Tusk reibt sich nach Johnson und Davis die Hände: Britische Regierung muss Details zu Brexit rasch präsentieren

Chaostage in London

Tusk reibt sich nach Johnson und Davis die Hände: Britische Regierung muss Details zu Brexit rasch präsentieren

EU-Ratspräsident Donald Tusk reibt sich nach den Amtsniederlegungen der bedeutendsten Brexit-Hardliner in der britischen Regierung die Zuversicht bekräftigt, dass der EU-Austritt Großbritanniens noch aufzuhalten ist. „Politiker kommen und gehen, aber die Probleme, die sie geschaffen haben, bleiben für die Menschen“, schrieb er am Montag auf Twitter. „Ich kann nur bedauern, dass die Brexit-Idee nicht mit Davis und Johnson gegangen ist. Aber… wer weiß?“ BZ

Die Chaostage in London und Premierministerin Mays immer schneller drehendes Personalkarussell zeigen, dass die Versprechen der Brexit-Befürworter nicht zu halten sind. Für das Chaos sind Populisten und unverantwortliche Politiker à la Boris Johnson zuständig, die permanent mit dem Feuer gespielt haben und jetzt nicht weiter wissen. May trägt mit ihrem Zickzackkurs zur Misere bei. In dieser Situation müssen die 27 anderen EU-Mitglieder auf Kurs bleiben und dürfen sich nicht auseinanderdividieren lassen. Umso schlimmer, dass Seehofer hier wieder einen Alleingang macht und damit genau jenen hilft, die sich der Realität des Brexits nicht stellen wollen. Er hilft damit all jenen Populisten die vorgeben, dass man alle Vorteile der EU behalten könne ohne aber Pflichten zu übernehmen. So funktioniert Europa nicht. Entweder ist Seehofer anti-europäisch oder er versteht Europa nicht. Bündnis 90/Die Grünen

Chaostage in London

Zu den Brexit-Vorschlägen aus London und zum Rücktritt von Minister David Davis sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang: „Britische Regierung muss Details rasch präsentieren“

„Die britische Regierung muss trotz des Ministerrücktritts ihre detaillierten Vorschläge rasch präsentieren. Es darf jetzt keine Verzögerungen im Verhandlungsprozess geben.

Downing Street rückt ein Stück weit von seiner harten Brexit-Position ab. Das war politisch ein weiter Weg und ist sicherlich den vielen eindeutigen Stimmen aus der Wirtschaft geschuldet.

Für die Wirtschaft ist wichtig, dass sich die EU und Großbritannien so schnell wie möglich auf eine Übergangsphase einigen.“ BDI Bundesverband der Dt. Industrie

Deloitte Brexit Briefing: Deutsche Unternehmen bereiten sich auf harten Ausstieg vor

Der Brexit droht immer stärker zum Problem für alle zu werden, die auf ein geordnetes Ausscheiden der Briten aus der EU hoffen. Auch nach mehreren schwierigen Verhandlungsrunden bleibt der harte Brexit ein ernstzunehmendes Szenario. Für deutsche Unternehmen hat das ernsthafte Konsequenzen, denn kaum etwas scheint so bedrohlich wie eine anhaltende Unsicherheit, die zum Spekulieren einlädt. Laut aktuellem Brexit Briefing von Deloitte, das die Folgen des Bruchs für die deutschen Unternehmen in den Fokus stellt, erwartet die Mehrheit einen konventionellen Freihandelsvertrag zwischen der EU und Großbritannien. Insgesamt befürchten die befragten Unternehmensvertreter vor allem einen Rückgang des Handels – und über die Hälfte sieht das Potenzial für eine ernsthafte Schädigung des eigenen Unternehmens, wenn es zu einem harten Brexit kommen sollte. Eine Konsequenz wäre in jedem Fall die Verringerung von Investitionen ins Vereinigte Königreich und die Konzentration auf andere Märkte.

„Im Rahmen der Studie haben wir 239 deutsche Großunternehmen mit wirtschaftlichen Beziehungen nach Großbritannien befragt. 49 Prozent der Studienteilnehmer glauben nicht an eine Einigung zwischen Großbritannien und der EU über ein geordnetes Ausscheiden bis zum Herbst. Entsprechend hat sich die große Mehrheit bereits intensiv vorbereitet und verschiedene Szenarien durchgespielt“, erklärt Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte.

