Cannabis auf Rezept: Bundesapothekerkammer begrüßt neues Cannabisgesetz

Cannabis als Medizin: Grundsätzlich sinnvolle gesetzliche Regelungen

Die Bundesapothekerkammer begrüßt, dass in Zukunft Patienten mit medizinisch notwendigem Cannabis versorgt werden können. „In ärztlicher Hand ist Cannabis eine weitere Therapieoption. Wir freuen uns, dass unsere langjährige Forderung aufgegriffen wurde und medizinisch notwendiges Cannabis wie andere Arzneimittel behandelt wird“, sagt Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer.

Cannabis auf Rezept: Bundesapothekerkammer begrüßt neues Cannabisgesetz

„In Zukunft können Patienten Rezepturarzneimittel aus Cannabis in kontrollierter pharmazeutischer Qualität aus der Apotheke bekommen. Die Krankenkassen können diese Medikamente nach vorheriger Genehmigung auch erstatten.“

Das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ wurde heute in der 2./3. Lesung vom Bundestag verabschiedet. Es tritt nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Zur Zeit wird gesellschaftspolitisch diskutiert, ob Cannabis zu Genusszwecken in Deutschland legalisiert werden soll. Das aktuell verabschiedete Gesetz bezieht sich nur auf medizinisch verordnetes Cannabis. Kiefer: „Jeder weiß: Medikamente haben Risiken und Nebenwirkungen. Es wäre fahrlässig und falsch, aus dem medizinischen Einsatz zu folgern, dass Cannabis als Genussmittel harmlos wäre.“ Aus Sicht der Apothekerschaft sollte die Legalisierung zu Genusszwecken sorgfältig geprüft werden, da der Konsum von Cannabis mit Risiken verbunden ist. Risiken sind u.a. das erhöhte Unfallrisiko, eine Assoziation mit psychischen Erkrankungen, wie Angststörungen und Depression, und die mögliche Entwicklung einer Sucht. ABDA Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Cannabis als Medizin: Grundsätzlich sinnvolle gesetzliche Regelungen

„Vor allem die in letzter Minute erreichten Änderungen im Gesetzentwurf stimmen uns optimistisch, dass nun ein lange währendes Versorgungsproblem für Patientinnen und Patienten vor allem in derSchmerz- und Palliativversorgung und mit schwerwiegenden Erkrankungen weitgehend vernünftig gesetzlich geregelt ist“, erklärte Prof. Dr. Dr.Joachim Nadstawek, Vorsitzender des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD). Der BVSD begrüßt im Grundsatz das heute im Bundestag verabschiedete Gesetz zu Änderungen betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften und damit der prinzipiellen Möglichkeit zur Verschreibung und vor allem Erstattung von Cannabisblüten und Cannabisextrakten zu medizinischen Zwecken.

„Wir haben uns im Gesetzgebungsprozess für einige aus unserer Sicht sinnvolle Änderungen eingesetzt. Insbesondere konnte erreicht werden, dass die Gesamtlast des Genehmigungsverfahrens nicht auf die Vertragsärzte abgeladen wurde, sondern den Krankenkassen nun bei den Regelungen zur Kostenübernahme enge Grenzen gesetzt sind“, erläuterte Nadstawek. Nach den bisherigen Plänen sollte der verordnete Arzt den Versorgungsbedarf ausführlich begründen. Nach dem heute verabschiedeten Gesetz liegt die Beweislast bei den Krankenkassen, Gründe anzugeben, warum Medizinalhanf ihrer Ansicht nach keine angemessene Therapie für den jeweiligen Patienten ist.

Nadstawek weiter: „Für Versicherte, die Leistungen im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung erhalten, hat der Verordnungsgeber die Genehmigungsfrist der Krankenkassen jetzt auf drei Tage festgelegt. Diese verkürzte zeitliche Frist halten wir ebenfalls für eine richtige und angemessene Maßnahme“. Für die erstmalige Leistung bei einem Versicherten mit anderen Erkrankungen ist die Genehmigung durch die Krankenkasse bei einer Frist von drei bzw. fünf Wochen vorgesehen.

Im Bereich der Therapie chronischer Schmerzen, in der Tumorschmerztherapie und der Palliativmedizin bestätigen wissenschaftliche Studien eine Wirksamkeit von medizinischem Cannabis. „So existieren eine Reihe klinischer Studien, die die Effektivität von Cannabinoiden bei chronischen Schmerzen untersucht haben. Daneben bewirkt medizinisches Cannabis auch eine Steigerung des Appetits und des allgemeinen Wohlbefindens gerade bei Palliativpatienten. Übelkeit kann mit medizinischem Cannabis bei Tumorschmerzpatienten effektiv behandelt werden“, sagte Nadstawek. Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V.

Bundestag beschließt Gesetzesnovelle – Allein der Arzt entscheidet über Notwendigkeit

Der Bundestag wird voraussichtlich am heutigen Donnerstag ein Gesetz beschließen, das Ärzten die Verordnung von Cannabis-Produkten für schwerkranke Menschen erlaubt. Dazu erklären die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Michalk, und die zuständige Berichterstatterin Karin Maag:

„Eine Vielzahl von Patienten leidet unter schwerwiegenden Erkrankungen, für die es bislang keine wirksame Schmerztherapie gibt. Wir wollen, dass die Schmerzen dieser Menschen gelindert werden können. Deshalb ermöglichen wir die Verordnung von Cannabis auf Krankenkassenkosten und machen dazu klare Vorgaben zur Verordnungs- und Erstattungsfähigkeit der Cannabisprodukte. Ärzte können diese Produkte künftig im begründeten Einzelfall und unabhängig vom Vorhandensein anderer Therapiemöglichkeiten verordnen. Voraussetzung ist, dass ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient besteht.

In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass Krankenkassen die Kostenübernahme nur in begründeten Ausnahmefällen ablehnen dürfen. Im besonders sensiblen Bereich der Palliativ- und Hospizversorgung müssen die Kassen sogar innerhalb von drei Tagen über eine Genehmigung entscheiden.

Für das Management richtet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die sogenannte Cannabis-Agentur ein. Die Agentur schreibt den geschätzten Bedarf an Medizinalhanf aus. Sie schließt die Verträge mit den Produzenten ab, die den Hanf nur unter streng kontrollierten Rahmenbedingungen anbauen dürfen, damit eine gleichbleibende Qualität garantiert wird. Die komplette Ernte wird schließlich von der Agentur aufgekauft. Der gesamte Prozess einschließlich der Abgabe des Wirkstoffs an Patienten wird wissenschaftlich begleitet.“ CDU/CSU – Bundestagsfraktion

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