Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank

Verdi-Chef Bsirske kritisiert Fusionspläne von Deutscher Bank und Commerzbank scharf: "Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer"

Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank

Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine „intensive und möglicherweise hochkontroverse Diskussion in beiden Banken“, wie er der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ sagte. „Dass wir da gefordert sind, ist sonnenklar.“

Bsirske, der auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank angehört, äußerte sich erstmals zu den Plänen und lehnt diese strikt ab: „Mir leuchtet die Sinnfälligkeit dieser Fusion im Moment überhaupt nicht ein“, sagte er. „Deutsche Bank und Commerzbank ergänzen sich nicht sinnvoll“, sagte er. „Viel sinnvoller wäre ein Crossover in internationaler Richtung.“ Verdi zufolge würde es vor allem im Bereich des Privat- und Firmenkundengeschäftes zu erheblichen Überschneidungen von Stärken statt zu gegenseitigen Ergänzungen kommen.

Zudem würde aus Sicht von Bsirske mit dieser Fusion ein drastischer Abbau von Arbeitsplätzen einhergehen. „Da würden 20.000 Arbeitsplätze und mehr im Feuer stehen“, betonte der Gewerkschaftsvorsitzende. „Dies ist aus Arbeitnehmersicht sehr problematisch.“ Die langfristige Sicherheit der Arbeitsplätze sei für Verdi ein entscheidendes, zentrales Kriterium.¹

Natürlich braucht Deutschland eine starke, global tätige Bank. Eine Bank, die deutsche Konzerne auf ihrem Internationalisierungskurs begleiten kann. Eine Bank, die sich mit Großbanken in den USA und China messen kann. Eine Bank, die profitabel ist – und die nicht Gefahr läuft, in Krisenzeiten mit Steuermilliarden gerettet werden zu müssen.

Doch ob die nun auszulotende Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank diesen Ansprüchen genügt, ist zweifelhaft. Wie heißt es so schön: Wenn sich zwei Kranke zusammentun, entsteht nicht automatisch ein Gesunder! Das wissen die Experten auf beiden Seiten der Banken – und auch auf Seiten der Politik. Warum Finanzminister Olaf Scholz (SPD) dennoch Commerzbank und Deutsche Bank seit Monaten zu Fusionsgesprächen drängt, bleibt unklar. Weiß er mehr, als er sagt? Geht es der teilverstaatlichten Commerzbank etwa so schlecht, dass die Fusion mit der Deutschen Bank eine Art Rettungsaktion wäre? Sicher ist: Gelingt das Vorhaben, würde er sich profilieren, sich sogar als Kanzlerkandidat der SPD empfehlen. Natürlich kann sich Scholz die Fusion schönreden. Was die Zahl der Kunden und der Filialen betrifft, entstünde tatsächlich ein neuer Gigant.

Hinsichtlich der Profitabilität aber wäre wohl nichts gewonnen. 2018 verdienten Commerzbank und Deutsche Bank zusammen nur die Hälfte dessen, was auf die Sparkassen in Deutschland entfiel.

Beide Institute kommen auch zehn Jahre nach der Finanzkrise auf keinen grünen Zweig. Die Gründe sind vielschichtig. Die Deutsche Bank hat außer teuren Rechtsstreitigkeiten die Übernahme der Postbank immer noch nicht bewältigt, die Commerzbank hat sich bei der Übernahme der Dresdner Bank verhoben. Ihre Geschäftsmodelle basieren unter anderem auf Zinserträgen – die aber sind angesichts einer Null-Zins-Politik in der EU noch lange nicht zu erwarten. Auch deswegen befindet sich die Bankenbranche in einer Konsolidierungsphase. Für Mitarbeiter ein Albtraum: Bei einem Zusammenschluss würden Tausende Jobs wegfallen. Ob eine Fusion daher Sinn ergibt, ist fraglich.²

¹Stuttgarter Zeitung ²Westfalen-Blatt

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