Thyssenkrupp-Chef flüchtet: Laschet schaltet sich ein

IG Metall sieht Laschet und Krupp-Stiftung bei Thyssenkrupp gefordert

Thyssenkrupp-Chef flüchtet: Laschet schaltet sich ein

Angesichts der Führungskrise des Essener Industriekonzerns Thyssenkrupp schaltet sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein. „Wir brauchen eine industriepolitische Konzeption für dieses Unternehmen“, sagte Laschet der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. „In der Debatte über den künftigen Kurs stehen für uns wettbewerbsfähige moderne Arbeitsplätze für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Mittelpunkt.“ Wie die WAZ aus dem Umfeld der NRW-Landesregierung erfuhr, steht der Ministerpräsident dazu im Kontakt mit dem Aufsichtsrat und der Unternehmensleitung sowie Vertretern der Arbeitnehmerseite. Für die kommenden Tage sind Gespräche mit Vertretern der IG Metall geplant.

Laschet, der auch Mitglied im Kuratorium des Thyssenkrupp-Großaktionärs Krupp-Stiftung ist, betonte: „Thyssenkrupp steht symbolisch für die Stärke und Ausdauer des Industriestandorts Nordrhein-Westfalen.“ Laschet würdigte zugleich die Verdienste des zurückgetretenen Vorstandschef Heinrich Hiesinger. „Heinrich Hiesinger hat große Verdienste um die Zukunftsfähigkeit dieses Traditionskonzerns“, sagte Laschet der WAZ. „Sein Kurs moderner Mitbestimmung hat das Unternehmen trotz schwieriger Entscheidungen zusammengehalten.“ Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Thyssenkrupp-Chef flüchtet, was sollen die Mitarbeiter davon halten?

Wie müssen sich die Mitarbeiter fühlen, wenn der Chef von jetzt auf gleich aus der Firma flüchtet? Man kann sich gut vorstellen, dass nach dem plötzlichen Sinneswandel von Heinrich Hiesinger bei den Beschäftigten von Thyssenkrupp die Unruhe groß ist. Besonders im Stahlbereich waren die letzten Monate von Ungewissheit geprägt. Erst in den letzten Tagen wurde der Zusammenschluss mit dem indischen Unternehmen Tata besiegelt. Diesen Abschied vom Stahl hat Hiesinger durchgepaukt und damit den Konzern verändert. Alle Welt glaubte daher, dass Hiesinger sein Werk fortsetzen und gestalten würde. Dass er so überraschend aufgibt, lässt nun nichts Gutes vermuten. Wenn es schlecht läuft, filetieren die Großaktionäre den Konzern auseinander und verkaufen die Einzelteile gewinnbringend in alle Welt.

Dass die Investoren aus Skandinavien und USA dabei große Rücksichten nehmen, ist nicht zu erwarten. Und auch die Krupp-Stiftung scheint eher an Marge denn am Zusammenhalt des Traditionskonzerns interessiert zu sein. Mancher fragt sich, was wohl Berthold Beitz zu dem Treiben gesagt hätte… Leider gilt der Kulturwandel auch für die Landespolitik: Ministerpräsident Laschet sitzt zwar im Aufsichtsrat der Krupp-Stiftung, hält sich aber bislang vornehm zurück. Damit hat die Kapitalseite nun freie Bahn. Am so lange erfolgreichen Modell der Mitbestimmung hat offenbar niemand mehr ein Interesse. Das ist ein Einschnitt für unsere Region. Vorstand Hiesinger geht weg; die Mitarbeiter müssen zusehen, was die Zukunft bringt. Manfred Lachniet – Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

IG Metall sieht Laschet und Krupp-Stiftung bei Thyssenkrupp gefordert

Angesichts des Rücktritts von Vorstandschef Heinrich Hiesiger sieht die IG Metall die Krupp-Stiftung und die NRW-Landesregierung gefordert, um für Stabilität im Unternehmen zu sorgen. „Die Führungskrise muss schnell beendet werden“, sagte der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. „Die Krupp-Stiftung und die Landesregierung mit Armin Laschet an der Spitze müssen Verantwortung übernehmen, damit kein Chaos im Unternehmen ausbricht.“ Laschet ist Mitglied im Kuratorium der Krupp-Stiftung, die größte Einzelaktionärin von Thyssenkrupp ist. Mit Blick auf die Nachfolge von Hiesinger sagte Giesler: „Wir brauchen schnell Klarheit, damit keine Arbeitsplätze in Gefahr geraten.“

Markus Grolms, der die Interessen der IG Metall im Thyssenkrupp-Aufsichtsrat als stellvertretender Vorsitzender vertritt, betonte gegenüber der WAZ: „Wir werden nicht zulassen, dass Thyssenkrupp ausgeschlachtet wird.“ Zugleich stellte er klar: „Wir werden keine Veränderungen ohne soziale Fairness zulassen.“ Auch Grolms sagte, es gehe nun darum, die Situation im Unternehmen zu stabilisieren. „Wir haben das Stahl-Joint-Venture beschlossen. Das Unternehmen hat eine klare Strategie. Die wird jetzt weiter verfolgt“, sagte Grolms. „Die Beschäftigten haben ein Recht darauf, dass Vorstand und Aufsichtsrat dafür sorgen, dass die Geschäfte an jedem einzelnen Tag erfolgreich geführt werden.“ Grolms forderte Aktionäre wie die Krupp-Stiftung und den Finanzinvestor Cevian auf, sich klar zu positionieren. „Jeder einzelne Eigentümer muss mit offenem Visier erklären, was er will.“ Mit Blick auf den Rückzug von Vorstandschef Hiesinger sagte Grolms: „Heinrich Hiesinger verdient Respekt und Anerkennung dafür, dass es das Unternehmen überhaupt noch gibt.“ Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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