VW-Boni: Pötschs Versäumnis

Bonuszahlungen an Manager der VW-Chefetage

VW-Boni: Pötschs Versäumnis

Nicht jeder Spitzenmanager hat dabei eingesehen, dass es nicht um gesparte Millionen geht, sondern um ein Zeichen der Solidarität im Konzern. Normale Volkswagen-Mitarbeiter und normale Aktionäre müssen sich nämlich auch in Verzicht üben, wenn der Gewinn wegen Strafzahlungen im Zuge der Diesel-Abgaskrise ausbleibt. Bei allem Respekt: Wenn die Ziele für Bonuszahlungen so niedrig gesteckt sind, dass auch im Falle der schlimmsten Krise in der Unternehmensgeschichte alle Ziele für Boni als erreicht gelten, dann stimmt mit den Verträgen etwas nicht. Florian Girwert, Thüringische Landeszeitung

Bonuszahlungen an Manager der VW-Chefetage

Gutes Krisenmanagement sieht anders aus. Jetzt verzichten die VW-Vorstände zwar auf einen „erheblichen Teil“ ihrer Boni. Bis sich die Herren in der Chefetage bewegt haben, hat es aber viel zu lange gedauert, zu viel Zureden seitens des Landes Niedersachsen und des Betriebsrats war dafür nötig. Worte wie Anstand oder wenigstens Fingerspitzengefühl musste der Vorstand offenbar erst mühsam lernen. Nur zur Erinnerung: Weil noch niemand weiß, wie teuer die Abgasaffäre VW zu stehen kommt, hat der Vorstand schon vor Wochen die große Spararie angestimmt.

Der Belegschaft wurde mitgeteilt, dass ab sofort alle Kosten auf dem Prüfstand stehen. Mehr als 1000 Leiharbeiter mussten oder müssen noch gehen. Rund 3000 Stellen in der Stammbelegschaft fallen bis Ende 2017 weg – sozialverträglich zwar, aber dennoch liegen die Nerven blank. Viele Mitarbeiter bangen um ihren einst so sicher geglaubten Job in einem der größten deutschen Vorzeigeunternehmen. Diese Boni-Debatte hat auch nichts mit dem angeblich typisch deutschen Sozialneid zu tun.

Die 120 000 Mitarbeiter, die nach Haustarif entlohnt werden, bekommen für 2015 nur eine geringe Prämie statt der gewohnten Erfolgsbeteiligung, weil die Marke VW Verlust macht. Gut, die Aufklärung der Affäre dauert, für Schuldzuweisungen ist es zu früh. Doch klar ist: Verbockt haben es nicht die, die Tag ein Tag aus am Band stehen. Warum sollten sie es dann allein ausbaden? Südwest Presse

Wer hat im VW-Konzern das Sagen? Sind es die Eigentümer? Wenn ja, welche? Ist es der Vorstandsvorsitzende? Ist es der Aufsichtsrat, das Präsidium oder der Aufsichtsratsvorsitzende? Oder ist es der Betriebsratsvorsitzende? Diese Frage ist seit dem Abgang von Ferdinand Piëch nicht mehr einfach zu beantworten. Das zeigt sich seit Tagen an der Debatte um die Vorstandsboni, in der all jene, die meinen, etwas zu sagen zu haben oder sagen zu müssen, dies vorzugsweise öffentlich tun.

VW-Präsidiumsmitglied und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat vor einer Woche im Landtag eine Kürzung der Vorstandsboni für 2015 als „deutliches Signal“ gefordert. Präsidiumsmitglied und Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh hat jetzt in einem Interview mit der Forderung nach einem Boniverzicht nachgelegt. Offensichtlich war die Mitteilung des Aufsichtsrats vor Wochenfrist, wonach Aufsichtsrat und Vorstand sich einig seien, dass angesichts der aktuellen Lage des Unternehmens ein Zeichen auch beim Thema Vorstandsvergütung gesetzt werden müsse, vorauseilendes Wunschdenken.

Spätestens in der Aufsichtsratssitzung am Freitag soll nun die Entscheidung fallen. Sie darf nur heißen: völliger Verzicht aller Vorstandsmitglieder auf Boni für 2015. Alles andere ist den betrogenen Kunden, den zu Einbußen gezwungenen Mitarbeitern, den Aktionären und der gleichermaßen getäuschten wie enttäuschten Öffentlichkeit nicht zu erklären.

Boni sind Sonderzahlungen für besondere Leistungen, egal an welche Kriterien sie im Detail geknüpft werden. Wenn sich das Wolfsburger Führungspersonal noch einen Rest von Anstand bewahrt hat, dann muss es erkennen, dass nach dem Abgasskandal unabhängig von der Frage persönlichen Verschuldens ein Zeichen von Demut nötig ist. Schließlich ist das Festgehalt der VW-Vorstände mit rund 1 Mill. Euro komfortabel bemessen und immer noch doppelt so hoch wie einst jenes von Martin Blessing, der als Commerzbank-Chef vom Großaktionär Bund in der Finanzkrise zum Bonusverzicht gezwungen wurde.

VW-Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch hat es versäumt, das sensible Bonus-Thema rechtzeitig zu entschärfen. Dazu hätte er in eigener Sache mit gutem Beispiel vorangehen und von sich aus den Verzicht auf die 10 Mill. Euro Kompensationszahlung für den Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat erklären müssen. Ein Beleg mehr, dass Pötsch nicht der richtige Mann ist, um bei VW als AR-Vorsitzender den nötigen Kulturwandel voranzutreiben. Claus Döring, Börsen-Zeitung

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