Verlorenes Jahr für den Dax

Anhaltend solide Entwicklung bei Anleiheemissionen

Verlorenes Jahr für den Dax

Erreichen Volatilitätsindizes ungewöhnliche Niveaus und drücken damit eine recht sorglose Stimmung der Marktteilnehmer aus, erweist sich dies nicht selten als Kontraindikator – das heißt, als Signal, dass eine unruhigere Marktphase bevorsteht. Zuletzt hat das wieder einmal funktioniert. Kaum hatte der Volatilitätsindex VDax New am 23. September – und damit bemerkenswerterweise in dem Monat, der historisch zu den schwächsten und unruhigsten am Aktienmarkt zählt – den niedrigsten Stand seit zwei Jahren erreicht, folgte in den Handelstagen darauf umgehend ein deutlicher Anstieg der Volatilität.

Damit hat sich auch die Erwartung vieler Marktexperten bewahrheitet, dass der Herbst am Aktienmarkt wesentlich ungemütlicher wird als der Sommer. Allerdings ist die aktuelle Unruhe durch einen Faktor herbeigeführt worden, der anders als etwa die Geldpolitik oder die anstehende US-Präsidentschaftswahl bis vor kurzem nicht als potenzieller Auslöser auf dem Radar der Beobachter war: die Sorgen um den Zustand der Deutschen Bank.

Am Freitag, nur eine Woche nach dem Zweijahrestief, erreichte der VDax New mit Werten von bis zu 23,06 Zählern den höchsten Stand seit dem 11. Juli. Im Dax spiegelte sich die Verunsicherung mit Tiefen unterhalb von 10.200 wider, womit der Index das niedrigste Niveau seit dem 4. August erreichte, ehe er bei 10.511 Punkten schloss.

Auch zum Ende des dritten Quartals bietet sich – gemessen an den zur Jahreswende bestehenden Erwartungen – ein ernüchterndes Bild. Die von den meisten Analysten und Strategen favorisierte Anlageform, die Aktie, hat seit dem Jahresbeginn ein Minus von 2,1 Prozent eingefahren, wenn man den deutschen Standardwerteindex zugrunde legt. Ganz anders mit Bundesanleihen eben die Assetklasse, die seinerzeit verschmäht wurde. Am Freitag ist der Index GREXp 10, der die Performance zehnjähriger deutscher Staatstitel erfasst, auf ein Rekordhoch von rund 648,2 Punkten geklettert. Damit haben zehnjährige Bundesanleihen in diesem Jahr bislang einen Ertrag von 8,1 Prozent eingebracht, eine Outperformance im Vergleich zu deutschen Blue Chips von 10,2 Prozentpunkten.

Nachdem immerhin mit dem September nun der statistisch schlechteste Dax-Monat verstrichen ist, folgt nun mit dem vierten Quartal eine Jahreszeit, in der sich der Aktienmarkt üblicherweise positiv entwickelt. Derzeit scheint es jedoch eher fraglich, dass sich für den Dax zum Jahresschluss ein wesentlich besseres Ergebnis einstellen wird, so dass er die Underperformance im Vergleich zu Bundesanleihen noch wettmachen kann.

Vielmehr spricht vieles dafür, dass er zumindest vorübergehend noch niedrigere Niveaus ausloten wird und die kommenden Wochen von stärkeren Marktschwankungen geprägt sein werden als der Sommer mit der Folge, dass 2016 zum verlorenen Jahr für den Dax zu werden droht. So wird die Diskussion innerhalb der US-Notenbank Fed über den Zeitpunkt der nächsten Leitzinserhöhung immer wieder für Verunsicherung sorgen.

Hinzu kommen die politischen Belastungsfaktoren, insbesondere die US-Präsidentschaftswahl, die durch einen durchaus möglichen Wahlsieg von Donald Trump für Nervosität sorgt. Bis zur Entscheidung werden nur noch etwas mehr als fünf Wochen vergehen, so dass die Umfragen genug Gelegenheiten für Unruhe bieten werden. Daneben enthält die Peripherie Zündstoff bereit. Spanien ringt immer noch darum, eine von einer Parlamentsmehrheit getragene Regierung zu erhalten, Portugal droht die Rating-Herabstufung durch DBRS in den Ramschstatus. Die Spreads des Staates sind bereits deutlich gestiegen, weil die EZB nach der Herabstufung durch DBRS keine portugiesische Staatsanleihen mehr kaufen darf. Im Dezember steht das Referendum in Italien an. Zudem kämpft dieses Land mit schweren Problemen im Bankensektor. Mit einem Minus von 23 Prozent, gemessen am FTSE-Mib-Index seit Jahresbeginn ist sein Aktienmarkt der Schwächste Europas.

