COVID-19 und chronische Krankheiten: Erleiden chronisch Kranke aufgrund der aktuellen Pandemie einen Kollateralschaden?

Gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen sicherstellen

COVID-19 und chronische Krankheiten: Erleiden chronisch Kranke aufgrund der aktuellen Pandemie einen Kollateralschaden?

Carenity, ein Start-up im Bereich der digitalen Gesundheit, das sich auf medizinische Studien spezialisiert, nutzte seine Plattform, um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf fast 400.000 chronische Patienten zu untersuchen. Zudem wurden der Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Auswirkungen auf die Lebensqualität beurteilt. Für die Datenanalyse arbeitete Carenity mit Alira Health zusammen.

Patienten mit chronischen Erkrankungen stellen im Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie eine besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe dar. Gemäß den weltweiten Schätzungen leidet jeder Vierte an zumindest einer chronischen Krankheit. Bei den Befragten handelt es sich um chronische Patienten im Durchschnittsalter von 52 Jahren. 87 % der Befragten befinden sich in Behandlung und leben in einem der folgenden Länder: USA, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Spanien oder Italien.

Michael Chekroun, Gründer von Carenity, kommentierte die Studie wie folgt: „Vor dem Hintergrund dieser noch nie dagewesenen Gesundheitskrise ist es wichtig, dass chronische Patienten weiterhin den bestmöglichen Zugang zur Krankenversorgung erhalten. Dies ist jedoch für viele der Betroffenen nicht mehr der Fall, was eine therapeutische Krise bedeuten könnte. Verzögerungen in der Betreuung könnten schwerwiegende Folgen haben.“

Es wurden innerhalb der Carenity-Plattform zwischen dem 17. März 2020 und dem 5. April 2020 4.717 Antworten eingeholt und analysiert. Daraus sind folgende Zahlen hervorgegangen:

- 24 % der chronischen Patienten haben Schwierigkeiten, einen Arzttermin zu erhalten
- 9 % haben ihre laufende Behandlung eingestellt bzw. unterbrochen
- 10 % haben Schwierigkeiten, ihre verschreibungspflichtigen Medikamente in Apotheken  zu erhalten
- 42 % haben eine medizinische Konsultation oder Operation abgesagt oder verschoben

Dr. Giacomo Basadonna, Chief Medical Officer bei Alira Health, sagte dazu: „Ein wichtiger Faktor, der hervorgehoben werden muss, ist, dass Arztbesuche in der Praxis bzw. vor Ort aufgrund der Pandemie oft nicht wahrgenommen werden. Derzeit haben fast alle Zahnärzte Patiententermine storniert, jedoch stehen generell viele Ärzte ihren Patienten per Internetvideo oder telefonisch zur Verfügung. Ärzte sind verfügbar, ohne dass Patienten Wartezimmern und damit dem Virus ausgesetzt sind. Es ist wahrscheinlich, dass viele Patienten ihre regelmäßigen Arztbesuche aus Sicherheitsgründen verschieben.“

Seit Beginn der Ausgangsbeschränkung berichten 40 % der Patienten, dass sie ihren Arzt weniger als üblich konsultieren. Darüber hinaus haben 3,5 % der Patienten ihre Behandlung ganz eingestellt und 5,5 % haben vorübergehend die Einnahme ihrer Medikamente unterbrochen. 10 % der Patienten sagen, dass sie Schwierigkeiten haben, ihr Rezept in einer Apotheke zu erhalten.

Diese Zahlen zeigen, dass für Patienten, die regelmäßige Behandlungen benötigen, das Risiko einer therapeutischen Unterbrechung besteht.

Sophie Crozier, Leiterin der Notfallversorgung für Patienten mit Schlaganfall am Pitié-Salpêtrière-Krankenhaus in Paris, sagte dazu: „Wir haben eine Arbeitsgruppe in Kooperation mit anderen Krankenhäusern eingerichtet, um zu analysieren, warum wir derzeit mehr als 50 % weniger Schlaganfallopfer sehen. Und in der Kardiologie beobachten wir dasselbe: halb so viele Herzinfarkte. Das ist außergewöhnlich und sehr beunruhigend. Haben Patienten Angst, sich helfen zu lassen? Einige kommen zu spät zu uns und manche sterben zu Hause.“

Die Ergebnisse dieser Umfrage kommen zu einer Zeit, in der Allgemeinmediziner weltweit ihre Stimme erheben, um vor den Risiken zu warnen, die für Patienten mit chronischen Krankheiten bestehen. Dies ist insbesondere in Ländern der Fall, in denen die Bürger aufgefordert werden, Arzt- oder Krankenhaustermine auf dringende Behandlungen zu beschränken.¹

¹Alira Health; Carenity

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