Volkswagen Kleinanleger ohne Einfluss

Entlastung VW-Vorstand

Volkswagen Kleinanleger ohne Einfluss

Was bislang jedoch noch nicht recht erkennbar ist, ist der Weg dorthin. Fest steht, dass er Jahre dauern wird – Jahre, in denen die Abgasgrenzwerte weiter verschärft werden und in denen der Konzern noch zig Millionen Autos verkaufen dürfte, aus deren Erlösen er den Umbau finanzieren muss. Die Frage, wie der Übergang in die neue Autowelt gestaltet wird, ist daher für Volkswagen geradezu eine des Überlebens. Stuttgarter Nachrichten

Entlastung des VW-Vorstands: Land enthält sich der Stimme

Das Land Niedersachsen, zu 20 Prozent an Volkswagen beteiligt, hat sich gestern auf der Hauptversammlung bei der Entlastung des Vorstands der Stimme enthalten. Grund sind nach wie vor offene Fragen zur Manipulation von Abgaswerten an elf Millionen Dieselfahrzeugen. Niedersachsen wollte dem ehemaligen Konzernchef Prof. Dr. Martin Winterkorn und dem amtierenden Markenvorstandsvorsitzendem Dr. Herbert Diess für 2015 hier nicht das Vertrauen aussprechen.

Die Mehrheit der Aktionäre entlastete gestern aber Vorstand und Aufsichtsrat. Zudem stimmten die Anteilseigner einer Dividende von 0,11 Euro (Vorjahr: 4,80 Euro)je Stammaktie und 0,17 (4,86) Euro je Vorzugsaktie zu. Damit werden rund 67,5 Millionen Euro ausgeschüttet.

Die Versammlung berief außerdem Dr. Hessa al Jaber in den Aufsichtsrat. Sie vertritt künftig in dem Gremium die Qatar Investment Authority (QIA) und
übernimmt das Mandat von Akbar al Baker, Minister of State und Group Chief Executive of Qatar Airways, der sein Amt mit Beendigung der Hauptversammlung niedergelegt hat. Hessa al Jaber ist Ingenieurin und vertritt als erste Frau den Staat Katar als Aufsichtsrätin in einem internationalen Konzern. (ampnet/jri) Auto-Medienportal.net

Eigentlich liegt Hauptversammlungen ja ein sehr demokratischer Gedanke zugrunde: Einmal im Jahr müssen Manager ihren Anteilseignern, also auch dem Kleinaktionär, Rede und Antwort stehen. Eine Aktie reicht, um Antworten einfordern zu dürfen. Aber was dann? Die Hauptversammlung bei VW, so turbulent sie auch gewesen sein mag, hat noch einmal verdeutlicht, wie machtlos Kleinanleger in diesem Konzern sind. Ihre Bedeutung steckt schon im Namen. So war es auch gestern. Die Manager ließen sich ein paar Stunden anschreien, wussten aber, dass alle wichtigen Entscheidungen schon vorher vom Land Niedersachsen, dem Emirat Katar und den Eigentümer-Familien Porsche und Piëch getroffen worden waren. Zum Symbol dieses Kungel-Kartells ist Hans Dieter Pötsch geworden. Als Finanzvorstand war er beim Auffliegen des Abgas-Skandals Teil des Systems, nun soll er als Chefaufseher Teil der Lösung sein. Das erzürnte zwar viele Kleinanleger und widerspricht den Regeln für saubere Unternehmensführung – na und? Dass sich die Familien oder ein wenig demokratisches Land wie Katar so verhalten, muss man wohl hinnehmen. Dass sich auch die niedersächsische Politik für diese Farce einspannen lässt, ist das viel größere Problem. Rheinische Post

