Grüne fordern: Bauern sollen weniger Schweine, Rinder und Hühner halten

Ostendorff fordert vor Sitzung des Klimakabinetts Reduzierung der Tierhaltung, Union dagegen - Bauern appellieren an Verbraucher

Grüne fordern: Bauern sollen weniger Schweine, Rinder und Hühner halten

Die Bundesregierung soll sich nach Auffassung der Grünen dafür einsetzen, dass weniger Tiere in der deutschen Landwirtschaft gehalten werden. Vor der Sitzung des Klimakabinetts am Freitag forderte der agrarpolitische Sprecher Friedrich Ostendorff in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Damit die Tierhaltung ökologisch verträglicher wird, muss die Zahl der gehaltenen Tiere runter.“ Den Bauern müsse dabei geholfen werden, „die Anstrengungen für den Klimaschutz mitzutragen“. Landwirte „brauchen eine verlässliche Unterstützung, wenn sie sich für mehr Tierschutz entscheiden und dafür weniger Tiere halten“.

SPD-Agrarpolitiker Rainer Spiering zeigt sich auf Anfrage der „NOZ“ offen für eine Reduktion. Er sagte, die Tierhaltung müsse zurück zu einer Flächenbindung. Pro Hektar Land sollte ein Betrieb nicht mehr als zwei Kühe halten. Unions-Fraktionsvize Gitta Connemann wies den Grünen-Vorschlag indes als „scheinheilig“ zurück. „Es bringt nichts, das Hohelied der kleinen Betriebe in Sonntagsreden zu singen. Entscheidend ist das Alltagshandeln – auch der Politik.“ Jede weitere Auflage sorge dafür, dass weitere Bauern aufgeben würden. „Wer das will, muss es genauso deutlich sagen. Wir wollen das nicht.“

Bauernpräsident Joachim Rukwied mahnte auf Anfrage der „NOZ: „Wenn wir die Tierhaltung in Deutschland umbauen wollen, brauchen wir zum einen eine umfassende Unterstützung vom Gesetzgeber, zum anderen die Honorierung am Markt.“ Die Verbraucher müssten am Ende bereit sein, im Supermarkt mehr fürs Fleisch aus umweltfreundlicherer und tiergerechterer Haltung zu bezahlen. Derweil will die Regierung in den Niederlanden im Herbst Landwirten Geld zahlen, wenn sie Sauenställe abreißen und die Produktion beenden.

Hierzulande werden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 25,9 Millionen Schweine, 11,8 Millionen Rinder und 4,8 Millionen Milchkühe sowie etwa 170 Millionen Stück Geflügel gehalten. Laut Umweltbundesamt hat die Landwirtschaft einen Anteil von etwa sieben Prozent am Ausstoß von Klimagasen in Deutschland.¹

Baerbock widerspricht Parteifreund: Höhere Steuern auf Fleisch nicht sinnvoll / „Darum wird es den Tieren in den Ställen dann auch nicht besser gehen“

Die Vorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, Annalena Baerbock, hat sich gegen einen erhöhten Mehrwertsteuersatz auf Fleisch ausgesprochen.

Im ARD-Mittagsmagazin sagte sie: „Wir haben als Partei auch gesagt, dass wir jetzt den Einzelvorschlag, die Mehrwertsteuer für Fleisch zu erhöhen, nicht für sinnvoll halten.“ Mehrere Politiker aus der SPD und von den Grünen – unter anderem der agrarpolitische Sprecher Friedrich Ostendorff – hatten die erhöhte Steuer auf Fleisch in den vergangenen Tagen ins Gespräch gebracht. Baerbock hält eine höhere Steuer nicht für zielführend – insbesondere mit Blick auf das Tierwohl. Darum werde es den Tieren in den Ställen dann auch nicht besser gehen, sagte sie.

Die Vorsitzende der Grünen verwies stattdessen auf das Ziel ihrer Partei, die Agrarförderung grundlegend umzustellen. „Jetzt gibt es von den EU-Agrarförderung vor allem für die Größe Geld und nicht für die Art und Weise, wie man seine Tiere hält“, sagte Baerbock.²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Rundfunk Berlin-Brandenburg

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