In diesem Umfeld kann nur gehofft werden, dass nicht auch noch schlechte Nachrichten in Form von sehr negativ überraschenden Konjunkturdaten folgen. Dies würde wiederum die Frage aufwerfen, ob sich die Aussichten für die Unternehmensgewinne wie erhofft aufhellen werden. Ohnehin könnte auch die Quartalsberichtssaison, die in den Vereinigten Staaten am 10. Oktober beginnt für Unruhe sorgen, wenn die Unternehmen verstärkt Ausblicke auf das kommende Jahr geben und dabei versuchen, teilweise zu hochtrabende Erwartungen am Markt nach unten zu „guiden“. Christopher Kalbhenn – Börsen-Zeitung

IPO Markt im dritten Quartal sehr zurückhaltend; anhaltend solide Entwicklung bei Anleiheemissionen

Im dritten Quartal 2016 wagten sechs Unternehmen den Schritt an den Kapitalmarkt, wobei voraussichtlich nur eine der sechs Transaktionen Kapital einspielen wird und zwar die va-Q-tec AG, ein Anbieter von Produkten und Lösungen im Bereich der thermischen Isolation. Bei den anderen fünf Börsenneulingen handelt es sich um Unternehmen, die ihre Aktien am regulierten Markt zulassen, ohne neue Aktien öffentlich anzubieten. Darunter zum Beispiel auch der Spin-off der E.ON Kraftwerkssparte Uniper SE, deren Aktien den Alt-Aktionären der E.ON SE ins Depot gebucht wurden. Zudem hat die Berliner Internetschmiede Rocket Internet SE im dritten Quartal einen Wechsel vom Entry Standard in den regulären Markt (Prime Standard) vorgenommen. So niedrig war die IPO-Aktivität in Deutschland seit dem ersten Quartal 2014 nicht mehr. Damals war im ersten Quartal keine einzige Transaktion durchgeführt worden.

„Zwar hat die Volatilität an den Märkten innerhalb des vergangenen Quartals abgenommen, die Unsicherheiten durch global-politische Unwägbarkeiten sowie die Währungspolitik der FED und der EZB sind aber weiterhin spürbar“, so Christoph Gruss, Kapitalmarktexperte bei PwC und Partner im Bereich Capital Markets & Accounting Advisory Services.

„Aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsumfelds und dem daraus resultierenden Mangel an alternativen Anlageformen sowie der anhaltenden Reorganisation von Geschäftsbereichen deutet vieles auf eine zunehmende IPO-Aktivität im letzten Quartal des Jahres 2016 hin“, sagt Gruss.

Darunter wird auch die Abspaltung der „grünen“ Sparte des Energiekonzerns RWE, Innogy, sein. Innogy bietet bis zum 6. Oktober bis knapp über 100 Millionen Aktien ohne Mehrzuteilungsoption in einer Spanne von 32 bis 36 Euro an. Bei Hinzurechnung der Aufstockungsoption könnte dieser IPO mit einem Volumen von insgesamt bis zu vier Milliarden Euro einer der größten Börsengange in Deutschland seit langem werden.

„Wegen der bleibenden Unsicherheiten, etwa zur Konjunkturentwicklung nach dem Brexit-Votum oder weiterer Zentralbankinterventionen rechnen wir auch für das zweite Halbjahr mit maximal fünf Börsengängen, „, erklärt Gruss.

