VW: Nur neun Modelle mit CO2-Abweichungen

Volkswagen kommt voran

VW: Nur neun Modelle mit CO2-Abweichungen

Volkswagen hat die Aufklärung möglicher falscher CO2-Messwerte einiger Fahrzeugmodelle nach eigenen Angaben weitgehend abgeschlossen. Nach umfassenden internen Prüfungen und Messkontrollen sei nun klar, dass fast alle Modellvarianten doch die ursprünglich festgestellten Kohlendioxid-Werte aufweisen. Der Verdacht auf rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben von aktuellen Serienfahrzeugen habe sich nicht bestätigt, teilte der Konzern heute mit.

Bei den internen Nachmessungen seien lediglich bei neun Modellvarianten der Marke VW leichte Abweichungen festgestellt worden. Sie betragen laut Volkswagen im Mittel nur wenige Gramm CO2, was einer Erhöhung des Normverbrauchs von etwa 0,1 bis 0,2 Liter auf 100 Kilometer entspricht. Diese Modellvarianten stellten mit einer Jahresproduktion von rund 36 000 Einheiten nur etwa 0,5 Prozent des Volumens der Marke dar. Es handelt sich ausschließlich um Fahrzeuge in den vernrauchsotpimerten Versionen Bluemotion und Bluemotion Technology (BMT).

Die ursprünglich genannte Anzahl von rund 800 000 betroffenen Fahrzeugen hat sich damit nicht bestätigt. Die internen Messergebnisse sollen nun bis Weihnachten unter behördlicher Aufsicht nochmals bei einem neutralen Technischen Dienst überprüft werden. Für die Fahrzeuge, bei denen Abweichungen vorhanden sind, werden die Genehmigungswerte im Rahmen üblicher Prozesse angepasst, teilte VW mit. Die Konzerntöchter Audi, Skoda und Seat haben mit den zuständigen Zulassungsbehörden ein vergleichbares Vorgehen vereinbart.

Volkswagen kommt voran

Der Volkswagen-Konzern kommt bei der Aufarbeitung der Affäre um geschönte Abgaswerte nach eigenen Angaben gut voran. Die technischen Lösungen für die Kunden in Europa seien erarbeitet, den Behörden vorgestellt und dort positiv bewertet worden, hieß es heute bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg. Die Umsetzung beginnt im Januar. In die Aufklärung sind insgesamt rund 450 interne und externe Experten involviert. Neben den technischen Fragen geht es dabei auch um die Suche nach den Verantwortlichen und mögliche strafrechtliche Konsequenzen für sie.

Nachdem sich der Verdacht von Unregelmäßigkeiten bei der CO2-Zertifizierung, wie gestern mitgeteilt, nur noch auf relativ wenige Fahrzeuge beschränkt, liegen inzwischen auch erste Erkenntnisse zu den in den USA aufgefallenen geschönten Stickoxidwerten vor. VW nennt „individuelles Fehlverhalten und persönliche Versäumnisse einzelner Mitarbeiter“, „Schwachstellen in einigen Prozessen“ und die Haltung von Mitarbeitern in einigen Teilbereichen des Unternehmens, „Regelverstöße zu tolerieren“.

Die Revision hat zu den genannten Schwachstellen konkrete Abhilfemaßnahmen vorgeschlagen. So wird unter die Entwicklung von Motorsteuergeräte-Software unter strikter Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips erfolgen. Zudem werden die Gremien zur Freigabe solcher Software neu ausgerichtet – mit geschärften und verbindlich fixierten Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Mängel gab es aber auch in den Berichts- und Kontrollsystemen. Überwiegend lag das laut Volkswagen an einer fehlenden Konkretisierung von Zuständigkeiten. VW will zudem IT-Systeme einführen, die es ermöglichen, einzelne Vorgänge effizienter und transparenter zu verfolgen.

