US-Notenbank Fed erhöht Leitzins um 0.25 Prozent

Verspätete Zinswende: Vor dem Finale furioso

US-Notenbank Fed erhöht Leitzins um 0.25 Prozent

Die amerikanische Notenbankpräsidentin Janet Yellen hat endlich den längst überfälligen Schritt aus der Nullzinspolitik gewagt und die Leitzinsen leicht angehoben. Damit verlässt sie den Kurs der vergangenen zehn Jahre. Und das ist richtig. Denn die Fed, wie die US-Notenbank kurz heißt, hat sich längst von ihrer eigentlichen Aufgabe, die Währung zu sichern, abgewandt und ist zu einer allmächtigen Krisenbewältigungsbehörde aufgestiegen. Das ist aber nicht ihr Mandat.

Sie muss auch nicht die Märkte bei Laune halten, sondern für langfristige Währungsstabilität sorgen. Yellen hat lange den notwendigen Schritt hinausgezögert, weil sie den Aufschwung nicht abwürgen wollte. Auch das ist konjunkturpolitisch, nicht währungspolitisch gedacht. Inzwischen ist aber die Arbeitslosigkeit längst auf die Marke vor der Krise gerutscht. Damit entfiel das letzte Argument gegen die Zinswende. Yellen hat sich bewegt. Jetzt muss sie auch gegen innere Widerstände in der Bank das Geld langsam teurer machen. Dann wird ihr auch Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, folgen. Rheinische Post

Verspätete Zinswende: Vor dem Finale furioso

Von einem beschaulichen Jahresausklang an den Finanzmärkten braucht erst gar nicht geträumt zu werden. Vielmehr stand kurz vor den Weihnachtsfeiertagen noch das Finale furioso an. Am Mittwoch hat die Fed ihre lange hinausgezögerte erste Leitzinserhöhung seit der Finanzkrise verkündet und auch in einer Pressekonferenz erläutert. Kaum etwas ist in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten von so großer Tragweite wie die Einleitung eines neuen Zinszyklus durch die amerikanische Notenbank. Auch wenn – etwa durch den Anstieg des Dollar oder der Renditen zweijähriger Treasuries – der seit einer halben Ewigkeit rhetorisch vorbereitete Schritt zu einem Großteil vorweggenommen worden ist, ist davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten deutliche Auswirkungen an den Märkten zu spüren sein werden.

Daran ändert auch der Umstand, dass ein eher kleiner und langsamer Zinserhöhungszyklus bevorstand, grundsätzlich nichts. Was in der neuen Woche an den Märkten geschehen würde, wenn die Fed den Leitzins entgegen allen Erwartungen und Ankündigungen nicht angehoben hätte, liegt auf der Hand. Heftige Reaktionen wären die Folge, weit heftigere als die Kursbewegungen im Anschluss an die mit Enttäuschung aufgenommenen Beschlüsse der Europäischen Zentralbank vom 6. Dezember.

An den Anleihemärkten wird es nach der Leitzinserhöhung sicherlich nicht zu Kurseinbußen kommen, die mit dem Renten-Crash von 1994 vergleichbar wären. Denn anders als heute war die Leitzinserhöhung der Fed eine Überraschung, die den gesamten Anleihemarkt inmitten einer euphorischen Phase völlig auf dem falschen Fuß erwischte. Am Mittwoch wäre wie gesagt das Ausbleiben einer Zinserhöhung eine Überraschung. Zudem befindet sich der Treasury-Markt nicht in einer Bullenphase, sondern nahm die Leitzinswende mit steigenden Renditen bereits vorweg. So hat die Rendite zu Beginn des Monats die Schwelle von 1% gestreift und damit den höchsten Stand seit dem Mai 2010 erreicht.

Ganz ruhig wird es aber kaum bleiben können. Es ist vielmehr zu befürchten, dass die Emerging Markets noch einmal unter Druck geraten werden. Auch sie haben die Folgen der US-Leitzinswende bereits zu einem großen Teil vorweggenommen, leiden aber auch unter anderen Problemen wie insbesondere der Wachstumsverlangsamung in China. In der angeschlagenen Verfassung, in der sich etwa Südafrika und das vor dem Junk-Status stehende Brasilien befinden, wird auch ein nur moderater weiterer Anstieg des Dollar und der Treasury-Renditen bzw. sich fortsetzende Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern für Belastungen sorgen. Darüber hinaus ist die Zinswende auch für die immer noch unter Druck stehenden Rohstoffmärkte alles andere als hilfreich und trägt zumindest in der Anfangsphase zu einer Fortsetzung der Baisse und weiteren mehrjährigen Tiefstständen bei. Ein festerer Dollar und höhere US-Zinsen sind fast immer für Rohstoffnotierungen abträglich.

Nicht zuletzt wird auch der Aktienmarkt wahrscheinlich zumindest vorübergehend von Unruhe erfasst werden. Lift-offs des US-Leitzinses sind in der Vergangenheit stets mit einer allerdings nur vorübergehenden Schwächephase einhergegangen. Laut der Credit Suisse hat eine erste Leitzinserhöhung der Fed in der Vergangenheit zwar nie das Ende eines Bullenmarktes eingeleitet. Im Durchschnitt hat der amerikanische Aktienmarkt danach aber um ungefähr 7% nachgegeben, um sechs bis neun Monate nach der ersten Anhebung wiederum ein um 2,2% höheres Niveau zu erreichen. Das Institut verweist allerdings darauf, dass es noch andere Warnsignale am US-Aktienmarkt gebe, wie eine nicht mehr so starke Unterbewertung relativ zu den Treasuries, anziehende Spreads am Credit-Markt, deutlich sinkende Gewinnschätzungen bei gleichzeitig anziehenden Löhnen und die Tatsache, dass die Fusions- und Übernahmeaktivität ein Niveau erreicht hat, das sich in der Vergangenheit für den Aktienmarkt als problematisch erwiesen hat.

Reagiert der US-Aktienmarkt negativ, werden sich auch europäische Dividendentitel dem nicht ganz entziehen können. Außerdem werden weitere Schwächeanfälle der Emerging Markets sowie der Rohstoffpreise wie bereits zurzeit auch an den europäischen Märkten vorübergehend für Verunsicherung sorgen. Christopher Kalbhenn www.boersen-zeitung.de Börsen-Zeitung

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