Corona-Krise Wie gut reagiert die Politik auf den Ausnahmezustand?

Amtsarzt von Berlin-Reinickendorf Larscheid: Alle sozialen Kontakte in der Stadt müssen unterbunden werden

Corona-Krise Wie gut reagiert die Politik auf den Ausnahmezustand?

Mit dem Auftritt am Mittwoch hat Merkel die anfänglichen Fehler wieder ausgebügelt: Mit ihrem Appell an die Solidarität in der Gesellschaft hat sie den richtigen Ton gefunden.

Die Epidemie wird man nicht allein durch Verbote in den Griff bekommen. Jeder ist gefordert, sein Verhalten so umzustellen, dass er niemanden gefährdet. Es geht besonders um den Schutz älterer und kranker Menschen.
Die andere Botschaft ist nicht minder wichtig: Der Staat wird alles tun, um den Unternehmen zu helfen und Entlassungen zu verhindern – egal, was es kostet. Jetzt muss die Regierung aber auch liefern.¹

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen steigt täglich. Während im Bund Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für sein besonnenes Handeln überwiegend gelobt wird, gibt es im Land Kritik an Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Es fehlten klare Vorgaben und Strategien, so die Landräte, beispielsweise im Umgang mit Großveranstaltungen: Während in Stuttgart ein Fußballspiel mit 50.000 Fans stattfindet, sagen Bayern und Nordrhein-Westfalen selbst kleine Veranstaltungen ab. Ist das unterschiedliche Vorgehen von Politik und Behörden angemessen oder verunsichert es die Bevölkerung? Wie gut funktioniert die Corona-Krisenkommunikation?²

Der Amtsarzt von Berlin-Reinickendorf, Patrick Larscheid, hat vom Senat entschiedenere Schritte gegen die Corona-Ausbreitung gefordert. Larscheid sagte am Donnerstag im Inforadio vom rbb, das öffentliche Leben in der Stadt müsse zum Schutz der Bevölkerung weitestgehend eingestellt werden.

„Wir wissen mittlerweile sehr genau, dass wir in der jetzigen Phase der Pandemie praktisch alle sozialen Kontakte unterbinden müssen, wenn wir noch eine Chance haben wollen, die Zahl der Infizierten möglichst niedrig zu halten.“ Die Entscheidung, Veranstaltungen mit über 1.000 Besuchern abzusagen, sei zu wenig. Das sei gar nicht relevant, so Larscheid. „Wir haben es gesehen, in den Clubs zum Beispiel, wo wir jetzt mehrere Ausbruchsgeschehen in Berlin haben. Da ist es so, dass wenige Leute zusammengekommen sind, aber intensiven Kontakt hatten, und das ist viel gefährlicher für die Leute, als wenn sie in großen Massen irgendwo zusammensitzen.“

Es gehe jetzt darum, Clubs und Bars zu schließen und alle Veranstaltungen mit Publikum abzusagen. Alles müsse geschlossen werden, wo Menschen zusammen kommen. „Sonst werden wir es nicht mehr kontrollieren können“, so Larscheid.³

¹Mitteldeutsche Zeitung ²SWR – Südwestrundfunk ³Rundfunk Berlin-Brandenburg

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