VW Aufsichtsrat schickt Müller ins Rennen und krempelt Unternehmen um

Porsche-Chef Matthias Müller führt künftig den VW-Konzern

VW Aufsichtsrat schickt Müller ins Rennen und krempelt Unternehmen um

Matthias Müller wird – wie erwartet – den Vorsitz des Vorstands des Volkswagen AG übernehmen. Das hat der Aufsichtsrat am heutigen Freitag in Wolfsburg beschlossen. Überraschend hat der Aufsichtsrat gleichzeitig auch eine neue Führungsstruktur für Konzern und Marken sowie die Region Nordamerika beschlossen. Der geschäftsführende Vorsitzende des Aufsichtsrats, Berthold Huber, stellte dazu fest: „Die neue Struktur stärkt Marken und Regionen, gibt dem Konzernvorstand den erforderlichen Raum für Strategie und Steuerung des Unternehmens und legt einen Schwerpunkt auf die gezielte Weiterentwicklung von Zukunftsthemen.“

Der Aufsichtsrat hat eine Neuordnung der Konzernaktivitäten in Nordamerika beschlossen. Die Märkte USA, Mexiko und Kanada werden in der neu geschaffenen Region Nordamerika zusammengefasst und maßgeblich gestärkt. Die Leitung der Region übernimmt zum 1. November als Konzernverantwortlicher Prof. Dr. Winfried Vahland (58), bisher Vorstandsvorsitzender von Škoda. Er gehört in seiner neuen Funktion dem Volkswagen Markenvorstand an. Die Nachfolge von Prof. Vahland als Vorstandsvorsitzender von Škoda übernimmt Bernhard Maier (55), bislang Vorstand für Vertrieb und Marketing der Porsche AG. Michael Horn (52) bleibt Präsident und CEO der Volkswagen Group of America.

Die Führungsstruktur richtet sich auf Konzernebene konsequenter nach dem technischen Baukastensystem aus. Dies enthält je nach Fahrzeugsegment (Volumen-, Premium-, Sport- und Nutzfahrzeug) standardisierte technische Grundlagen. Für den Sportwagen- und den Mittelmotorbaukasten wird daher eine Porsche-Markengruppe mit Bentley und Bugatti eingerichtet. Die Baukastenstrategie wird beim Vorstandsvorsitzenden des Konzerns noch enger geführt; dafür wird ein eigener Bereich geschaffen.

Die Audi-Markengruppe mit Lamborghini und Ducati bleibt bestehen, ebenso die Nutzfahrzeug-Holding sowie die Bereiche Power Engineering und Financial Services. Die Volumen-Marken Volkswagen (maßgeblich verantwortlich für den Modularen Querbaukasten), Seat und Škoda werden jeweils durch einen Konzernvorstand in diesem Vorstandsgremium vertreten.

Porsche-Chef Matthias Müller führt künftig den VW-Konzern

Der Fokus der Konzernfunktionen soll stärker auf Effizienz und Zukunftsthemen ausgerichtet werden. Dazu werden organisatorische Einheiten gegründet, zum Beispiel für die Konzern-Produktstrategie, für neue Geschäftsfelder, für Kooperationen und Beteiligungen, für das Thema Connected Car und für die CO2-Steuerung. Huber: „Wir werden schneller und agiler.“ Darüber hinaus wird ein Chief Technology Officer im Auftrag des Konzernvorstands technische Entwicklungen konzernweit analysieren und gegebenenfalls mit steuern.

Zugleich werden bestehende Gremien, Strukturen und Abläufe auf Konzernebene gestrafft, besonders durch Aufwertung der Marken und der regionalen Eigenverantwortung. Die Marke Volkswagen erhält dazu eine Führungsstruktur mit vier Regionen, jeweils vor Ort gesteuert von einem CEO mit direkter Berichtslinie an den Vorstandsvorsitzenden der Marke, Herbert Diess.

Das Produktionsressort im Konzernvorstand, zurzeit kommissarisch geleitet von Thomas Ulbrich, entfällt mit sofortiger Wirkung. Das ist eine Konsequenz aus der Verlagerung von Verantwortung in die Marken und Regionen. Berthold Huber: „Auch die Produktion wird künftig verstärkt in den Marken und Regionen eigenständig umgesetzt. Also sollte sie dort auch verantwortet werden.“

Huber betont: „Wir fahren die Komplexität im Konzern zurück. Wir haben bereits in den vergangenen Wochen wichtige Schritte unternommen, etwa die Trennung von Konzern- und Markenfunktionen.“ Die Entwicklungen der vergangenen Tage hätten die Dringlichkeit des Vorhabens bestätigt, daher gelte: „Wir werden keine Zeit verlieren. Das neue Führungsmodell wird Anfang 2016 umgesetzt.“ Der Vorstand gewinne mehr Raum, um dringende Fragen zu Strategie, Entwicklung und Steuerung des Konzerns zu behandeln.

