Die meisten Patienten würden sich auch vom Roboter operieren lassen

Gesundheitsbewusstsein seit 2008 im Bundesschnitt kaum verändert, aber regional sehr unterschiedlich

Umfrage von Porsche Consulting zeigt positive Reaktionen auf Automatisierung im Krankenhaus. Seit 2008 hat sich das Gesundheitsbewusstsein der Deutschen in der bundesweiten Betrachtung kaum verändert. Aber es gibt große regionale Unterschiede und Veränderungen.

Die meisten Patienten würden sich auch vom Roboter operieren lassen

Drei von vier Bürgern in Deutschland haben nichts dagegen, wenn bei einer Operation im Krankenhaus „Kollege Roboter“ statt eines Chirurgen das Skalpell führen würde. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Managementberatung Porsche Consulting. Unter den Befragten knüpfen 41 Prozent ihr „Ja“ an die Bedingung, dass der Robotereinsatz weniger risikoreich wäre als die Behandlung durch einen Arzt. 23 Prozent der Bürger in Deutschland lehnen Medizinroboter ab.

Ähnlich aufgeschlossen zeigen sich die Menschen in Deutschland, wenn es um die Betreuung im Alter geht: Aus dem Bett heben, Medikamente geben, Speisen und Getränke reichen – typische Tätigkeiten von Pflegekräften könnten schon bald auch von computergesteuerten Robotern erledigt werden. 56 Prozent der Befragten würden sich von einer Maschine pflegen lassen. Porsche Consulting untersuchte im Rahmen der Studie auch die Gründe für eine solche Entscheidung: Der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal führt bei 37 Prozent zur Bereitschaft, einen Pflegeroboter zu akzeptieren. Und 36 Prozent würden den Roboter akzeptieren, wenn sie dadurch zu Hause wohnen bleiben und einen Umzug in ein Heim verhindern könnten. Als weitere Gründe, die für einen Roboter sprechen, wurde die ununterbrochene Betreuung „rund um die Uhr“ (29%) sowie mögliche Kostenvorteile gegenüber einem Pflegedienst (21%) genannt. 44 Prozent lehnen dagegen Pflegeroboter generell ab.

Eine digitalisierte medizinische Betreuung erfordert Zugang zu allen erforderlichen Daten. Das scheint aus Patientensicht kaum ein Problem zu sein: 71 Prozent der Bürger in Deutschland würde der Speicherung der gesamten Krankenakte, zum Beispiel auf der Versichertenkarte, sofort zustimmen. Diese große Gruppe hätte auch keine Einwände gegen die Weitergabe der Daten an andere Ärzte und an die eigene Krankenversicherung. Zwei von drei Befürwortern würden ihre Einwilligung an die verständliche Bedingung knüpfen, dass ihre Daten vertraulich behandelt werden.

„In einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren wird die Digitalisierung soweit fortgeschritten sein, dass Roboter im Gesundheitswesen und in der Pflege weitreichende Aufgaben übernehmen könnten“, sagt Dr. Roman Hipp, Partner bei Porsche Consulting und verantwortlich für den Bereich Health Care. Für Hipp tragen „fortschrittliche Entwicklungen in der Medizintechnik seit langem zur Verbesserung der Heilung und Pflege von Menschen bei“. Die Akzeptanz sei auf der Patientenseite bereits erstaunlich gut ausgeprägt, so Hipp. Jetzt gehe es darum, dass Krankenhäuser und das Pflegewesen die organisatorischen Voraussetzungen für mehr Digitalisierung schaffen würden. Hipp: „Wenn Ärzte und Mitarbeiter in der Pflege bei Standardtätigkeiten entlastet werden, könnten Mangel und Notstände im Gesundheitswesen abgebaut werden.“

Die Porsche Consulting GmbH, Bietigheim-Bissingen, ist eine Tochtergesellschaft des Sportwagenherstellers Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart. Sie wurde 1994 gegründet, begann damals als vierköpfiges Team und beschäftigt heute mehr als 400 Mitarbeiter. Das international agierende Unternehmen hat vier Auslandbüros in Mailand, São Paulo, Atlanta und Shanghai. Porsche Consulting zählt zu den führenden Beratungsgesellschaften in Deutschland. Unter dem Leitmotiv „Strategisch denken, pragmatisch handeln“ betreuen die Berater weltweit Konzerne und mittelständische Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie dem Maschinen- und Anlagenbau. Weitere Klienten kommen aus dem Finanzdienstleistungssektor, der Konsumgüterindustrie und dem Handel sowie aus der Baubranche.

