Ärztekammer-Präsidenten in NRW dringen auf neue Zulassungsregeln für Medizinstudenten

Auswahlkriterium mangelhaft

Es braucht kein Einser-Abitur, um sich auszurechnen, dass beste Schulnoten allein noch keinen guten Arzt ausmachen. Wer diese Arbeit ein Berufsleben lang hervorragend machen will, der muss mehr draufhaben als Exponentialfunktionen, Molekularbiologie und Gedichtanalysen.

Ärztekammer-Präsidenten in NRW dringen auf neue Zulassungsregeln für Medizinstudenten

Führende Vertreter der Ärzteschaft in NRW plädieren für eine Abschaffung des Numerus clausus (NC) als zentrales Auswahlkriterium für die Zulassung zum Medizinstudium. Die Abiturnote dürfe nicht länger maßgeblich entscheidend dafür sein, welche Bewerber einen der knapp 11.000 begehrten und teuren Studienplätze in Deutschland erhalte, sagte Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

„Der Numerus clausus ist verfehlt, weil eine 1,0 im Abitur nichts über die Qualität eines künftigen Arztes aussagt“, so Windhorst. Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, ergänzte: „Das Auswahlverfahren muss so reformiert werden, dass Motivation, berufliche Erfahrung, persönliche Eignung und soziales Engagement berücksichtigt werden.“ Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe dringt auf neue Zulassungsregeln für Medizinstudenten: „Wir haben uns mit den Bundesländern darauf verständigt, dass Hochschulen bei der Bewerberauswahl künftig nicht nur auf gute Noten, sondern auch auf die sozialen Fähigkeiten der Studierenden achten sollen“, sagte der CDU-Politiker der WAZ. Gröhe erwartet zudem von den Ländern, dass sie weitere Reformvorhaben aus dem gemeinsamen „Masterplan Medizinstudium 2020“ umsetzen: So soll bei der Studienplatzvergabe stärker berücksichtigt werden, wenn ein Bewerber etwa im Rettungsdienst tätig ist, sich sozial oder in der Alten- und Krankenpflege einsetzt.

„Unsere Gesellschaft des längeren Lebens braucht gut ausgebildete junge Ärztinnen und Ärzte mit Teamgeist, Begeisterung für den Beruf und der Fähigkeit, mit Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe zu sprechen“, so Gröhe. Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 4. Oktober über die Frage, ob die geltenden Regeln für die Vergabe von Studienplätzen im Fach Medizin mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Die bundesweit zentrale Verteilung der Studienplätze nach dem Numerus clausus der Bewerber steht seit langem in der Kritik. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bezweifelt, dass die Vergabepraxis verfassungskonform ist. Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Numerus Clausus für Mediziner

Es braucht kein Einser-Abitur, um sich auszurechnen, dass beste Schulnoten allein noch keinen guten Arzt ausmachen. Wer diese Arbeit ein Berufsleben lang hervorragend machen will, der muss mehr draufhaben als Exponentialfunktionen, Molekularbiologie und Gedichtanalysen. Ein guter Arzt darf nicht nur das Wissen und die Wissenschaft mögen, sondern er muss vor allem die Menschen lieben. Seine Patienten, seine Mitarbeiter und Kollegen im Team. Das sind eigentlich Binsenweisheiten. Dennoch war in den vergangenen Jahrzehnten bei der Vergabe der Studienplätze vor allem der Notendurchschnitt ausschlaggebend. Mit der Folge, dass am Ende mancher der Einserkandidaten niemals in einer Praxis, schon gar nicht auf dem Land, ankam. Und dass andere, die diesen Job trotzt schlechterer Zensuren mit Bravour und Begeisterung zum Wohle der Patienten getan hätten, keinen Studienplatz bekamen.

Der Numerus clausus als einziges Kriterium ist eine der Ursachen für den Ärztemangel. Insofern bleibt zu hoffen, dass Verfassungsrichter nun dem NC für Medizin ein Mangelhaft attestieren. Es braucht noch andere Auswahlmerkmale. Ein Allheilmittel gegen den Ärztemangel wird aber auch das nicht sein. Wenn immer mehr Ärzte Beruf und Familie vereinbaren wollen, statt 72-Stunden-Dienste zu schieben, müssen mehr Mediziner ausgebildet, also mehr Studienplätze geschaffen werden. Und wenn diejenigen, die höchstmotiviert für Menschen da sein möchten, im Alltag ihre Arbeitszeit mit immer mehr Bürokratie verbringen, ist die Gefahr groß, dass gerade sie am Ende frustriert aus dem Beruf aussteigen. Um sich das auszurechnen, braucht man ebenfalls kein Einser-Abitur. Nina Grunsky – Westfalenpost

 

Studie: 80 Prozent der Menschen in Deutschland wollen digitales Gesundheitssystem

Die Mehrheit der Bevölkerung hat keine Bedenken, ihren Haus- und Fachärzten persönliche Daten zur Gesundheitsgeschichte digital zur Verfügung zu stellen. 77 Prozent versprechen sich durch die Einführung einer elektronischen Patientenakte bessere Diagnosen und Behandlungen. Einen weiteren Vorteil der bevorstehenden Digitalisierung im Gesundheitssystem sehen viele Versicherte in der besseren medizinischen Versorgung ländlicher Gebiete, etwa durch mögliche Online-Sprechstunden. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Zukunft der Gesundheitsversorgung“, die im Auftrag der Krankenkasse pronova BKK im Mai und Juni 2017 durchgeführt wurde.

