Krankenhäuser am Tropf

NRW hat zu viele Krankenhäuser

Krankenhäuser am Tropf

Zwei Milliarden Euro beträgt allein der Investitionsstau im Gesundheitswesen. Veraltete Gebäude, überholte technische Ausstattung und natürlich auch zu wenig Personal.

Im Gesundheitswesen rächt sich jetzt, was in den vergangenen zwei Jahrzehnten versäumt wurde. Die Investitionen in moderne Standorte mit moderner Ausstattung wurden viel zu lange vernachlässigt. Da teilt die Gesundheitsbranche das Schicksal mit vielen Schulen und Kitas, den Straßen und Brücken, vielen Verwaltungsgebäuden und Sportanlagen.

Es wird viel Zeit kosten, die Folgen der harten Jahre des Sparens zu beseitigen. Die Sorgen der Gesundheitswirtschaft sind daher nachvollziehbar und berechtigt. Das Geld, das die Landesregierung für sie bereit stellt, ist zwar so viel, wie seit vielen Jahren nicht, aber es reicht auch kaum aus, den Bestand zu sichern.

Zumal neue Herausforderungen unmittelbar bevorstehen. Einerseits wächst Berlin seit Jahren ungebremst, die medizinische Versorgung muss in den kommenden Jahren daher weiter ausgebaut werden, andererseits stehen in der Branche massive Veränderungen durch die Digitalisierung bevor. Alle Gesundheitsstandorte benötigen allein dafür viele Millionen Euro, um mit der Entwicklung stand zu halten.

Vielen bleibt dabei nichts anderes übrig, als woanders zu sparen: beim Personal. So gesellt sich zum schlechten Zustand der Gesundheitsstandorte auch noch eine Personalnot. Das Parlament wird hier nachjustieren müssen.¹

Die Reform der Krankenhauslandschaft ist überfällig. Etwa die Hälfte der rund 350 Häuser in NRW ist wirtschaftlich angeschlagen. Auch die medizinische Versorgungsqualität lässt vielerorts zu wünschen übrig. Etliche Kliniken bieten Behandlungen an, mit denen sie zu wenig Erfahrung haben. Andere finden kaum noch gute Ärzte und Pfleger. Die medizinischen Gerätschaften werden immer besser, aber auch immer teurer. Häuser, bei denen das Geld knapp ist, setzen selten die neuesten Techniken ein. Was sich im Internet-Zeitalter auch schneller als früher herumspricht, weshalb solchen Häusern schleichend auch die Patienten davonlaufen. Zumal die Gesellschaft immer mobiler wird. Weniger Krankenhäuser wären leichter zu finanzieren und besser für die Patienten.

Diese gesundheitspolitische Binse, gerade erst wieder durch eine Bertelsmann-Studie belegt, schreit schon lange nach Konsequenzen. Aber Generationen von Gesundheitsministern sind bislang davor zurückgeschreckt. Sie haben den Aufstand der Bürgermeister, Patienten- und Ärzteverbände gefürchtet, der absehbar ist, wenn ein Politiker ihnen „ihr“ Krankenhaus wegnehmen will. Es ist der Fluch der Gesundheitspolitik, dass ihre Themen so leicht emotionalisierbar sind. Jede noch so vernünftige Reform kämpft deshalb stets gegen einen Berg von Polemik, auf dem die Absturzgefahr für Gesundheitsminister erheblich ist. Es ehrt Laumann, dass er sich diesem Risiko aussetzt. Allerdings tut er das mit wohlüberlegtem Timing. Die Zeit bis zur nächsten Wahl dürfte wohl nur noch für den Entwurf seiner Reform ausreichen. Dann ist Laumann 65. Wahrscheinlich wird ein Nachfolger die heikle Umsetzung der massenhaften Schließung von Krankenhäusern übernehmen müssen. Und ob der dann den Mut dazu haben wird, steht in den Sternen.²

¹Jens Anker – Berliner Morgenpost ²Rheinische Post

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