Basis: Porsche Consulting beauftragte Forsa mit der deutschlandweiten, repräsentativen Umfrage bei 1000 Bürgern (Zeitraum: 24. bis 27. April 2017; systematisches Zufallsverfahren). Heiner von der Laden – Porsche Consulting GmbH

Gesundheitsbewusstsein seit 2008 im Bundesschnitt kaum verändert, aber regional sehr unterschiedlich

„Seit 2008 hat sich das Gesundheitsbewusstsein der Deutschen in der bundesweiten Betrachtung kaum verändert. Aber es gibt große regionale Unterschiede und Veränderungen: In Hamburg und Schleswig-Holstein trinken doppelt so viele Menschen täglich Alkohol wie in Thüringen. In Nordrhein-Westfalen wird am häufigsten und in Hessen am wenigsten geraucht. Die Brandenburger bewegen sich weniger, die Norddeutschen sind am sportlichsten“, sagte heute Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Damit fasst er die Ergebnisse einer repräsentative Meinungsumfrage im Auftrag der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände anlässlich des ‚Tags der Apotheke‘ am 7. Juni 2017 zusammen. Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft hat dafür telefonisch 3415 Bundesbürger ab 16 Jahren befragt. Die Ergebnisse wurden mit einer weitgehend identischen Umfrage aus dem Jahr 2008 verglichen.

Die wichtigsten Aspekte der Prävention sind für die Bundesbürger weitgehend unverändert geblieben: 87 Prozent aller Befragten gaben an, sich regelmäßig zu bewegen (Mehrfachnennungen möglich), 84 Prozent setzen auf gesunde Ernährung. Fast ebenso viele nennen ‚wenig Alkohol‘ (81%), Stressreduktion (74%) und Nichtrauchen (65%). Abgeschlagen ist der Besuch von Präventionskursen (17 Prozent).

Deutlich zeigen sich aber regionale Unterschiede und Veränderungen:

– Rauchen: Nach wie vor raucht jeder vierte Bundesbürger (28%). Am meisten gequalmt wird in Nordrhein-Westfalen (33 Prozent). In Hessen waren die Anti-Raucher-Kampagnen am erfolgreichsten: Hier reduzierte sich der Anteil der Raucher von 31 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 22 Prozent. Gegenläufig ist hingegen der Trend in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Hier rauchen heute mehr Menschen als früher (2008: 22 Prozent, 2017: 33%)
– Alkohol: Bundesweit gaben 10 Prozent der Befragten an, täglich oder fast täglich Alkohol zu trinken. In Schleswig-Holstein und Hamburg schauen 18 Prozent so tief ins Glas. In Thüringen sind es hingegen nur 8 Prozent.
– Bewegung: Ein Viertel der Bundesbürger (26 Prozent) gibt an, täglich oder fast täglich mindestens eine halbe Stunde Sport zu treiben. Am meisten Bewegung haben die Hamburger und Schleswig-Holsteiner (31 Prozent). In Brandenburg sind es dagegen nur 19 Prozent.
Schmidt: „Insgesamt haben wir ein großes Gesundheitsbewusstsein in Deutschland. Aber wir verzeichnen keine dynamischen Verbesserungen. Ich glaube, wir könnten das ändern, wenn wir das Potenzial der Apotheken in der Vorsorge stärker nutzen würden. Sie sind flächendeckend vor Ort und haben jedes Jahr über eine Milliarde niedrigschwellige Patientenkontakte. Damit lässt sich gute Aufklärungsarbeit leisten.“ Die Umfrageergebnisse unterstreichen das. Jeder vierte Bundesbürger wünscht sich danach mehr Präventionsangebote von Apothekern. Besonders gefragt sind dabei Angebote zu Ernährung, Bewegung und zum richtigen Umgang mit Medikamenten. Drei von vier Befragten (74%), die sich mehr Vorsorgeangebote von Apotheken wünschen, sind auch bereit, dafür zu bezahlen. So gut wie alle (94 Prozent) wünschen sich aber eine Finanzierung der Vorsorgeangebote durch die Krankenkassen.

Schmidt: „Wir können mehr tun, wenn die Rahmenbedingungen für Präventionsleistungen der Apotheken besser werden. Erstens brauchen wir eine saubere Rechtsgrundlage für Dienstleistungsverträge zwischen Apotheken und Krankenkassen im SGB V. Zweitens gehören Apotheken als Leistungserbringer in den ‚Leitfaden Prävention‘ der Krankenkassen. Und drittens muss die Vergütung von Präventionsleistungen geregelt werden. Die übergeordnete Raison muss natürlich bleiben, die Apotheken in der Fläche zu halten. Das wird nur gelingen, wenn die Politik die Folgen des EuGH-Urteils vom letzten Herbst konsequent bearbeitet und destruktiven Wettbewerbsformen Einhalt gebietet.“

Schmidt schätzt das Vorsorgepotenzial der Apotheken auch deshalb hoch ein, weil die Umfrage hohe Vertrauens- und Zustimmungswerte in der Bevölkerung zeige: „Die Zufriedenheit mit dem Apothekensystem ist deutlich gestiegen. Im Jahr 2008 bewerteten 59 Prozent der Bundesbürger das Apothekensystem mit ‚gut‘ oder ’sehr gut‘. Mittlerweile liegt dieser Wert bei 73 Prozent.“ Besonders ausgeprägt sei der Imagegewinn bei Menschen bis 29 Jahren. Hier steigerte sich die Zustimmung von 55 Prozent auf 79 Prozent. (ABDA) Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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