Weite Teile der Kapitalmärkte im Blindflug

Die EZB ist überfordert - Warnung vor hohen Ausfallrisiken für Anleger

Weite Teile der Kapitalmärkte im Blindflug

Seit Jahren hat die EZB wegen der Griechenland-Misere und der ökonomisch schwächelnden Südländer die Zinsen nach unten geschleust. Doch das hat überhaupt nichts geholfen. Weder hat sich Athen berappelt noch sind die Euro-Länder enger zusammen gerückt. Ja das Gegenteil ist der Fall: Athens Schuldenberg wächst wieder von Tag zu Tag und die europäische Währung spaltet mehr, als dass sie eint. Nicht zu vergessen die unangenehmen Nebenwirkungen für die deutschen Sparer. Keine Zinsen bedeutet: Sparen wird nicht mehr belohnt. – Badische Neueste Nachrichten

Börse Aktien

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Einschätzung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in der aktuellen europäischen Wirtschaftskrise überfordert. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) sagte DSGV-Präsident Georg Fahrenschon, „die EZB soll mittlerweile Polizei, Feuerwehr und Sanitäter in einem sein – das überfordert sie“. Fahrenschon betonte, die Zentralbank, die gerade ein neues Programm zum massenhaften Ankauf von Staatsanleihen gestartet hat, sei nicht der einzige Akteur, der die Wirtschaft voranbringen könne. „Auch in Deutschland mussten wir unsere Hausaufgaben machen – Stichwort: Agenda 2010. Vor diesen Aufgaben stehen auch andere EU-Länder – und müssen sich ihnen stellen“, appellierte er an die Regierungen der EU-Staaten.

Der Sparkassenpräsident warnte, die EZB könne ihre Politik des billigen Geldes nicht ewig fortsetzen: „Das billige Geld quillt inzwischen aus allen Ritzen. Weite Teile der Kapitalmärkte sind in einem Blindflug. Man kann an einem Zins nicht mehr das Risiko eines Investments ablesen. Und das wiederum birgt hohe Ausfallrisiken für Anleger.“ Nach den Worten von Fahrenschon steigt durch die Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten die Gefahr, „dass auf die schöne Bergfahrt eine steile Talfahrt folgt“. Deshalb sei es so wichtig, dass die Sparkassen als Korrektiv völlig abgekoppelt von den internationalen Finanzmärkten ihr eigenes stabiles Geschäftsmodell hätten. „Wir sammeln Einlagen aus einer Region, bündeln sie und stellen sie für Investitionen in derselben Region zur Verfügung. Das ist der beste Schutz gegen die enormen Ausschläge, die auf den Finanzmärkten immer häufiger auftreten“, betonte der Sparkassen-Präsident. – Neue Osnabrücker Zeitung

Sahra Wagenknecht: Niedrigzinspolitik ist Vermögenssteuer für Mittelschicht

„Die Hamburger Sparkasse hat Recht, wenn sie sich Gedanken über die von der Bundesregierung zu verantwortende kalte Enteignung der Sparguthaben und Lebensversicherungen macht. Eine Sparprämie, wie von der Sparkasse ins Spiel gebracht, wäre jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Entscheidend sind eine 180-Grad-Wende bei Merkels Eurokrisenpolitik und eine dadurch möglich werdende Normalisierung bei der Geldpolitik.

Eine grundsätzlich andere Eurokrisenpolitik ist möglich. Nötig ist ein europaweites und öffentliches Investitionsprogramm von mindestens 500 Milliarden Euro im Jahr. Statt über den Kauf von Kreditderivaten und anderen Spekulationspapieren immer größere Blasen auf den Finanzmärkten zu erzeugen, wäre das billige Geld der EZB als Anschubfinanzierung für ein solches Programm weit sinnvoller eingesetzt. Mittelfristig ist es maßgeblich durch Millionärssteuern, in Deutschland durch die Wiedereinführung einer fünfprozentigen Steuer auf Vermögen oberhalb von einer Million Euro, zu finanzieren.“ – DIE LINKE

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.