Thyssen-Krupp: Wagenknecht fordert Industriestiftung

Krupp-Nachfahren sorgen sich um den Konzern und rechnen mit der Krupp-Stiftung ab

Thyssen-Krupp: Wagenknecht fordert Industriestiftung

Angesichts der Konzernkrise von Thyssen-Krupp hat die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, eine Industriestiftung für Nordrhein-Westfalen gefordert. In einem Gespräch mit der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen sagte Wagenknecht, eine öffentliche Stiftung biete „der Politik, der Belegschaft und den Kommunen die Möglichkeit, Einfluss auf lebenswichtige Entscheidungen zu nehmen“.

Wagenknecht erklärte das Saarland zum Vorbild für NRW. In dem südwestlichen Bundesland sei die Stahlindustrie einst von einer Stiftung gerettet worden. „Wieso orientieren wir uns nicht daran?“ Gewinne würden in dem Modell nicht mehr als Rendite abfließen, sondern ein Polster bilden für Investitionen und schwierige Zeiten, erklärte die Linken-Politikerin. „Man hätte viele Industriearbeitsplätze in NRW retten können, wenn es eine solche Stiftung in der Vergangenheit gegeben hätte.“

Der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler reagierte wohlwollend auf den Vorschlag. „Die Linke legt mit der Stiftung eine erste Idee auf den Tisch“, sagte Giesler der Neuen Westfälischen. „Wir brauchen diese Diskussion über Regelungen, die vor allem dem Finanzmarkt Einhalt gebieten.“ Bislang sieht Giesler bei Thyssen-Krupp allerdings „ganz besonders die Krupp-Stiftung in der Verantwortung“.¹

Krupp-Nachfahren sorgen sich um den Konzern und rechnen mit der Krupp-Stiftung ab

Der Familienrat der Krupp-Nachfahren hat sich zutiefst besorgt um die Zukunft des Essener Dax-Konzerns geäußert und Konsequenzen in der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gefordert, die der Krise bisher tatenlos zugesehen habe. „Onkel Alfried hätte auf keinen Fall einfach abgewartet und gehofft, dass sich die Probleme von alleine erledigen“, sagte dessen Nichte Diana Friz der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Mit ihren Cousins Eckbert und Friedrich von Bohlen und Halbach fordert sie die Stiftung auf, eine Führungsrolle im Krisenmanagement der Firma zu übernehmen. Mittelfristig solle die Stiftung durch Aktienkäufe auch wieder eine Sperrminorität von 25,1 Prozent erreichen.

Die Krupp-Stiftung ist mit rund 21 Prozent nach wie vor größter Einzelaktionär von Thyssenkrupp. Der Konzernchef Heinrich Hiesinger und der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner waren im Juli zurückgetreten – beide mit dem Verweis auf mangelnde Rückendeckung durch die Stiftung. Der Familienrat macht dafür Stiftungschefin Ursula Gather und das elfköpfige Kuratorium verantwortlich. „Lauter honorige Damen und Herren, die profunde Ideen haben, wie sie das Geld ausgeben können, das die Stiftung gar nicht übrig hat“, sagt Friz. Sie wirft der Stiftung, die seit Jahrzehnten von ihrer Substanz lebe, „Missachtung des testamentarischen Auftrags und Raubbau am Firmenvermögen“ vor.

Friedrich von Bohlen und Halbach legte Gather indirekt den Rücktritt nahe: „Sie ist Rektorin der TU Dortmund, das ist ein Vollzeit-Job. Sie ist Vorsitzende des Kuratoriums, sie ist im Aufsichtsrat von Thyssenkrupp und sie hat keine unternehmerische Erfahrung. Sie müsste eigentlich selber erkennen, was das bedeutet.“ Eckbert von Bohlen und Halbach setzt auf Ministerpräsident Armin Laschet (CDU): „Herr Laschet ist der Einzige, der im Kuratorium frei agieren kann, ohne alte Wunden aufzureißen.“

Er sei optimistisch, dass „Laschet eine starke Kraft sein“ könne, die Stiftung neu aufzustellen und damit auch dem Konzern zu helfen. Der Ministerpräsident könne auch als oberster Dienstherr der Stiftungsaufsicht des Landes aktiv werden. Denn die Krupp-Stiftung lege als eine von ganz wenigen in Deutschland ihre Finanzen nicht offen. Die Stiftungsaufsicht müsse dafür sorgen, dass der Hügel endlich sage, was er wofür ausgibt. Der Familienrat hat kein Mandat in der Stiftung. Er fordert aber, informiert und gehört zu werden, wie es der Wille von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach gewesen sei.²

¹Neue Westfälische ²Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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