Die Menschen in Deutschland gelten im weltweiten Vergleich als besonders sensibel, wenn es um die Nutzung ihrer Daten geht. Für eine bessere Gesundheitsversorgung sind 77 Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger aber gern bereit, Haus- und Fachärzten umfangreiche Informationen zu ihrer persönlichen Gesundheitsgeschichte digital freizugeben. Dazu gehören beispielsweise Informationen zu vergangenen Diagnosen und Behandlungsverläufen, eingenommenen Medikamenten und Allergien. Datenschutzbedenken haben dabei die wenigsten: 79 Prozent vertrauen ihren Ärzten bei der Einhaltung von Datenschutzvorschriften. Bis die Bundesbürger diesen Vorteil nutzen können, müssen sie jedoch noch warten. Die elektronische Patientenakte, in der persönliche Gesundheitsdaten zentral gespeichert werden sollen, wird erst zu 2019 eingeführt. „Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens ist längst überfällig“, sagt Lutz Kaiser, Vorstand der pronova BKK. „Andere europäische Länder, zum Beispiel Österreich, sind hier schon viel weiter.“

Versicherte wollen digitalen Doc

Etwas mehr als die Hälfte der in der pronova BKK Studie Befragten spricht sich dafür aus, einen Arztbesuch durch eine Online-Videokonferenz zu ersetzen, wenn keine körperliche Untersuchung notwendig ist. Für eine so genannte Zweitmeinung als Entscheidungshilfe für oder gegen eine erste Behandlungsempfehlung würden sogar 71 Prozent eine Online-Videosprechstunde in Anspruch nehmen. Bislang sind Video-Konsultationen nur dann erlaubt und als Kassenleistung abrechenbar, wenn der oder die Behandelte bereits Patient ist und regelmäßig die Praxis des Arztes besucht. Andernfalls würde der Arzt gegen das Fernbehandlungsgesetz verstoßen.

Digitale Ergänzungsangebote wie Online-Videosprechstunden würden nach Meinung von 80 Prozent der Befragten zu einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung auf dem Land führen. Dort herrscht zunehmender Ärztemangel, weil Mediziner in ihren Leistungen heute strenger reglementiert werden als früher und sich eine Praxis am ehesten in Ballungsräumen rentiert.

Verschreibungspflichtige Medikamente online bestellen

Zu einer guten Gesundheitsversorgung gehört außerdem eine zuverlässige und schnelle Medikamentenversorgung. Rezeptfreie Medikamente können bereits über Online-Apotheken bestellt werden. Drei Viertel der Bundesbürgerinnen und -bürger sprechen sich dafür aus, dies auch für verschreibungspflichtige Arzneimittel zu erlauben, sofern ein Rezept per E-Mail eingereicht wird. Bisher ist dies nur über den deutlich längerfristigen Postweg möglich. Ulrich Rosendahl – pronova BKK

Über 40 Millionen Bundesbürger suchten 2016 laut dem ePatient Survey medizinischen Rat über das Internet. Doch viele medizinische Online-Angebote können Patienten aufgrund starrer Berufsordnungen und widersprüchlicher Gesetzgebung in Deutschland nicht in Anspruch nehmen. Vor diesem Hintergrund hat DrEd.com, der mit über 1 Million Online-Sprechstunden führende Anbieter telemedizinischer Leistungen in Europa, im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 das Positionspapier „Digitalisierung im Gesundheitssektor“ veröffentlicht.

Die zentralen Forderungen der Telemediziner:

– Die Potenziale der Digitalisierung in Deutschland müssen schneller erkannt und genutzt werden. Die Digitalisierung im Gesundheitssektor kann Ärzte und Patienten auf dem Weg zur effizienteren, schnelleren sowie sichereren Gesundheitsvorsorge und -versorgung sinnvoll unterstützen. Ziel ist es, den Zugang der Menschen zur ärztlichen Versorgung zu verbessern, Barrieren abzubauen und somit mehr Patientennähe herzustellen.

– Ärzte und Patienten sollen verantwortungsvoll und eigenständig über den Einsatz von telemedizinischen Behandlungen entscheiden dürfen.

– Gerade im ländlichen Raum und in unterversorgten Regionen ist die Telemedizin ein sinnvoller Ansatz, um bestehenden und drohenden Ärztemangel auszugleichen und Versorgungslücken zu schließen.

– Weitere Punkte zum Thema Digital Health beziehen sich auf den Katalog telemedizinischer Leistungen, das E-Rezept, Datensicherheit und Datenschutz sowie die Fernbehandlung von Chronikern und die Förderung der telemedizinischen Innovationskultur in Deutschland.

„Es ist wichtig, sich den Wünschen und Lebensgewohnheiten der Patienten zu öffnen. Deswegen sind Pilotprojekte für mehr Telemedizin, wie aktuell in Baden-Württemberg, ein erster wichtiger Schritt, dem weitere folgen müssen. Sonst droht Deutschland als Telemedizinstandort abgehängt zu werden“, sagt David Meinertz, Gründer und Geschäftsführer von DrEd.com. DrEd

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