Zypries: Trotz Unwägbarkeiten – Deutsche Wirtschaft wächst solide

Bundesregierung legt Frühjahrsprojektion vor

Zypries: Trotz Unwägbarkeiten – Deutsche Wirtschaft wächst solide

Die deutsche Wirtschaft hält Kurs und dürfte auch im zweiten Quartal des laufenden Jahres überdurchschnittlich wachsen. Laut aktuellem Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) wird das Bruttoinlandsprodukt nach 0,6 Prozent im Auftaktquartal um weitere 0,4 Prozent im zweiten Vierteljahr steigen. Der Indexstand des Barometers liegt mit 104 Punkten für das zweite Quartal weiter klar über der 100-Punkte-Marke, die für einen durchschnittlichen Zuwachs der deutschen Wirtschaft steht.

„Trotz zahlreicher Risiken entwickelt sich die deutsche Wirtschaft robust, und dazu trägt zunehmend die Industrie bei“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Die Unternehmen haben im vergangenen halben Jahr ihre Auftragsbücher gut gefüllt, die Industrieproduktion wurde seit Jahresbeginn deutlich ausgeweitet und die Unternehmensstimmung ist außerordentlich gut.“ Dies liegt wohl auch an der robusten Exportentwicklung: Die Weltwirtschaft entwickelt sich wieder dynamischer, wovon nicht zuletzt die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ profitieren dürfte.

Zudem stützen die konsumnahen Dienstleistungsbereiche weiterhin das Wachstum: Der private Konsum bleibt aufwärtsgerichtet, denn der Beschäftigungsaufbau setzt sich fort und die Lohnzuwächse bleiben spürbar. Simon Junker, DIW-Experte für die Konjunktur in Deutschland, gibt jedoch zu bedenken: „In realer Rechnung werden die Arbeitseinkommen von der anziehenden Teuerung gebremst. Der private Verbrauch bleibt zwar eine Triebfeder der deutschen Wirtschaft, wird aber an Schwung verlieren.“

Wenig ändern dürfte sich indes mit Blick auf die nach wie vor schwachen Unternehmensinvestitionen: Zwar sind die Produktionskapazitäten mittlerweile gut ausgelastet. Allerdings dämpfen die wirtschaftspolitischen Risiken aufgrund der bevorstehenden Wahlen in wichtigen europäischen Ländern, der Brexit-Verhandlungen und der noch immer unklaren Ausrichtung der US-amerikanischen Wirtschaftspolitik die Ausgabebereitschaft der Unternehmen. Dabei fällt diese – auch aufgrund der nicht hinreichend wachstumsorientierten Politik in Deutschland – verglichen mit früheren Expansionsphasen ohnehin schon schwach aus. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

Die Bundesregierung erwartet in ihrer Frühjahrsprojektion für das laufende Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von (preisbereinigt) 1,5 %, für das Jahr 2018 um 1,6 %. Die Wirtschaftsleistung steigt im Jahr 2017 voraussichtlich geringfügig stärker als noch bei der Jahresprojektion im Januar erwartet. Kalenderbereinigt wächst das BIP in diesem Jahr in ähnlicher Größenordnung wie im vergangenen Jahr.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries: „Die deutsche Wirtschaft wächst solide und bleibt auf Wachstumskurs. Dies trotz eines globalen Umfelds, das sich durch Unwägbarkeiten auszeichnet. Die gute Lage am Arbeitsmarkt und der kräftige Beschäftigungsaufbau sorgen für eine solide Binnenwirtschaft: Im Jahr 2018 werden voraussichtlich 44,4 Mio. Menschen erwerbstätig sein. Das sind über 2 Millionen mehr als 2013, zu Beginn dieser Legislaturperiode. Gleichzeitig geht die Arbeitslosigkeit weiter zurück, auf 2,6 Millionen Personen im Jahr 2018. Hinzu kommen gute Lohnsteigerungen – auch der Mindestlohn ist gestiegen. Das sind gute Nachrichten. Die gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung kommt bei vielen Menschen an. Doch es gibt weiterhin auch ungleiche Entwicklungen und strukturelle Arbeitsmarktprobleme, die wir angehen müssen. Wir brauchen inklusives Wachstum, also Wachstum, das Allen zu Gute kommt, damit es noch gerechter zugeht in Deutschland.“

Nachstehend einige Eckpunkte der Frühjahrsprojektion 2017:

  • In Anlehnung an die Prognosen internationaler Organisationen ist unterstellt, dass das Wachstum der Weltwirtschaft und des Welthandels geringfügig anziehen wird. Für die Exporte von Waren und Dienstleistungen wird daher ein Zuwachs in Höhe von real 3,3 % im Jahr 2017 und in Höhe von 3,8 % im Jahr 2018 erwartet.
  • Die Importe von Waren und Dienstleistungen werden aufgrund der starken Inlandsnachfrage in den Jahren 2017 und 2018 etwas kräftiger zunehmen als die Exporte. Der Außenhandel liefert daher im Projektionszeitraum rein rechnerisch per Saldo leicht negative Wachstumsbeiträge.
  • Der Saldo der deutschen Leistungsbilanz dürfte nicht zuletzt wegen der relativ kräftigen Binnennachfrage und der höheren Rohölpreise von 8,3 % in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2016 auf 7,3 % im Jahr 2018 zurückgehen.
  • Mit langsam anziehenden Exporten dürften die exportorientierten deutschen Unternehmen allmählich auch wieder vermehrt investieren. Die Investitionen in Ausrüstungen werden voraussichtlich um 1,1 % in diesem Jahr und leicht beschleunigt um 3,3 % im kommenden Jahr ausgeweitet.
  • Kräftige Impulse kommen von den Bauinvestitionen. Sie dürften im Jahr 2017 um 2,9 % und im Jahr 2018 um 2,7 % zunehmen. Niedrige Zinsen, die hohe Nachfrage nach Wohnungen und die zunehmenden öffentlichen Investitionen sind die Hauptwachstumstreiber.
  • Beschäftigungs- und Lohnzuwächse sowie Rentenerhöhungen ermöglichen trotz anziehender Preise höhere Ausgaben der privaten Haushalte für Konsum, aber auch für Wohnbauten. Die privaten Haushalte werden in den Jahren 2017 und 2018 real jeweils 1,4 % mehr konsumieren als im Vorjahr. Die gesamtwirtschaftliche Lohnquote erhöht sich leicht.
  • Die Erwerbstätigkeit dürfte im Jahr 2017 um mindestens 530 Tsd. und im Jahr 2018 um 310 Tsd. Personen auf das Rekordniveau von 44,4 Mio. Personen im Jahr 2018 ansteigen. Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt 2017 um 140 Tsd. Personen zurückgehen und im kommenden Jahr in etwa unverändert bleiben.
  • Das Verbraucherpreisniveau wird im Jahr 2017 vor allem aufgrund steigender Preise für Energie und Nahrungsmittel vorübergehend beschleunigt um 1,8 % und im Jahr 2018 um 1,6 % zunehmen – nach 0,5 % im Jahr 2016.

Die Frühjahrsprojektion der Bundesregierung wurde heute im interministeriellen Arbeitskreis „Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzungen“ unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums abschließend beraten. Das Statistische Bundesamt und die Deutsche Bundesbank waren beteiligt.

Die gesamtwirtschaftlichen Eckwerte der Frühjahrsprojektion bilden die Grundlage für die Steuerschätzung vom 9. bis 11. Mai 2017 in Bad Muskau. Als gemeinsamer Orientierungsrahmen dienen sie der Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI)

DasParlament

Kommentar verfassen