Landarzt-Quote ist gut

Landarztquote: Bewerbungsverfahren startet Ende März

Landarzt-Quote ist gut

Gegen die Landarzt-Quote von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist wenig einzuwenden. Die beiden wichtigsten Gegenargumente sind leicht zu widerlegen: Es sei jungen Menschen nicht zuzumuten, sich für zehn Jahre als Landarzt zu verpflichten, weil sie dann kaum noch auf die Wechselfälle des Lebens reagieren könnten. Dieser Einwand ist schwach. Es wird den jungen Menschen gar nichts zugemutet. Sie muten sich diese Zusage selbst zu, um im Gegenzug einen Studienplatz zu erhalten, den sie sonst nicht bekommen hätten. Außerdem legen Menschen sich auch in anderen Lebensbereichen für lange Zeiträume fest. Zeitsoldaten zum Beispiel. Oder Paare mit Kinderwunsch.

Andere kritisieren die zeitliche Verzögerung, weil auch die Quoten-Studienanfänger von heute frühestens in sechs Jahren als Ärzte arbeiten werden. Dieser Einwand ist richtig. Aber die Schlussfolgerung, Laumanns Landarzt-Quoten-Modell wäre deshalb untauglich, ist falsch. Die richtige Schlussfolgerung ist: Die rot-grüne Vorgängerregierung hätte dasselbe Modell schon vor sechs Jahren einführen sollen.¹

Landarztquote bei den Medizin-Studienplätzen in NRW – Nur ein Anfang

Rund 6.400 der 11.500 Hausärzte in NRW sind älter als 55 Jahre. Ihr berufliches Ende ist also absehbar. Schon jetzt sind 649 Hausarztsitze nicht besetzt. Der Mangel an Hausärzten – vor allem auf dem Lande – wird also in den nächsten Jahren zunehmen. Das ist so sicher wie das „Amen“ in der Kirche, würde der gläubige Katholik Karl-Josef Laumann, zurzeit Gesundheitsminister in NRW, sagen. Insofern ist die Landarztquote, die der Minister mit der ihm eigenen Beharrlichkeit durchboxt, kein schnelles Allheilmittel. Denn ihre Wirkung ist eher langfristig zu sehen. Bis die ersten Quoten-Landärzte in den Dörfern angekommen sind, werden zehn Jahre vergehen. Natürlich ist es das A und O, die Zahl der Medizin-Studienplätze in NRW zu erhöhen. Es kann schließlich kein Dauerzustand sein, dass in NRW 2.000 Ärzte in einem Jahr fertig werden und außerdem noch 1.500 Ärzte aus dem Ausland geholt werden müssen. Das alles macht deutlich, von welch herausragender Bedeutung die Gründung der neuen Medizinischen Fakultät in Bielefeld mit ihren 300 zusätzlichen Studienplätzen ist. Laumann ist in einem Punkt zuzustimmen. Der Ärztemangel in NRW zeichnet sich schon seit langem ab. Es war unverantwortlich, ihm nicht schon viel früher zu Leibe zu rücken.²

Kabinett verabschiedet Rechtsverordnung zum Landarztgesetz

Minister Karl-Josef Laumann hat heute in Düsseldorf die vom Kabinett verabschiedete Rechtsverordnung zum Landarztgesetz Nordrhein-Westfalen (LAG NRW) vorgestellt. Diese wird zeitnah mit der Veröffentlichung im Ministerialblatt in Kraft treten. Mit der Rechtsverordnung wird die Grundlage für das Bewerbungs- und Auswahlverfahren für die sogenannte Landarztquote geschaffen. Damit können zum Wintersemester 2019/2020 planmäßig die ersten Studierenden im Rahmen der Landarztquote ihr Studium der Humanmedizin beginnen. Das LAG NRW war bereits im Dezember 2018 vom Landtag verabschiedet worden.

Minister Laumann erklärte: „Wir gehen mutig voran und setzen die Landarztquote als erstes Bundesland zügig in die Tat um. Ziel ist es, motivierte und qualifizierte Studierende zu finden, die in Zukunft als Hausärztinnen und Hausärzte gerne in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen arbeiten.“ Mit der Landarztquote zähle künftig bei der Auswahl der Studierenden nicht mehr allein die Abiturnote, so Laumann. „Die Abiturnote alleine zeigt längst nicht, ob jemand ein guter Hausarzt sein wird oder nicht. Darum zählt bei der Landarztquote neben beruflichen Vorkenntnissen insbesondere das praktische Können in den Auswahlgesprächen. Denn: Patientenorientierung, Empathie und Sozialkompetenz sind wichtige Schlüsselfaktoren des ärztlichen Berufs. Sie sollen im Rahmen der Auswahlgespräche durch Simulationen und Interviews bewertet werden.“

Wesentliche Inhalte der Rechtsverordnung zur Landarztquote sind:

  • Für die Durchführung der Auswahlverfahren ist das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) in Bochum zuständig.
  • Das Online-Bewerberportal ist vom 31. März bis zum 30. April 2019 für das Wintersemester 2019/2020 und vom 1. September bis zum 30. September 2019 für das Sommersemester 2020 geöffnet.
  • Bei der Antragstellung können Präferenzen für die acht Studienorte in Nordrhein-Westfalen angegeben werden, in denen ein Studium der Humanmedizin angeboten wird.
  • Das Bewerbungsverfahren ist zweistufig. In der ersten Stufe wird die Abiturdurchschnittsnote mit 30 Prozent, der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) mit 30 Prozent und eine Ausbildung bzw. berufliche oder praktische Tätigkeit mit 40 Prozent gewichtet. In der zweiten Stufe zählen die Leistungen in den Auswahlgesprächen.
  • Die Auswahlgespräche für das Wintersemester 2019/2020 finden im Juni und für das Sommersemester 2020 im Dezember statt.
  • Studierende im Rahmen der Landarztquote verpflichten sich vertraglich, nach Abschluss des Medizinstudiums und der einschlägigen fachärztlichen Weiterbildung für zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen in Nordrhein-Westfalen tätig zu werden.
  • Werden die vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt, ist von dem Betroffenen eine Strafzahlung in Höhe von 250.000 Euro an das Land zu leisten.³

¹Thomas Reisener – Rheinische Post ²Lothar Schmalen, Düsseldorf – Neue Westfälische ³Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen

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