Ärztliche Behandlungsfehler – Spezialisierung könnte ein Weg sein

Mangelhafter Schutz vor Scharlatanen / Forderung nach bundeseinheitlicher Überwachung

Ärztliche Behandlungsfehler – Spezialisierung könnte ein Weg sein

Jeder Behandlungsfehler durch Ärzte ist einer zu viel. Falsche Hüftprothesen, unnötige Knieoperationen oder zu spät erkannte Darmverletzungen – für Patienten kann das schlimme Folgen haben, bis hin zum Tod. Offiziell liegt die Fehlerzahl nur im Promillebereich, die Dunkelziffer aber ist viel höher. Behandlungsfehler lassen sich nur schwer nachweisen, viele Betroffene melden sich deshalb nicht. Bei ihnen liegt im Streitfall die Beweislast. Wichtigster Grund für Behandlungsfehler: die mangelnde Zeit in Praxen und Kliniken.

Ärzte stehen überall unter zunehmendem Zeitdruck – aus Personalmangel, wegen zu rigiden Kostenmanagements oder übersteigerten Gewinninteresses. Gewinnmaximierung kann fatale Folgen haben. Für die richtige Behandlung ist sie keine gute Voraussetzung. Patienten und Ärzte brauchen vielmehr Ruhe und Zeit dafür. Umso dringlicher ist, die Zahl der Ärzte dort zu steigern, wo Patienten die vollsten Wartezimmer vorfinden – in den ländlichen Räumen, aber auch in den dichter besiedelten, aber strukturschwächeren Regionen. Patienten dürfen nicht zu Waren werden. Birgit Marschall – Rheinische Post

Arztfehler minimieren

Deutsche Gesundheitsbehörden versagen beim Schutz von Patienten vor gefährlicher Pseudo-Medizin.

Eine gemeinsame Recherche des ARD-Politikmagazins Kontraste und des Magazins stern deckt jetzt auf, wie die Überwachung und Strafverfolgung bei einem gesundheitsschädlichen „Wundermittel“ seit Jahren vernachlässigt wird. Es handelt sich um „Miracle Mineral Supplement“ (MMS) – dahinter verbirgt sich Chlordioxid, ein ätzendes Bleich- und Desinfektionsmittel. Obwohl die Risiken einer Einnahme dieser Chemikalie längst bekannt sind und sogar behördliche Warnungen vorliegen, können es MMS-Verfechter ungeniert weiter bewerben. Patienten wird es als Allheilmittel gegen Krankheiten wie Malaria, Schlaganfall und Krebs präsentiert. Besonders Kinder sind einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt. Eltern wird eingeredet, Chlordioxid könne den Autismus ihrer Kinder heilen. Dazu sollen sie regelmäßig Darmeinläufe mit der ätzenden Substanz bei den Kleinen durchführen. Nach Einschätzung von Experten stellt dies eine Kindeswohlgefährdung dar. Die investigative Recherche konnte belegen, dass sich sogar ein approbierter Arzt am Verkauf des Chlordioxid-Wundermittels beteiligt.

Das Versagen der Aufsichtsbehörden zeigte sich Anfang März bei einem MMS-Kongress in Berlin-Mitte. Referenten verbreiteten Heilversprechen offen auf der Bühne. Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch Chlordioxid-Proben verteilt. Die zuständige Arzneimittel-Aufsichtsbehörde des Landes Berlin schickte zwar Kontrolleure dorthin, griff aber nicht durch. Auch in anderen Bundesländern ist die Verfolgung der MMS-Geschäftemacher bisher kaum erfolgreich. Zahlreiche Staatsanwaltschaften stellten ihre Ermittlungsverfahren gegen Geldauflagen ein.

Während das Bundesgesundheitsministerium keinen Handlungsbedarf sieht, fordern Mediziner und mehrere Politiker nachdrücklich Gesetzesänderungen. Die auf zahlreiche Behörden aller Verwaltungsebenen verteilte Überwachung derart gefährlicher Mittel müsse endlich auf Bundesebene zentralisiert werden, verlangt etwa der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann, selbst Medizin-Professor. „Eine Zersplitterung auf Länderebene führt zu einer Schwächung der Expertise und so zur Schwächung der Schlagkraft“, mahnt Ullmann. Rundfunk Berlin-Brandenburg | Gruner+Jahr, STERN

Selbst wenn es eine stattliche Dunkelziffer gibt, sind die Fallzahlen vergleichsweise niedrig. Trotzdem muss es Ziel sein und bleiben, diese Werte auf null zu senken, schließlich geht es um Leben und Tod. Ein Weg könnte über noch mehr Spezialisierung führen. Nicht jedes Krankenhaus muss alle Leistungen anbieten. Ganz auf bestimmte planbare Eingriffe ausgerichtete Zentren entwickeln mehr Expertise und Routine, dadurch sinken die Fehlerquoten. Das bedeutet nicht, dass kleinere regionale Krankenhäuser nicht mehr gebraucht werden. Im Gegenteil, für die medizinische Grundversorgung sind sie unentbehrlich. Doch hohe Fallzahlen scheinen bei hochkomplexen Operationen in der Regel zu niedrigeren Fehlerquoten zu führen. Straubinger Tagblatt

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