Jens Spahn – willkommen in der Pflege-Realität

Menschen vor Profite: Pflegenotstand stoppen!

Jens Spahn – willkommen in der Pflege-Realität

Ein starkes Stück: 15 Jahre haben die Pflegeheimbetreiber in NRW Zeit gehabt, um die Einzelzimmerquote von 80 Prozent zu erreichen – 550 haben es trotzdem nicht geschafft. Und nun warnt der Verband der privaten Betreiber vor Versorgungsengpässen wegen eines Belegungsstopps. Als ob ganz plötzlich übertriebene Auflagen gemacht würden. Dabei werden viel zu wenige Auflagen gemacht. Dass Investoren aus aller Welt Milliarden in den deutschen Pflegemarkt stecken, dass Immobilien, Betreiber und Heimketten häufig die Besitzer wechseln, liegt daran, dass mit Alten und Kranken viel Geld zu verdienen ist. Und wo die Rendite im Vordergrund steht, wird an den Kosten gespart.

Besonders an den Personalkosten. Und die Bezahlung ist nur ein Grund für den Arbeitskräftemangel: Unzureichende personelle Besetzung schafft Arbeitsdruck, der oft verhindert, was den Pflegeberuf wertvoll macht: menschliche Nähe, Trost und Zuspruch. Für ausländische Fachkräfte ist Deutschland deshalb wirklich nicht erste Wahl, wie die Stiftung Patientenschutz anmerkt. Die Schaffung besserer Arbeitsbedingungen wird viel Geld und Anstrengung kosten. Doch die Pflegebedürftigen haben es verdient. Und wahrscheinlich war die Privatisierung doch keine so gute Idee. Westfalenpost

Mehr als ein Markt – Zum drohenden Aufnahmestopp in NRW-Pflegeheimen

Die Öffentliche Pflege in Deutschland ist eine humanitäre Katastrophe. Wir brauchen 100.000 Kräfte mehr in den Krankenhäusern und eine verbindliche Mindestpersonalregelung, um menschenwürdig pflegen zu können.

Wir dürfen im europäischen Vergleich nicht mehr das Schlusslicht bilden. Der im Koalitionsvertrag beschlossene Pflegeschlüssel für Krankenhäuser reicht nicht aus. In Deutschland kümmert sich eine Krankenschwester im Schnitt um 13 Patienten und Patientinnen, in den Niederlanden, beispielsweise, sind es sieben.

Die 8000 neuen Pflegekräfte in der Altenpflege, die Herr Spahn bereit wäre einzustellen, wären weniger, als eine zusätzliche Pflegekraft pro Einrichtung. Die Pflegeberufe müssen endlich aufgewertet werden: Können Sie von durchschnittlich 2500 Euro Bruttogehalt leben, Herr Spahn?

Bundesweit werden immer mehr Krankenhäuser geschlossen oder privatisiert, zahlreiche Pflegeeinrichtungen befinden sich in nicht tarifgebundener Trägerschaft, Lohndumping ist an der Tagesordnung. Daraus müssen wir schließen: Wettbewerbsfähigkeit und Profite von privaten Konzernen sind der GroKo wichtiger als die Menschenwürde. Partei Die Linke im Bundestag

Jens Spahn ist als Minister dafür verantwortlich, dass die Altenpflege in Deutschland zukunftssicher gemacht wird, was sie heute nicht ist. Als wichtigste Aufgabe hat er dafür Sorge zu tragen, dass ausreichend Personal zur Verfügung steht. Endlich und zu Recht hat er jetzt deutlich gesagt, dass das nicht ohne Fachkräfte aus dem Ausland geht. Danke dafür, Herr Minister, und herzlich willkommen in der Pflege-Realität.

Die Pflegepolitik in Deutschland ist gespickt mit üblen Fallstricken und strotzt nur so von unerledigten Baustellen. Sie ist unsäglich kompliziert strukturiert und organisiert, auch weil 16 Bundesländer mitreden wollen. Es tut gut zu sehen, dass Jens Spahn nun endlich beginnt, sich inhaltlich um die Altenpflege zu kümmern. Zu lange hat er sich zu allen möglichen Themen – von Hartz IV bis zum Islam – öffentlich geäußert, statt sich auf sein Kernthema voll und ganz zu konzentrieren, woran er letztlich politisch gemessen wird.

Dazu Friedhelm Fiedler, Vizepräsident vom Arbeitgeberverband Pflege: ,,Willkommen in der Pflege-Realität. Das drängende Thema Personal muss endlich entschieden angepackt werden. Neben einer angemessenen Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen in der stationären und der ambulanten Pflege gehört dazu auch, dass wir dringend Pflegekräfte aus dem Ausland zu uns holen – aus anderen EU-Ländern, aber auch aus sogenannten Drittstaaten in Asien, Afrika oder Lateinamerika, wo es viele gut ausgebildete Pflegekräfte gibt, die gerne bei uns arbeiten möchten. Grundlage muss ein modernes Einwanderungsgesetz sein, wogegen sich vor allem Teile der Union lange Zeit gesträubt haben.

Selbstverständlich müssen diese Pflegekräfte ausreichend gut Deutsch sprechen und natürlich müssen sie nach deutschem Standard qualifiziert sein für diesen anspruchsvollen Beruf. Das alles ist aber kein Hexenwerk, wie viele gelungene Einwanderungsbeispiele zeigen. Und die Visa- und Anerkennungsverfahren müssen vereinheitlicht, beschleunigt und entkompliziert werden. Da muss Herr Spahn noch kräftig nachlegen und mit der überbordenden Bürokratie aufräumen. Notfalls muss er Ministerkollegen in Bund und Ländern auch mal kräftig auf die Füße treten.“

Fiedler weiter: ,,Warum einige Verbände, etwa die Deutsche Stiftung Patientenschutz, auf Spahns guten Vorstoß nichts anderes einfällt, als weiter zu nörgeln, ist unverständlich. Aber Herr Eugen Brysch und andere Verbandsvertreter leben ja wohl vor allem auch von schlechten und weniger von guten Nachrichten. Leider“. Arbeitgeberverband Pflege e.V.

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