Keine binnenmarktähnlichen Beziehungen am Horizont

Während also fast die Hälfte befürchtet hat, dass es zu einem harten, ungeregelten Ausscheiden kommen könnte, ist die Zahl der Optimisten mit 47 Prozent kaum geringer. Das spiegelt sich teilweise auch in der Erwartung kommender Regelungen nach einer eventuellen Übergangsphase bis Ende 2020 wider – hier liegt die Zahl jener, die einen harten Brexit mit Gültigkeit der WTO-Regeln sehen, bei einem knappen Viertel. Die Mehrheit rechnet mit einem konventionellen Freihandelsvertrag für Güter, ein gutes Fünftel hingegen mit einer Zollunion. An eine „aufgeweichte“ Fortsetzung bisheriger Beziehungen im Rahmen einer institutionellen Zusammenarbeit mit binnenmarktähnlichen Beziehungen glauben lediglich 13 Prozent.

Brexit lässt EU enger zusammenrücken

Die Mehrheit der Befragten legt großen Wert auf die Beachtung der vier Grundfreiheiten und plädiert für einen Ausschluss Großbritanniens aus der EU, wenn die 4 Grundfreiheiten nicht gewährleistet sind. Damit stellt die Mehrheit der Unternehmen die Integrität des Binnenmarktes vor kurzfristige wirtschaftliche Vorteile. Ein Drittel würde jedoch zumindest auf die Personenfreizügigkeit verzichten. Unabhängig davon favorisieren 37 Prozent nach einem – wie auch immer gestalteten – Ausstieg des Vereinigten Königreichs eine vertiefte europäische Zusammenarbeit, 28 Prozent votieren für eine stärkere Zentralisierung und Integration.

Finanz-, Chemie- und Konsumgüterbranchen besonders besorgt

Insbesondere ein harter, ungeregelter Brexit schadet deutschen Unternehmen: Über die Hälfte, 53 Prozent, sieht ein hohes oder sehr hohes Schadenpotenzial. Insbesondere die Finanzbranche, die Chemieindustrie, die Konsumgüterbranche sowie Technologie- und Automobilsektor zeigen sich überwiegend pessimistisch. Bislang mussten die Unternehmen vor allem mit Schwierigkeiten bei der langfristigen Planung, der Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen, Wechselkursschwankungen sowie einem erhöhten allgemeinen Aufwand zum Umgang mit den Brexit fertig werden.

Handel mit Großbritannien wird zurückgehen

Bei den Konsequenzen des Brexits für den Standort Deutschland überwiegen die Risiken und Nachteile. Mit 44 Prozent rechnet fast die Hälfte mit einem rückläufigen Handel auf der Insel, 41 Prozent befürchten zudem ein weiteres Auseinanderfallen der EU. Ein gutes Drittel sieht einen neuen Standortwettbewerb aufgrund britischer Steuervorteils-Versprechen. Aber es gibt auch Chancen: Der Standort als Ganzes kann von einer stärkeren Verlagerung von Unternehmen ebenso profitieren wie von einer höheren Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen sowie als Anziehungspunkt für F&E-Investments und internationale Talente. Ungeachtet des allgemeinen Pessimismus in der Finanzbranche wird auch eine Stärkung des Finanzplatzes Deutschland erwartet.

Vorbereitung – von Analyse bis Zulieferkette

Je näher der Brexit rückt, desto intensiver die Vorbereitungen. Fast drei Viertel beschäftigen sich inzwischen sehr stark mit der Thematik. Branchenspezifisch haben besonders der Technologiesektor, der Maschinenbau und die Verarbeitende Industrie ihre Vorbereitungen ausgeweitet. Wichtigstes Instrument in diesem Zuge sind punktuelle Analysen, initiiert von über der Hälfte der Unternehmen, ferner zentrale Task Forces sowie – für 14 Prozent – die Inanspruchnahme externer Expertise. 47 Prozent haben bereits Investitionsentscheidungen überprüft, 44 Prozent die Lieferkette entsprechend umgebaut. Immerhin ein Drittel hat bereits Investments im Vereinigten Königreich gestoppt.

„Der Brexit hat schon jetzt spürbare Folgen für die deutschen Unternehmen. Investitionen werden überprüft, Lieferketten umgebaut, Risiken analysiert. Alle aber haben eines gemeinsam: Kommt der harte Brexit, wird sich die Mehrheit auf andere Märkte konzentrieren“, resümiert Börsch. Deloitte

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.