GrippewelleÄrztekammer kritisiert Impfpolitik der Krankenkassen

Grippewelle: NAV-Landeschef fordert Vierfach-Impfung auf Kassenkosten

GrippewelleÄrztekammer kritisiert Impfpolitik der Krankenkassen

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt übt massive Kritik an den gesetzlichen Krankenkassen und deren Impfpolitik. Das berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung. Hintergrund ist die aktuelle Grippewelle, eine der schlimmsten der vergangenen Jahre ist. Das Problem: Der vorwiegend verwendete günstigere Dreifach-Impfstoff gegen die Grippe hilft in dieser Saison nur den wenigsten Betroffenen. Denn drei Viertel der Erkrankungen werden laut Robert-Koch-Institut (RKI) durch einen Influenza-B-Erreger verursacht.

Und gegen diesen Virentyp schützt nur der Vierfach-Impfstoff. Bezahlt wird er aber bisher nur von wenigen Krankenkassen. „Wir haben ein Problem, dass man lösen könnte. Aber das wird von den Krankenkassen blockiert“, sagt Gunther Gosch, Vorstandsmitglied der Ärztekammer. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission, die bereits im November 2017 zur Verwendung der Vierfach-Impfung geraten hatte, wurde bisher weitestgehend ignoriert. Die Kassen selbst verweisen auf mehrjährige Verträge mit den Pharmakonzernen. Mitteldeutsche Zeitung

Grippewelle bereitet NRW-Kliniken Sorgen: Krankenhäuser arbeiten an ihrer Belastungsgrenze — Weiterer Kapazitätsabbau ist falsches Signal

„Die seit Dezember andauernde Grippewelle bringt viele unserer Krankenhäuser in NRW an ihre Kapazitätsgrenze. In den Notaufnahmen und internistischen Stationen in den NRW-Kliniken beobachten wir einen deutlichen Anstieg von Patienten mit Grippesymptomen“, sagt Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW). Die Aufnahmekapazitäten änderten sich zwar stündlich, doch die Krankenhäuser arbeiteten an ihrer Belastungsgrenze. Die Zahl der Grippefälle sei – wie das Robert Koch-Institut bestätigt — ungewöhnlich hoch und bereite unseren Krankenhäusern Sorgen. Zumal die Grippewelle auch vor dem Klinikpersonal nicht Halt mache, erklärt der KGNW-Präsident. Das Bereitstellen von Isolationsmöglichkeiten führe zu Verschiebungen. Da Grippepatienten in aller Regel isoliert würden, führe das dazu, dass etwa in einem Zwei-Bett-Zimmer nur ein Patient liegen kann. Je nach Belegung erfolge eine Verlegung des Patienten in ein anderes Krankenhaus und das wiederum führe zu Kritik am Klinikpersonal, sagt Brink.

„Vor dem Hintergrund von unerwarteten Ereignissen wie Influenza-Epidemien ist der vielfach geforderte Kapazitätsabbau in unserer Krankenhauslandschaft und der damit verbundene Bettenabbau das falsche Signal an unsere Bevölkerung“, warnt der KGNW-Präsident. „Zumal sich in den vergangenen zehn Jahren eine Menge bei den Strukturen bewegt hat. Zwischen 2006 und 2016 reduzierte sich die Zahl der Kliniken in NRW von 437 auf 348, obwohl die Zahl der stationär behandelten Patienten gleichzeitig von 3,9 Mio. auf 4,6 Mio. im Jahr anstieg. Die Krankenhäuser tragen als Teil der Daseinsvorsorge die Verantwortung für die bestmögliche medizinische Versorgung für jede Patientin und jeden Patienten in ganz NRW, auch bei unerwarteten und unvorhergesehenen schweren Ereignissen wie eine stetig zunehmende Grippewelle, an denen eine hohe Zahl an Patientinnen und Patienten teils schwer erkranken. Es ist unsere Fürsorgepflicht, auch bei jahreszeitlichen Belegungsschwankungen ausreichende Kapazitäten wie auch Isolationsmöglichkeiten vorzuhalten“, konstatiert Brink.

Der aktuelle Kapazitätsengpass zeige sehr deutlich, dass eine Kapazitätsreduzierung gefährlich sei, warnt Brink und richtet seinen Appell an die nordrhein-westfälische Landesregierung, Strukturveränderungen mit Augenmaß zu verfolgen und für die Erhaltung sowie Modernisierung von Krankenhäusern durch eine auskömmliche Investitionsfinanzierung zu sorgen. Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V.

Grippewelle: NAV-Landeschef fordert Vierfach-Impfung auf Kassenkosten

Gesetzlich Versicherte sollen nach Ansicht des Vorsitzenden der Landesgruppe Schleswig-Holstein des NAV-Virchow-Bundes künftig besser gegen Grippe geimpft werden können. „Es ist ein Unding, dass nur privat Versicherte die wirksamere Vierfach-Schutzimpfung erstattet bekommen und GKV-Patienten mit dem Dreifach-Mittel abgespeist werden“, kritisiert Matthias Seusing. Gerade Hochrisiko-Patienten seien während der aktuellen Grippewelle auf einen effektiven Schutz angewiesen.

Wenn sich im Laufe der Influenza-Saison ein Erreger als besonders aktiv erweise, wie es derzeit der Fall sei, müssen die Krankenkassen auf die veränderte Situation reagieren, fordert der Kieler Allgemeinarzt: „Als Arzt ist mir der Versichertenstatus eines Patienten erst einmal egal. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich alle gleich gut behandeln möchte. Das sollte auch Ziel der Kassen sein.“ In besonderen Situationen, wie der derzeit grassierenden heftigen Grippewelle, komme es auf schnelle und unbürokratische Hilfen an.

Zumindest Alte und Patienten mit bestimmten kritischen Vorerkrankungen sollen nach Ansicht Seusings künftig bei veränderten Erregerstämmen auf Kassenkosten nachgeimpft werden können. „Bei Patienten mit beispielsweise COPD und Herzinsuffizienz ist eine späte Nachimpfung in der Regel sinnvoll. Kommt bei diesen Menschen eine Grippe hinzu, kann sich der Gesundheitszustand dramatisch verschlechtern“, erklärt der Hausarzt.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts hatte erst im Februar die Vierfach-Impfung gegen Grippe empfohlen. Bis dahin waren die RKI-Experten von einem guten Schutz durch die Dreifach-Impfung ausgegangen. Im Unterschied zur Dreifach-Impfung ist der Vierfach-Impfstoff auch gegen die sogenannte Yamagata-Linie wirksam. Nach Angaben des RKI macht die Linie derzeit rund 75 Prozent der Grippeerkrankungen aus. NAV-Virchow-Bund Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands

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