Folgenreiche Fehler von Ärzten

Patientenrechte stärken – Behandlungsfehlerstatistik zeigt nur Spitze des Eisbergs

Folgenreiche Fehler von Ärzten

Menschen machen Fehler, Ärzte auch. Doch die Behandlungsfehler von Ärzten wiegen einfach schwerer als die vieler anderer Berufsgruppen. Durch ihre Fehler erleiden Patienten Schmerzen, gesundheitliche Einschränkungen, schwere Folgen bis hin zum Tod. Vor diesem Hintergrund ist zunächst einmal der seit Jahren offene Umgang der Mediziner mit ihren eigenen Fehlern zu loben. Jahr für Jahr legen sie ihre Statistik vor, welche Vorwürfe gegen sie erhoben werden und in welchen Fällen sie Fehler einräumen. Welche andere Berufsgruppe macht das schon? Die Daten dienen nicht nur der Transparenz.

Sie sind auch die Grundlage dafür, aus den eigenen Fehlern zu lernen und Strategien zu entwickeln, diese künftig zu vermeiden. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die meisten Beschwerden nach dem Einsetzen künstlicher Knie- und Hüftgelenke auflaufen. Bei solchen Standardoperationen können sich Patienten bis zu einem gewissen Grad selbst vor Kunstfehlern schützen: Sie sollten ein Krankenhaus auswählen, das diese Eingriffe häufig durchführt. Die einfache Faustregel: Je höher die Fallzahlen für bestimmte Eingriffe, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen.¹

„Die Zahlen der Bundesärztekammer zu Behandlungsfehlern sind leider kein Anlass zur Beruhigung, denn sie zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Jedes Jahr kommen Hunderttausende von Patientinnen und Patienten in Arztpraxen, Krankenhäusern oder durch Arzneimittel zu Schaden. Aber sie haben nur geringe Chancen, dafür eine Entschädigung zu erhalten“, kommentiert Sylvia Gabelmann, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte der Fraktion DIE LINKE, die heute veröffentlichte Behandlungsfehlerstatistik der Bundesärztekammer. Gabelmann weiter:

„Solange die Geschädigten beweisen müssen, dass sämtliche sonstigen Ursachen für die Schädigung ausgeschlossen sind, haben sie vor Gericht schlechte Karten. Darum brauchen wir dringend eine Beweislastumkehr: Dann müssten die Behandelnden beweisen, dass nicht sie für die Schädigung verantwortlich sind.

Zudem würde ein Entschädigungsfonds dazu beitragen, den Geschädigten schnell und unbürokratisch zu ihrem Recht zu verhelfen. Viele der Kranken, die durch die Behandlung noch kränker gemacht wurden, können jahrelange Gerichtsverfahren mit teuren Anwaltskosten gar nicht durchstehen. Darum müssen die Patientenrechte schnell erweitert und gestärkt werden, zum Beispiel auch durch Einrichtung eines unabhängigen Gutachterpools.“²

¹Rheinische Post ²Partei Die Linke im Bundestag

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