Das Coronavirus reist mit

Quarantäne und Reisefreiheit

Das Coronavirus reist mit

Natürlich kann den Behörden im allerersten Schritt ein Dichtmachen der Grenzen helfen. Auf Dauer aber kann immer nur das tatsächliche Infektionsgeschehen der Maßstab sein. Gegen Reisende vorzugehen, die nicht aus Risikogebieten kommen, ist politisch falsch und rechtswidrig. In Europa grenzenlos reisen zu dürfen, ist keine Extravaganz, die ein Staat nach Belieben kippen kann. Die Reisefreiheit ist gutes Recht jedes EU-Bürgers.¹

Urlaub schon geplant? Das Corona-Virus stellt unsere diesjährigen Reisepläne auf den Kopf. Obwohl schon Ende Juni in vielen Bundesländern die Sommerferien beginnen, steht weiterhin nicht fest, welche Sommerurlaube möglich sein werden und welche Corona-bedingt ausfallen müssen. Unklar ist auch, wie die Tourismusindustrie, an der allein in Deutschland über drei Millionen Arbeitsplätze hängen, mit den Umsatzeinbrüchen zurechtkommen wird. Zwar ergreifen derzeit einige europäische Länder Maßnahmen, um bald wieder Touristen empfangen zu können und wecken so die Hoffnungen vieler deutscher Urlauber. Mediziner warnen jedoch vor dem Risiko einer erneuten Ansteckungswelle und auch Bundesaußenminister Maas ist sich sicher: „Einen normalen Urlaub wird es nicht geben.“

Wie sieht Urlaub in Corona-Zeiten aus? Werden Reisen außerhalb Deutschlands möglich sein? Welches Risiko ist mit Ferien im Ausland verbunden? Sind deutsche Urlaubsregionen auf den Ansturm vorbereitet? Was bedeutet die Ausnahmesituation für die Reisebranche?²

In der Debatte um Grenzöffnungen geht es um viel mehr als um den kleinen Grenzverkehr und die Frage, wie Lieferanten, Handwerker, Angestellte und Liebespaare diesseits und jenseits der Grenzen ihren Alltag bewerkstelligen. Es geht auch um die Frage, ob und wohin die Deutschen in diesem Jahr in den Urlaub fahren können – also um das ganz große Geschäft. Und schließlich steht einmal mehr die europäische Identität auf dem Spiel, zu der offene Grenzen dazu gehören wie das Bier zu Deutschland, das Baguette zu Frankreich und die Pasta zu Italien.

Die Grenzen können nicht ewig geschlossen bleiben. Doch in der Debatte um die Lockerungen gilt es zu bedenken, dass das Coronavirus mitreist. Die enorm hohe Mobilität der Europäer, die in Nicht-Pandemie-Zeiten Ausdruck unserer Freiheit, unserer offenen Gesellschaft und unseres Wohlstands ist, hatte einen hohen Anteil daran, dass sich das Virus in Europa so schnell ausbreiten konnte. Die europäische Freiheit und die ökonomische Stärke des Kontinents wird man dauerhaft nur sichern können, wenn an erster Stelle die Gesundheit der Europäer steht.

In der Frage der Binnengrenze gilt für die EU das gleiche wie für Deutschland: Es ist in Ordnung, wenn unterschiedlich stark betroffene Länder unterschiedlich schnell lockern. Die Rahmenbedingungen aber sollten einheitlich und für die Bürger nachvollziehbar sein.

Das Gerichtsurteil aus Niedersachsen, das einem Kläger gegen die Quarantäne-Regelung Recht gab, zeigt, wie wichtig die Einheitlichkeit ist. Der Kläger wäre wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, nach Schweden zu reisen, wenn auch dort eine Quarantäne-Regelung gelten würde. Zumindest im Schengen-Raum müssen sich die Länder verständigen, ob sie ihre Bürger mit oder ohne Quarantäne einreisen lassen. Ansonsten droht im Sommer völliges Chaos.³

¹Mitteldeutsche Zeitung ²phoenix-Kommunikation ³Eva Quadbeck – Rheinische Post

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