Glyphosat erst ab 2022 krebserregend

Umweltministerium begrüßt wahrscheinliches Ende für Glyphosat

Glyphosat erst ab 2022 krebserregend

Das Bundesumweltministerium hat die Ankündigung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner zum Ende der Glyphosat-Zulassung in der Europäischen Union begrüßt. „Es ist gut, dass die Bundeslandwirtschaftsministerin sich zum Enddatum 2022 bekennt“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Tagesspiegel. „Für die Zeit vor 2022 brauchen wir einen überzeugenden Ausstiegspfad mit Einschränkungen bei Flächen und Anwendungen“, betonte der Sprecher. Dazu sei man „in konstruktiven Gesprächen“ mit dem Landwirtschaftsministerium.

Klöckner hatte im Tagesspiegel-Interview gesagt, sie gehe nicht davon aus, dass es nach 2022 noch eine Mehrheit für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der EU gebe. 2017 hatten die Agrarminister der EU die Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels um fünf Jahre verlängert. Maßgeblich war damals die Zustimmung des amtierenden deutschen Agrarministers Christian Schmidt gewesen.

Die Einschätzung Klöckners, dass Glyphosat keine Zukunft in Europa mehr haben wird, teilt auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling. „Der Druck ist zu groß“, sagte Häusling dem Tagesspiegel. Der Grünen-Politiker begrüßt das: „Jeder Tag mit Glyphosat ist einer zu viel“.¹

Nationale Glyphosat-Verbote unvereinbar mit EU-Recht

Ein vollständiges Verbot von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln durch einzelne Mitgliedstaaten verstößt gegen Europarecht. Zu diesem Fazit kommt der Endbericht des interdisziplinären Forschungsprojekts „Nationale Machbarkeitsstudie zum Glyphosatausstieg“ der Universität für Bodenkultur in Wien, der unmittelbar vor dem entsprechenden Beschluss im österreichischen Nationalrat veröffentlicht wurde.

Nach Ansicht des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) ist die Argumentation der Wissenschaftler klar und deutlich. „Seit zehn Jahren haben wir in Europa einen gemeinsamen Rechtsrahmen für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln – mit den weltweit strengsten Anforderungen an die Sicherheit der Wirkstoffe. Ein wichtiges Ziel dieser Verordnung war es, durch die Harmonisierung den Binnenmarkt zu stärken und die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern“, kommentiert Ursula Lüttmer-Ouazane, Vorsitzende des IVA-Fachbereichs Pflanzenschutz. „Von einem neuerlichen Flickenteppich aus nationalen Sonderregelungen hat niemand einen Vorteil, am allerwenigsten die Produzenten in der Landwirtschaft“.²

¹Der Tagesspiegel ²Industrieverband Agrar e. V.

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