Kinder mit Glyphosat vergiftet

Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat umstritten

Kinder mit Glyphosat vergiftet

Das umstrittene Glyphosat findet sich nicht nur auf Äckern, sondern auch im Wasser, im Brot, im Bier und im Menschen. Es muss nicht, kann aber krebsauslösend sein. Der Herstellerkonzern Monsanto verdient nicht nur mit dem Pestizid Geld, sondern auch mit Pflanzen, die gentechnisch dagegen immunisiert wurden. Berliner Zeitung

Studie des Landesumweltamtes NRW weist Rückstände von Unkrautvernichter Glyphosat im Urin von Kita-Kindern nach

Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat lassen sich bereits im Urin von Kindern nachweisen. Das geht aus einer der NRZ vorliegenden Studie des Landesamts für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (Lanuv) hervor. In dieser Studie – laut Lanuv der weltweit ersten ihrer Art – wurden im Urin von 250 Kita-Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren in 63 Prozent Glyphosat-Konzentrationen oberhalb der Bestimmungsgrenze von 0,1 Mikrogramm pro Liter gemessen. Der Spitzenwert lag bei 0,97 Mikrogramm pro Liter. Die fachliche Diskussion über die mögliche krebserzeugende Wirkung von Glyphosat sei aber noch nicht abgeschlossen, heißt es ausdrücklich in der Lanuv-Studie.

Die bei den Kindern gemessenen Werte entsprechen laut Landesumweltamt ähnlichen Untersuchungen bei Erwachsenen. Die gemessenen Werte liegen sehr deutlich unter den von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als unbedenklich eingestuften Grenzwerten. Deswegen seien „keine gesundheitlichen Auswirkungen als wahrscheinlich anzunehmen“, heißt es in der Lanuv-Studie. Weil aber nicht abgeschätzt werden könne, ob „es im Lauf der Zeit zu einer Zunahme oder zu einem Rückgang“ der Belastung komme, empfiehlt das Lanuv, dass die „Glyphosat-Belastung der Kinder in NRW unbedingt weiter verfolgt werden“ solle. Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

Glyphosat: Verlierer überall

Wem soll man glauben? Da sagt eine Untersuchung, dass Glyphosat, das seit Jahren in der Kritik ist, wohl krebserregend ist. Dann kommt eine andere, die behauptet, dass es dafür keinerlei Anlass gibt – zumindest, wenn das Mittel in einer handelsüblichen Dosis verabreicht wird. Auf der Strecke bleiben dabei Verbraucher wie Landwirte. Wer sich Sorgen gemacht hat, dass das Unkrautvernichtungsmittel vielleicht schädlicher ist, als behauptet wird, dürfte jetzt erst recht daran zweifeln, dass ihm die Wahrheit gesagt wird. Schließlich kommt die neue Untersuchung just zu dem Zeitpunkt, da der Streit um Glyphosat auf den politischen Ebenen in Berlin und Brüssel die entscheidende Phase erreicht.

Zu den großen Verlierern zählen die Landwirte. Sie haben sich darauf verlassen, dass das vor Jahren freigegebene Mittel unbedenklich ist. Die aktuellen Zweifel fallen auf sie zurück und beschädigen auch ihre Glaubwürdigkeit. Dazu kommt, dass die Verbraucher ohnehin verunsichert sind. Zudem wollen sie gerne alles möglichst regional und biologisch haben, das aber am besten vom Discounter zum Sparpreis und bitte im XXL-Paket. In Zeiten, in denen die Preise für die Produkte der Landwirte ins Bodenlose fallen, ist diese Gemengelage existenzbedrohend. Christian Kucznzierz, Mittelbayerische Zeitung