Aftermarket Performance

Die Aftermarket Performance der Unternehmen, die in diesem Quartal den Sprung an die Börse geschafft haben, war zum Ende des ersten Handelstags mehrheitlich sehr gut zum Quartalsende drehte sie bei der Mehrzahl der Emittenten jedoch ins Negative. Grund dafür können Gewinnmitnahmen, aber auch das allgemeine Marktumfeld am Ende des Quartals sein. Am volatilsten stellte sich die Aktie der A.H.T. Syngas Technology N.V., einem Versorgerunternehmen, dar, die am Ende des ersten Handelstags um 16 Prozent über dem Emissionspreis lag. Am Ende des Quartals lag die Aktie jedoch 37 Prozent unter dem Eröffnungspreis. Einzig die Ciech S.A., einem Chemieunternehmen, gelang eine positive Wertentwicklung zum Ende des ersten Handelstags als auch zum Ende des Quartals. Lag der Preis am Ende des ersten Tages noch bei einem Prozent über dem Ausgabepreis konnte sich der Wert der Aktie zum Ende des Quartals um vier Prozent steigern.

Kapitalerhöhungen

Die Aktivität im Bereich der Kapitalerhöhungen hat sich im aktuellen Quartal im Vergleich zum Vorquartal hinsichtlich des Volumens deutlich verbessert. Insgesamt wurden 1.116 Millionen Euro an sogenannten Secondary Offerings eingenommen. Damit konnte ein Zuwachs in Höhe von 173 Prozent zum Vorquartal erzielt werden. Das Volumen entfiel auf 19 Kapitalerhöhungen. Im Vorquartal hatten 23 Transaktionen nicht mehr als 409 Millionen Euro eingespielt. Im dritten Quartal des Vorjahres waren noch 2,8 Milliarden Euro erlöst worden. Auch hier scheint der Markt weiterhin durch die hohe Volatilität und Unsicherheit gehemmt.

Der Erlös entfiel – wie im Vorquartal – im Wesentlichen auf drei Kapitalerhöhungen: Die KION GROUP AG stellt mit 459 Millionen Euro die höchste Kapitalerhöhung der letzten zwölf Monate dar, wobei die ADO Properties S.A. erneut – nach einer Kapitalerhöhung im April diesen Jahres – im September fast 200 Millionen Euro erlöste. Die Stabilus S.A. beschaffte sich neues Eigenkapital in Höhe von 159 Millionen Euro. Die weiteren Kapitalerhöhungen wiesen Volumina von weniger als 40 Millionen Euro auf. Wie im vergangenen Quartal sind die meisten Kapitalerhöhungen von Unternehmen aus dem Bereich der Finanzdienstleistungen durchgeführt worden, wobei das höhere Volumen von Industrieunternehmen eingespielt worden ist.

Volumen bei Fremdkapitalemissionen weiterhin auf hohem Niveau

Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik bleibt Fremdkapital weiterhin ein beliebtes Vehikel der Finanzierung. Der vorläufige Höchststand von 323 Milliarden Euro des zweiten Quartals 2106 konnte zwar dieses Quartal nicht übertroffen werden, jedoch bleibt das Volumen mit 213 Milliarden Euro auf hohem Niveau. Bei den Anleihen mit einer mittelfristigen Laufzeit bleibt das Volumen mit 34 Milliarden Euro auf einem soliden Niveau, jedoch kann die Marke von 71 Milliarden Euro des Vorquartals nicht übertroffen beziehungsweise gehalten werden. Der durchschnittliche Zinskupon fiel von 3,07 auf 2,87 Prozent (im Median von 2,63 auf 2,52 Prozent).

Gruss: „Für die Unternehmen ist es weiter vorteilhaft, das günstige Zinsumfeld auszunutzen und teureres Fremdkapital abzulösen.“ Mit der Henkel AG & Co. KGaA gab es im September zum ersten Mal eine Unternehmensanleihe in Deutschland, die eine negative effektive Rendite aufweist. Dabei handelt es sich um einen Zero-Bond mit zweijähriger Laufzeit. „Nachdem die Zinswende nach den Entscheidungen der FED und EZB weiterhin ausbleibt und bei Unternehmen in Deutschland eine Tendenz zu Fremdkapitalfinanzierung zu beobachten ist, bleibt abzuwarten, ob sich hieraus ein Trend entwickelt und dies in Zukunft als Einfluss geldpolitischer Entwicklungen gesehen werden kann.“, sagt der PwC-Experte.

Der Volatilitätsindex VDAX NEW stagnierte über die Laufzeit des dritten Quartals und nahm Ende September einen Wert von unter 20 Prozentpunkten ein und erreichte damit ein Zwölf-Monats-Tief. Katharina Ruppel – PwC-Presseabteilung

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