VW verharmlost – Kassieren statt sanieren

Volkswagen beginnt mit Rückruf des ersten Golf-Modells

VW verharmlost – Kassieren statt sanieren

FDP-Fraktionsvize kritisiert VW-Chef Matthias Müller. Weil ist Ministerpräsident, Lies Wirtschaftsminister in Niedersachsen. „Das war ein starkes Stück von Müller“, sagte FDP-Fraktionsvize Jörg Bode der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Offenbar müsse man klar machen, wer das Sagen habe. „Müller arbeitet für das Land. Und nicht das Land für Müller“, sagte Bode. Müller hatte Unverständnis darüber geäußert, dass die Diskussion über die Managerzulagen über den Aufsichtsrat „in die Öffentlichkeit getragen wurde“. Weil und Lies (beide SPD) hatten zuvor öffentlich deutliche Zeichen bei den Boni gefordert. Neue Osnabrücker Zeitung

VW-Chef Matthias Müller würde gerne über die Zukunft reden statt immer nur über manipulierte Abgaswerte. Digitalisierung, Elektromobilität – darum soll es gehen. Doch so leicht ist es nicht. Denn die Sünden der Vergangenheit und die Zukunftsthemen hängen in Wolfsburg eng zusammen. Weil der Konzern Milliarden für Rückrufe und Strafen zahlen muss, fehlt ihm das Geld für große Investitionen. Statt sich auf die Entwicklung neuer Ideen für die digitale Autowelt zu konzentrieren, muss VW seit Monaten seine Führungskultur diskutieren. Im digitalen Wettstreit braucht es Demut, um angesichts immer neuer Angreifer hungrig zu bleiben. Demut bedeutet auch, mit eigenen Schwächen offen umzugehen. Für viele Gründer ist das ein Schlüssel zum Erfolg, weil es sie lehrt, Dinge immer besser zu machen. Auch Müller räumt Fehler ein. Doch so lange der Konzern seinen Vorständen selbst für das desaströse Jahr 2015 noch hohe Boni zahlt und den Abgasskandal als „Dieselthematik“ verharmlost, gibt es große Zweifel, dass bei Volkswagen alle den neuen Kurs verinnerlicht haben. Florian Rinke, Rheinische Post

Es ist wohlfeil, Spitzenmanagern ihre hohen Gehälter vorzuhalten. Allzu oft werden im Stammtischdunst Prinzipien der Marktwirtschaft über den Haufen geworfen und das Lied von „denen da oben“ und „wir hier unten“ gesungen. Doch wenn dieses Lied jemals eine Berechtigung hatte, dann im Fall der VW-Vorstandsabzocker. Wer gestern bei der Bilanzvorlage erwartet hatte, dass der Volkswagen-Vorstand in der umstrittenen Bonifrage noch Vernunft annimmt, wurde enttäuscht. Insgesamt genehmigt sich die Managerriege für das Jahr 2015 eine Rekordgage von 63,2 Millionen Euro, 2014 waren es noch 54 Millionen. Allein Ex-Chef Winterkorn erhält davon 7,3 Millionen Euro. Der aktuelle Vorstandsschef Matthias Müller mokierte sich gar noch über den niedersächsischen SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil, der die Diskussion über die Höhe der Boni in die Öffentlichkeit getragen habe, weil er diese Gier für nicht vermittelbar hält.

In der Tat – auch wenn die Zahlungen vertraglich vereinbart sind – kann dieses Verhalten nur noch Kopfschütteln auslösen. Erfolgsboni – wofür? Dafür, dass der Gewinn von über zehn Milliarden Plus auf 1,5 Milliarden Miese abstürzte? Dafür, dass die Aktionäre noch magere 17 Cent Dividende erhalten – statt 4,86 Euro vor Jahresfrist? Oder dafür, dass Volkswagen den Ruf einer ganzen Branche ruiniert hat? Es wird endlich Zeit, dass in deutschen Vorstandsetagen nicht nur Erfolg – zurecht – generös honoriert wird, sondern auch Misserfolg spürbare Folgen hat. Die Stammtische fordern längst mehr als das und Parteien am rechten und linken Rand nehmen das Geschrei dankbar auf. VW verspielt mehr als nur seinen guten Ruf. Ulrich Becker, Südwest Presse

Volkswagen beginnt mit Rückruf des ersten Golf-Modells

Volkswagen startet die Umrüstung betroffener Fahrzeuge mit dem Motortyp EA 189. Das erste Modell, für das Kunden kurzfristig einen Service-Termin vereinbaren können, ist der Golf TDI Blue Motion Technology (BMT) mit 2,0l-Motor. In Europa werden circa 15 000 Fahrzeuge des betroffenen Golf mit manuellem Schaltgetriebe in die Werkstätten gerufen. Im Rückrufprozess werden weitere Pkw von Volkswagen in Kürze folgen.

Die betroffenen Fahrzeugmodelle werden in mehrere Gruppen gestaffelt in die Werkstätten gerufen, um eine effiziente Durchführung der Umrüstaktionen zu gewährleisten. In einem ersten Schreiben, nach Prüfung und Bestätigung durch das KBA, wurden bereits alle betroffenen Kunden angeschrieben und über die Rückrufmaßnahme informiert. In einem weiteren Schreiben werden die Fahrzeughalter zu einem späteren Zeitpunkt gebeten, mit einem Volkswagen-Partnerbetrieb nach Wahl einen Werkstatt-Termin zu vereinbaren. Dieses Schreiben wird in Kürze allen Haltern betroffener Golf 2,0l TDI BMT zugesandt.

In enger Abstimmung mit dem Kraftfahrt-Bundesamt ist es das Ziel von Volkswagen, dass die technische Lösung keine Veränderung der Verbrauchswerte, der Leistungsdaten und Geräuschemissionen bei den betroffenen Fahrzeugen herbeiführt. Das KBA hat für den Golf 2,0l TDI BMT bestätigt, dass dieses Ziel vollumfänglich erreicht worden ist.

Darüber hinaus sind die betroffenen Fahrzeuge technisch sicher und fahrbereit. Sie können bis zu einer Umrüstung uneingeschränkt im Straßenverkehr genutzt werden. Die Umsetzung der erforderlichen technischen Maßnahmen erfolgt europaweit nach einem mit dem Kraftfahrt-Bundesamt abgestimmten Zeit- und Maßnahmenplan. (ampnet/nic) Auot-Medienportal.net

VW: Sparen, aber nicht an den Vorstandsgehàltern – economy

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