Umstrittenes Pflanzenschutzmittel

Die Umwelttoxikologin Heidi Foth von der Uniklinik in Halle hält eine Zulassungs-Verlängerung für das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat für vertretbar. „Eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen besteht nicht, weil die Mengen, die uns über die Nahrung und die Umwelt erreichen, zu gering sind“, sagte die Wissenschaftlerin der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung. „Ich sehe keine stichhaltigen Gründe, die Zulassung als Wirkstoff zu verweigern“, sagte Foth, die auch Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen ist. Die Europäische Union entscheidet diese Woche über eine Verlängerung der Zulassung, die Ende Juni ausläuft. Für Kritiker steht Glyphosat im Verdacht, krebserregend zu sein. Mit Blick auf die Umwelt sieht jedoch auch Foth das Pflanzenschutzmittel kritisch. „Glyphosat wurde im Grundwasser gefunden und ist wesentlicher Mitverursacher für den Verlust an Biodiversität, also Artenvielfalt, in der Agrarlandschaft.“ Mitteldeutsche Zeitung

Zum Umweltgutachten 2016 des Sachverständigenrates für Umweltfragen erklärt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender:

Das Gutachten ist ein hartes Urteil für die Bundesregierung. Es offenbart eine völlig verfehlte Landwirtschafts- und Energiepolitik. Die Agrarwende und der Kohleausstieg sind längst überfällig und dürfen nicht länger verschleppt werden. Die Union hat sich als Risiko für Umwelt und Landwirte entpuppt.

Wir brauchen die Agrarwende, um die industrielle Landwirtschaft vom Umweltkiller zum Umweltschützer zu machen, um die Gesundheit der Verbraucher zu schützen und um eine auskömmliche Zukunft für die Bäuerinnen und Bauern zu sichern. Der inflationäre Einsatz von Pestiziden und Nitrat vergiftet nicht nur Böden und Tiere, sondern setzt auch unsere Gesundheit aufs Spiel. Wir brauchen weniger Ackergifte und mehr Umweltschutz. Einen neuen Blankoscheck für Glyphosat darf es nicht geben.

Die Preiskrise, insbesondere auf dem Milchmarkt, macht deutlich: Auch für die Landwirte kann es so nicht weitergehen. Während Minister Schmidt die Agroindustrie hofiert, stehen viele Familienbetriebe vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Minister Schmidt setzt aufs Höfesterben. Er befeuert den Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft. Wir müssen umsteuern, um die Landwirtschaft endlich zukunftsfähig zu gestalten und um Höfe und Arbeitsplätze zu erhalten.

Eine bäuerliche Landwirtschaft mit Zukunft – das geht nur ohne TTIP. Die TTIP-Leaks zeigen klar: So würde das Höfesterben in der bäuerlichen Landwirtschaft in Deutschland beschleunigt. Denn mit TTIP und auch schon mit CETA würde sich die Konkurrenz aus Übersee vervielfachen. In den USA ist die Industrialisierung der Landwirtschaft viel weiter fortgeschritten als bei uns. Wer bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland erhalten will, der kann TTIP nur ablehnen.

Die Pleiten der Milchbauern sind da nur ein kleiner Vorgeschmack, was uns mit TTIP und CETA droht. Die Union ist ideologisch so auf Freihandel fixiert, dass ihr das Höfesterben in Deutschland egal ist. Ein Pseudo-Milchgipfel wie von Minister Schmidt geplant, kann man sich vor diesem Hintergrund getrost sparen. Wie in der Vergangenheit werden die Bauern von der Bundesregierung allein gelassen.

Das Umweltgutachten zeigt auch: Die Tatenlosigkeit der Bundesregierung seit dem Klimavertrag von Paris muss endlich ein Ende haben. Wir brauchen den verbindlichen Kohleausstieg, rasch und sozialverträglich. Dafür muss die Bundesregierung einen soliden Plan vorlegen. Das ist sie den betroffenen Regionen und Beschäftigten schuldig. Es reicht nicht, auf internationalem Parkett von Dekarbonisierung zu schwadronieren. Die Bundesregierung muss auch handeln. Bündnis90/Die Grünen im Bundestag

DasParlament

Kommentar verfassen