Tengelmann Rettung wird wahrscheinlicher

Markant zieht Beschwerde vor dem OLG zurück

Tengelmann Rettung wird wahrscheinlicher

Einigung mit Markant erreicht

„Wir haben uns heute mit Markant auf die Rücknahme der Beschwerde und des Antrags auf einstweilige Anordnung gegen die Ministererlaubnis verständigt. Damit haben zwei der drei Beschwerdeführer innerhalb der letzten vier Tage den Weg frei gemacht zur Rettung der 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser’s Tengelmann“, sagt Karl-Erivan W. Haub, geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann. Über die Details der Vereinbarung haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. „Ich bin sehr froh, dass unsere Mitarbeiter mit dieser erfreulichen Nachricht in die neue Woche starten können“, so Haub weiter.

Hintergrund: Im Oktober 2014 hatten die Unternehmensgruppe Tengelmann und der EDEKA-Verbund das Fusionsvorhaben beim Bundeskartellamt zur Genehmigung eingereicht. Dieses hatte den Zusammenschluss im März 2015 verboten, worauf die Unternehmen gemeinsam einen Antrag auf Erteilung einer Ministererlaubnis beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht hatten. Diese Ministererlaubnis wurde im März 2016 unter aufschiebenden Bedingungen erteilt. Obgleich diese Auflagen inzwischen erfüllt und vom BMWi bestätigt wurden, hindern derzeit die Beschwerden des Mitbewerbers Rewe gegen die Ministererlaubnis die Realisierung der Übernahmepläne. So ist auch zwei Jahre nach Vertragsschluss noch keine Übergabe von Kaiser’s Tengelmann, ihrer Tochtergesellschaften Birkenhof und Ligneus, der Bringmeister/Bringmeister Logistik und der Tengelmann E-Stores an EDEKA möglich. Unternehmensgruppe Tengelmann

Die Rückkehr der Vernunft

Mit gegenseitigen Beschimpfungen und Schuldzuweisungen sind die Handelsbosse keinen Schritt weiter gekommen. Nach zwei Gipfeltreffen, die mit Erwartungen überfrachtet waren, scheint die Vernunft in die Chefetagen der Konzerne zurückgekehrt zu sein. Mit einer Faust in der Tasche macht Norma den Weg frei für die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka.

Abseits der Elefantenrunden, die zur Selbstinszenierung verleiten, hat Tengelmann-Chef Haub selbst die Initiative ergriffen und das direkte Gespräch mit Norma gesucht. Dass die Fürther ihre Klage zurückziehen, dürfte nicht nur Haubs Überredungskunst geschuldet sein. Er wird auch eine Morgengabe auf den Tisch gelegt haben.

Die Einigung setzt nun die verbliebenen Beschwerdeführer unter Zugzwang. Die dickste Nuss wird Haub mit seinem Rivalen Caparros von Rewe zu knacken haben. Die beiden Alphatiere des deutschen Handels mögen sich nicht. Haub und Caparros werden sich aber aufeinander zubewegen müssen, wenn sie nicht am Ende die Verantwortung für den Verlust Tausender Arbeitsplätze übernehmen wollen.

Eine Chance vor allem für NRW – Kommentar von Frank Meßing zu Kaiser’s Tengelmann

Noch aber ist nichts entschieden, noch müssen die 15.600 Beschäftigten von Kaiser’s Tengelmann um ihre Stellen bangen. Sollte der sich abzeichnende Kompromiss Wirklichkeit werden, dürfte den beteiligten Handelsbossen und Verdi ein Platz in den Geschichtsbüchern der Wirtschaft sicher sein.

Über Jahrzehnte haben sich die Lebensmittelhändler einen erbitterten Kampf um Preise, Standorte und Marktmacht geliefert. Viele Unternehmen sind dabei auf der Strecke geblieben. Auch Kaiser’s Tengelmann – zuletzt ein Zwerg unter den Supermarktketten – ist die Luft ausgegangen. Wenn es den Wettbewerbern nun gelingt, eine einvernehmliche Lösung für die Mülheimer Kette zu finden, rücken endlich wieder auch die Menschen in den Fokus, deren Existenz auf dem Spiel steht.

Dieser Wirtschaftskrimi hat das Zeug zu einem Happy End mit der hoffentlich bleibenden Botschaft, dass Arbeitsplätze mindestens so viel wert sind wie kartellrechtliche Regeln. Das Ringen um Kaiser’s Tengelmann hat die einst tiefe Kluft zwischen Edeka und Verdi ein wenig geebnet. Aus dem zuletzt unwürdigen Geschacher können die Streithähne zudem die Erkenntnis mitnehmen, dass sie im konstruktiven Miteinander am Ende mehr erreichen, als Heerscharen von Juristen zu bezahlen und Entscheidungen aus der eigenen Hand in die von Gerichten zu geben.

Unter der von Tengelmann-Chef Haub angedrohten Zerschlagung würden insbesondere die rund 4000 Beschäftigten in NRW leiden. Übernimmt Edeka, haben die Mitarbeiter in der Mülheimer Zentrale und am Verwaltungs-, Logistik- und Fleischwerk-Standort Viersen zumindest eine fünfjährige Perspektive. Auch die Filialen, von denen hierzulande viele tiefrote Zahlen schreiben, bekommen als Edeka- oder Netto-Märkte eine neue Chance.

Verdi hat mit Edeka komfortable Tarifverträge ausgehandelt. Kommen sie zur Anwendung, muss der Handelsriese aber auch Wort halten. Die Kosten, die Edeka durch die Kaiser’s Tengelmann-Übernahme entstehen, dürfen nicht im übrigen Konzern wieder eingespart werden. Frank Meßing – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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