Der Aufsichtsrat hat den Vertrag mit Francisco Javier Garcia Sanz (58), Konzernvorstand für den Geschäftsbereich Beschaffung, um fünf Jahre verlängert.

Christian Klingler (47), Mitglied des Vorstands der Volkswagen Aktiengesellschaft für Vertrieb und Marketing sowie Markenvorstand Volkswagen für Vertrieb und Marketing, verlässt das Unternehmen im Zuge einer langfristig geplanten Strukturänderung und aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftsstrategie mit sofortiger Wirkung. Dies steht nicht im Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen. Der neue Vorstandsvorsitzende Matthias Müller wird das Vertriebsressort auf Konzernebene bis auf weiteres kommissarisch leiten.

Die Funktion von Klingler als Markenvorstand Volkswagen übernimmt Jürgen Stackmann (54), bislang Vorsitzender des Vorstands von Seat. Dort folgt ihm Luca de Meo (48) nach, zurzeit Mitglied des Vorstands für Marketing und Vertrieb der Audi AG. Diese personellen Veränderungen werden ab 1. Oktober umgesetzt. (ampnet/Sm) Auto-Medienportal.Net Angaben zu Fotoquellen: ampnet

Matthias Müller zum Vorstandsvorsitzenden des Volkswagen Konzerns berufen

Der geschäftsführende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Volkswagen AG, Berthold Huber, betont: „Matthias Müller ist eine Persönlichkeit von großer strategischer, unternehmerischer und sozialer Kompetenz. Er kennt den Konzern und seine Marken, wird seine neue Aufgabe unmittelbar und mit ganzer Kraft angehen. Dabei schätzen wir ausdrücklich seinen kritischen und konstruktiven Blick.“

Bernd Osterloh, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates, stellt fest: „Der Volkswagen Konzern braucht bei der Besetzung der Unternehmensspitze keine Schnellschüsse. Matthias Müller kennen und schätzen wir für seine Entschlossenheit und Durchsetzungskraft. Er ist kein Einzelkämpfer, sondern Teamplayer. Das braucht Volkswagen jetzt.“

Matthias Müller erklärt: „Meine vordringlichste Aufgabe wird es sein, Vertrauen für den Volkswagen Konzern zurückzugewinnen – durch schonungslose Aufklärung und maximale Transparenz, aber auch, indem wir die richtigen Lehren aus der aktuellen Situation ziehen. Volkswagen wird unter meiner Führung alles daran setzen, die strengsten Compliance- und Governance-Standards der gesamten Branche zu entwickeln und umzusetzen. Wenn uns dies alles gelingt, dann hat der Volkswagen Konzern mit seiner Innovationskraft, seinen starken Marken und vor allem seiner kompetenten, hochmotivierten Mannschaft die Chance, langfristig gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.“

Matthias Müller wurde am 9. Juni 1953 in Chemnitz (Sachsen) geboren. Er absolvierte nach seinem Abitur in Ingolstadt eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei der Audi AG und studierte an der Fachhochschule in München Informatik. Nach seinem Abschluss als Diplom-Informatiker setzte Müller 1978 seine berufliche Laufbahn bei der Audi AG in Ingolstadt fort, übernahm dort 1984 die Verantwortung für die Abteilung System-Analyse und wurde 1993 Leiter des Projektmanagements für den Audi A3. 1995 übernahm er die Leitung des Produktmanagements der Audi AG sowie von SEAT und Lamborghini.

Als Leiter des Produktmanagements des Volkswagen Konzerns und der Marke Volkswagen wechselte Müller 2007 nach Wolfsburg und wurde dort zum Generalbevollmächtigten des Konzerns ernannt. Seit 2010 ist er Vorstandsvorsitzender der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG sowie Vorstandsmitglied der Porsche Automobil Holding SE. In seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG wurde Müller zum 1. März 2015 in den Vorstand der Volkswagen AG berufen.

Der bestehende Vorstandsvertrag der Volkswagen AG mit Matthias Müller wird in seiner neuen Funktion als Vorstandsvorsitzender weitergeführt. Dieser Vertrag läuft bis Ende Februar 2020.
Matthias Müller folgt auf Prof. Dr. Martin Winterkorn, der am Mittwoch seinen Rücktritt angeboten hatte. Volkswagen

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.