Rund 30 Prozent hat die VW-Aktie seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals verloren. Dass die (Klein-)Aktionäre auf der Hauptversammlung toben werden, war also nicht überraschend. Daher vermieden VW-Chef Matthias Müller und Chefkontrolleur Hans-Dieter Pötsch tunlichst alles, was die Anteilseigner zusätzlich erzürnen könnte. Ob es am Ende klug war, die Redezeit der Frustrierten auf fünf Minuten zu verkürzen, bleibt dahingestellt. Etwas Neues wussten die Chefs nicht zu verkünden. In dem Wissen, dass die das Unternehmen beherrschenden Eigentümerfamilien Porsche und Piëch hinter ihnen stehen, hatten sie offensichtlich nur einen Wunsch: das Treffen hinter sich zu bringen. Transparenz und echte Perspektiven? Fehlanzeige! Es gibt immer noch Fragen über Fragen und viel zu wenig Antworten. Und so bleibt am Ende des Tages ein äußerst fader Nachgeschmack. Und der Verdacht, dass die Leidtragenden der Affäre nur drei Gruppen sind: die Aktionäre, die Mitarbeiter und auch die Kunden. Christine Hochreiter – Mittelbayerische Zeitung

Mal ist man Baum

Manche Drehbücher sind so oft in verschiedensten Versionen abgedreht worden, dass man sie eigentlich wegen des Déjà-vu-Erlebnisses in den Schredder stecken sollte. Klar, die gestrige Hauptversammlung konnte nur zu einem Scherbengericht für Vorstand und Aufsichtsrat werden. Oder um mit dem – derzeit meist auch in der Kritik stehenden – Fußball-Nationalspieler Mario Götze zu sprechen: „Mal ist man der Hund, mal der Baum.“

Volkswagen und seine Verwaltung sind derzeit eindeutig Baum. Nicht schön, aber auszuhalten. Die versammlungstaktische Klaviatur sogenannter kritischer Aktionäre wurde auf dem Aktionärstreffen des Autobauers auf dem Messegelände in Hannover ausgereizt, bis hin zu zum Scheitern verurteilte Abwahlanträge bezüglich des Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch als Versammlungsleiter.

Alles ist natürlich legal, aber ist es in der aktuellen Situation des Unternehmens, das mitten in den Schlussverhandlungen eines milliardenschweren Vergleichs steckt, auch legitim? Verwaltung und Aktionärssprecher rieben sich über viele Stunden in hinlänglich bekannten Themen auf. Dabei kam natürlich das Thema Zukunft und Zukunftsfähigkeit des zu den größten Autokonzernen weltweit zählenden Unternehmens zu kurz. Klar, mit den Prinzipien einer guten Unternehmensführung hat man es in Wolfsburg noch nie so richtig gehabt. Aber was bedeuten die von Vorstandschef Matthias Müller präsentierten Pläne im Rahmen der Strategie Together 2025 für Unternehmen und Anteilseigner?

Müller pusht den Wechsel des Konzerns zu vollelektrischen Pkw – von der Brückentechnologie Hybrid ist gar nicht mehr die Rede -, nennt dafür Investitionen von vielen Milliarden Euro als notwendig. Und niemanden interessiert es, was das für Ertragslage und damit auch für die künftige Dividende bedeutet?

Eine Weisheit der Dakota-Indianer besagt: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ Genau so geht Müller vor. Im VW-Konzern hat der Diesel, und das vom selbst verursachten Abgasskandal noch beschleunigt, den Zenit überschritten. Das sparsame Aggregat von Stickoxid-Emissionen zu befreien, wird mit weiteren Verschärfungen in den Abgasvorschriften in absehbarer Zeit so teuer, dass die derzeit noch preislich unattraktiven Elektroautos geradezu zwangsläufig zu einer Alternative werden. Aber muss man deshalb, wie Müller offenbar überlegt, in eine teure Eigenfertigung von Lithium-Ionen-Batterien gehen? Als Aktionär sollte man sich auch dazu mal Gedanken machen. Peter Olsen – Börsen-Zeitung

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