Euer Körper gehört dem Staat – Spahn macht alle automatisch zu Organspendern

Patientenschützer Brysch warnt bei Organspende vor Widerspruchslösung

Euer Körper gehört dem Staat – Spahn macht alle automatisch zu Organspendern

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hat in der Debatte um mehr Spenderorgane in Deutschland vor einer Widerspruchslösung gewarnt, wonach jeder Bürger potenzieller Organspender wäre, es sei denn, er widerspricht. „Die Widerspruchsregelung setzt darauf, dass der Bürger sich mit der Organspende nicht beschäftigt und schweigt“, sagte Brysch der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Denn über Sterben und Tod nachzudenken, mache Angst.

Die bewusste Entscheidung für die Organspende würde durch eine Widerspruchslösung faktisch abgeschafft. „Aber Schweigen ist nicht Zustimmung. Auch sind Spenden immer etwas Freiwilliges.“ Brysch forderte vielmehr eine stärkere Rolle des Staates bei der Organisation der Organspende. „Will der Staat wirklich etwas für die Schwerstkranken auf der Warteliste tun, hat er selbst Verantwortung zu übernehmen. Das fehlt bisher. Deshalb muss der Bundestag sowohl für die Verteilungsgerechtigkeit als auch für die staatliche Organisation und Kontrolle sorgen.“¹

Organspenden finden statt, wenn das Hirn nicht mehr arbeitet, aber das Herz noch schlägt. Doch 40 Prozent von gut 1.000 Befragten waren der Meinung, unter diesen Umständen dürften keine Organe entnommen werden. Und 32 Prozent wussten nicht, dass der Hirntod in Deutschland zwingendes Kriterium für die Toten-Spende ist – sie waren der Ansicht, Organe könnten entnommen werden, wenn das Hirn noch arbeitet, während das Herz stillsteht. Interessanterweise wissen hier die Besitzer eines Organspendeausweises nicht besser Bescheid als die Befragten ohne Ausweis.

61 Prozent der von „Quarks“ Befragten haben angegeben, keinen Organspendeausweis zu besitzen. „Quarks“ wollte wissen: Warum? Fast die Hälfte der Menschen ab 65 Jahren (46 Prozent), die keinen Ausweis haben, gab bei der Umfrage Altersgründe an. Dabei existiert für Organspende keine Altersgrenze – ein Organspendeausweis ist also in jedem Alter sinnvoll.

Beatrice Lugger, Direktorin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation, kommentiert: „Die Ergebnisse zeigen, dass selbst die Gruppe, die sich mit der Thematik befasst haben sollte, ehe sie den Organspendeausweis ausgefüllt hat, nicht nachhaltig genug aufgeklärt ist.“

21 Prozent der Befragten, die keinen Ausweis haben, haben sich zudem mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt. Für Beatrice Lugger ein Beleg dafür, „angesichts der derzeitig geringen Informiertheit der Bevölkerung“ die in der Diskussion stehende Widerspruchslösung durchaus kritisch zu betrachten.²

¹Rheinische Post ²WDR Pressedesk

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