US-Boykott gegen Huawei

Vernichtungsschlag gegen Huawei

US-Boykott gegen Huawei

Am härtesten trifft die Chinesen, dass sie nun auf den Großteil der Programme für das Smartphone-Betriebssystem Android verzichten müssen – das kommt von der Google-Mutter Alphabet. Allein die Ankündigung kann genügen, um den Absatz der chinesischen Handys einbrechen zu lassen. Dennoch es ist äußerst fraglich, ob die kommunistische Führung sich dadurch in die Knie zwingen lässt. Die chinesische Regierung will sich nicht demütigen lassen und ihr Gesicht verlieren. Notfalls wird sie Huawei mit staatlichen Finanzhilfen durchfüttern und mit allen Mitteln helfen, um von US-Zulieferern unabhängig zu werden.¹

Auch wenn der erste Blick zu Huawei geht, größere Aufmerksamkeit verdient der Megakonzern aus Kalifornien. Dem ist es gelungen einen Kosmos zu erschaffen, in dem ohne die unschuldig daherkommenden Helferlein – wie Maps, News, Earth – nicht mehr viel geht. Wer weder in der Apple-Welt noch in der kommunikativen Steinzeit lebt, der kommt um Google und dessen Dienste kaum herum. Milliardenstrafen der EU-Kommission haben das Monopol nicht verhindert. Es wäre dringend notwendig, dass die Politik dem Giganten stärker auf die Finger sieht. Und es ist nicht auszuschließen, dass es sich bald für Konkurrenten lohnt, ein Gegenmodell zu entwickeln. Das wäre dann sogar ein positiver Aspekt der aktuellen Streitereien.²

Die neuen Attacken von US-Präsident Trump gegen den freien Welthandel zeigen, dass er von Wirtschaft im 21. Jahrhundert nichts versteht. Da hat es der US-Konzern Google geschafft, dass mehr als 80 Prozent der weltweiten Smartphones auf seinem Betriebssystem Android laufen, doch Trump erzwingt einen Google-Boykott gegen Huawei. Ergebnis wird sein, dass der künftig wohl wichtigste Smartphonebauer nun ein eigenes Betriebssystem entwickeln wird – ein Eigentor.

Europa hat keine Alternative, als den Polterer aus Washington halbwegs geschickt auszubremsen. Trump will Huawei in Europa vom Bau der 5G-Mobilfunknetze ausschließen – das wird nach vielen Debatten so nicht kommen. Er will weniger Gasimporte der EU aus Russland – auf Bestellungen für US-Flüssiggas sollte er trotzdem noch lange warten. Er droht mit Sonderzöllen gegen die deutschen Autobauer. Da kann man nur die Hoffnung darauf setzen, dass 2020 schon wieder Wahlkampf in den USA ist. Und da wären höhere Autopreise keine gute Nachricht. Die Zeit arbeitet gegen Mr. Trump, nicht für ihn.³

Huawei-Smartphones dürften also zu Ladenhütern werden, neue Modelle zumindest außerhalb Chinas gar keine Vermarktungschance mehr haben. Auf dem Mobilfunk-Markt könnte Huawei also von einem Global Player zu einer Regional-Marke werden. Und das, obwohl die USA und Trump bisher nicht einen einzigen Beweis dafür geliefert haben, dass das chinesische Unternehmen tatsächlich Spionage-Hintertüren in seine Produkte einbaut. Besonders die Europäer befinden sich in einer misslichen Lage: Sie haben China und den USA technologisch wenig entgegenzusetzen. Huawei-Kunden werden nicht die Einzigen sein, die das noch zu spüren bekommen.⁴

¹Mitteldeutsche Zeitung ²Stuttgarter Nachrichten ³Reinhard Kowalewsky – Rheinische Post ⁴Straubinger Tagblatt

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