lösung werde Prevent schwerer treffen als VW. Es sei „ein mutiger Schritt des Zulieferers, sich so gegenüber Volkswagen zu verhalten“, erklärte Schwope in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Die Auseinandersetzung sei „ein Wirtschaftskonflikt, den ich so noch nicht erlebt habe“, sagte der Analyst. Es sei eine „irritierende Konstellation, dass quasi ein David der Zulieferbranche einen Goliath dazu zwinge, die Bänder anzuhalten.“

Der NordLB-Analyst geht davon aus, dass VW wegen des aktuellen Produktionsstopps allein für die laufende Woche Umsatzausfälle in zweistelliger Millionenhöhe haben werde – ein Schaden, der sich schnell auf dreistellige Millionenbeträge summieren könnte. Neue Osnabrücker Zeitung

Zulieferindustrie: Fairer und partnerschaftlicher Umgang in den Zulieferketten ist Erfolgsfaktor für Zulieferer und Hersteller

Die Zulieferketten im Automobilbau und in anderen Industrien verzahnen sich immer weiter. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Zulieferern der verschiedenen Wertschöpfungsstufen und den Herstellern der Endprodukte ist ein deutsches Erfolgsmodell. In kaum einem anderen Land der Welt sind die Prozesse so effizient organisiert wie hierzulande. Die voranschreitende Digitalisierung wird diese Symbiosen noch weiter vertiefen.

Damit diese Wertschöpfungsketten zum Wohle aller reibungslos funktionieren, ist ein fairer und partnerschaftlicher Umgang miteinander erforderlich. Störungen in den Abläufen, wie z.B. Bandstillstände, gilt es zu vermeiden, denn das bringt Nachteile für alle Beteiligten. „Die Schwierigkeiten in dem Fall der Zusammenarbeit zwischen VW und der Prevent Gruppe machen erneut deutlich, wie wichtig ein auf nachhaltige Geschäftsbeziehungen und Fairness angelegter Dialog zwischen den Partnern der Wertschöpfungskette Automobil ist“, so Christian Vietmeyer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ) heute in Düsseldorf.

Für faire Zulieferbeziehungen müssen die Interessen beider Seiten angemessen berücksichtigt werden, einseitige Diktate von Marktmächtigen führen in der Regel zu unausgewogenen Vertragsbeziehungen und streuen letztlich Sand ins Getriebe. In seinem angefügten Positionspapier vom 30.11.2015, das die ArGeZ nachdrücklich unterstützt, hat der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. zehn Punkte für faire und nachhaltige Zulieferbeziehungen formuliert. Dort heißt es z.B.: „Fairness im Umgang miteinander, die Einhaltung von Verträgen und der Respekt vor schutzwürdigen Belangen des Vertragspartners sind in deutschen Großunternehmen, wie im deutschen Mittelstand, fester Bestandteil der Unternehmensführung und Unternehmenskultur (Leitbild des „Ehrbaren Kaufmanns“).“ Weiterhin heißt es dort u.a., dass das geistige Eigentum des Partners geschützt, die Innovationsfähigkeit des Zulieferers durch Planungssicherheit gestärkt und die strukturellen Veränderungen aufgrund des Drucks der Weltmärkte partnerschaftlich gestaltet werden müssen.

Christian Vietmeyer, Sprecher der ArGeZ meint dazu: „Nachhaltige Zulieferbeziehungen basieren auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, die durch gegenseitige Fairness und ein langfristiges Denken entsteht. Wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, Innovationen und höchste Qualitäten entstehen nicht durch einseitige Marktmacht, sondern auf der Grundlage von gegenseitigem Vertrauen und Fairness im Umgang miteinander. Wenn die Regeln von fairem Wettbewerb außer Kraft gesetzt werden, kann dies existenzielle Folgen haben. WSM Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung e.V.

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