Eine zentrale Konsequenz, die das Unternehmen bereits gezogen hat, ist eine weitreichende Änderung der Prüfungspraxis. So wurde beschlossen, dass Emissionstests künftig grundsätzlich extern und unabhängig überprüft werden. Außerdem werden stichprobenhafte Real-Life-Tests zum Emissionsverhalten auf der Straße eingeführt.

Selbstkritisch stellt sich sich VW zu der manipulierten Software, die bei der Abgasmessung erkennt, ob das Auto auf dem Prüfstand rollt oder real auf der Straße unterwegs ist. Der Konzern spricht davon, dass sich diese Affäre nicht als einmaliger Fehler darstelle, sondern als Fehlerkette, die nicht durchbrochen wurde. Ausgangspunkt war die strategische Entscheidung einer groß angelegten Dieseloffensive in den USA vor zehn Jahren. Zunächst wurde kein Weg gefunden, um die strengeren Stickoxid-Normen beim Motortyp EA189 in den USA mit zulässigen Mitteln und im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen zu erfüllen. So kam es zum Einbau der Software, die den Ausstoß von Stickoxiden regulierte, je nachdem ob sich das Fahrzeug auf der Straße oder gerade in einem Prüfzyklus befand. Als dann im weiteren Verlauf ein effektives technisches Verfahren zur NOx-Reduktion zur Verfügung stand, wurde es nicht so genutzt wie es möglich gewesen wäre. Die fragliche Software sorgte vielmehr dafür, dass das Reduktionsmittel „Adblue“ in unterschiedlich hoher Dosierung eingespritzt wurde– mit dem Effekt, dass die NOx-Werte auf dem Prüfstand besonders niedrig, auf der Straße hingegen deutlich höher waren.

Nach den jüngsten Feststellungen sind folgende Fahrzeugmodelle von Volkswagen mit Euro-6-Norm betroffen: Polo 1.0 TSI Bluemotion 70 kW / 95 PS mit 7-Gang-DSG, Scirocco 2.0 TDI BMT 135 kW / 184 PS mit 6-Gang-Schaltung, Jetta 1.2 TSI BMT 77 kW / 105 PS mit 6-Gang-Getriebe und Jetta 2.0 TDI 81 kW / 110 PS mit 5-Gang-Schaltung, Golf Cabriolet 2.0 TDI BMT 81 kW / 110 PS (5-Gang-Handschaltung) und Golf 2.0 TDI BMT 110 kW / 150 PS mit 6-Gang-Schaltgetriebe, Passat Alltrack 2.0 TSI 4Motion BMT 162 kW / 220 PS und Passat Vaiant 2.0 TDI SCR 4Motion BMT 176 kW / 240 PS (jeweils mit 7-Gang-DSG) sowie Passat Variant 1.4 TSI ACT BMT 110 kW / 150 PS (6-Gang-Handschaler).

Für die drei europäischen Varianten des betroffenen Motortyps EA189 gibt es mittlerweile technische Lösungen. Beim 2,0- und 1,2-Liter-TDI reicht ein Software-Update. Beim 1,6-Liter-TDI wird zudem vor dem Luftmassenmesser ein so genannter Strömungsgleichrichter eingesetzt, der die Messgenauigkeit erhöht und in Kombination mit einer erneuerten Software die Einspritzmenge optimiert. Der Rückruf der volumenstärksten Variante, dem Zwei-Liter-Motor, wird im Januar beginnen. Voraussichtlich im zweiten Quartal startet der Rückruf der 1,2-Liter-Variante, der 1,6-Liter-Motor folgt dann im dritten Quartal. Halter der betroffenen Fahrzeuge werden individuell darüber informiert, wann ihr Wagen das Update erhält. Konzernchef Matthias Müller versprach im Bedarfsfall für eine angemessene Ersatzmobilität zu sorgen. Aufgrund deutlich strengerer Stickoxid-Grenzwerte ist die Umrüstung der Fahrzeuge in den USA nicht ganz so einfach wie in Europa. (ampnet/jri) Auto-Medienportal.Net Angaben zu Fotoquellen: ampnet

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